Wenn Roland Emmerich bei einer Produktion aus dem deutschsprachigen Raum im Hintergrund mitmischt, könnten Filmfreunde schon mal hellhörig werden. Nach knapp zehn Jahren Abstinenz meldet sich der Schweizer Filmemacher Tim Fehlbaum mit einer Dystopie zurück, die deutlich weniger Bombast liefert, als der Name Emmerich eventuell vermuten ließe.
Nachdem die Erde unbewohnbar wurde und sich die letzten Überlebenden auf den Planeten Kepler 209 zurückzogen, soll nun nach dem gescheiterten Erkundungsflug der Ulysses zwei Generationen später ein weiterer folgen. Astronautin Blake (Nora Arnezeder) überlebt als einzige den Absturz der Kapsel und findet eine überaus feuchte Erde vor, auf der sich zwei der überlebenden Gruppen gegenseitig bekämpfen…
Der Streifen wirkt ein wenig wie Mad Max im Wattenmeer, Elemente von „Waterworld“ sind ebenfalls vorzufinden, während er inhaltlich recht viel von Wells „Zeitmaschine“ aufweist. Zwar fallen die meisten Figurenzeichnungen mager aus, da nahezu alles um Blake kreist, doch immerhin macht diese eine Entwicklung durch, wogegen einige Flashbacks nur bedingt Hintergründe liefern.
Eine Stärke von „Tides“ ist seine Optik, da tatsächlich im Wattenmeer gedreht wurde und Grau die absolut dominierende Farbe ist. Das alles begleitet von dichtem Nebel, später kommen Sets eines verlassenen Bergwerks zur Geltung, was stellenweise eine angemessen bedrückende und zugleich einnehmende Atmosphäre generiert. Zudem erweist sich die Kamera von Markus Förderer, der bei „Red Notice“ ebenfalls für die Bilder zuständig war, als weitgehend sichere Hand für effektvolle Einstellungen, welche auch dazu dienen, das nicht übermäßig hohe Budget zu kaschieren.
Denn allzu viel Action sollte man insgesamt nicht erwarten, nicht die großen Schauwerte oder gar epische Schlachten. Zwar gibt es ein paar körperliche Auseinandersetzungen und einige wenige Gewalteinlagen sind ebenfalls auszumachen, doch der Fokus liegt eher bei Blake, welche anfangs genauso wenig weiß wie das Publikum.
Jenes dürfte allerdings früh erahnen, wer unethische Absichten hegen könnte und wer eher moralisch vertretbar handelt. Die Story ist so simpel gestrickt, dass sogar das Finale in vielen Einzelheiten absehbar ausfällt.
Nichts desto trotz nehmen die rund 104 Minuten über weite Teile in Beschlag und obgleich kurze Durchhänger nicht ausbleiben, kommt hin und wieder Spannung auf, während die Darstellerleistungen, Ausstattung und Optik einige Schwachstellen der Geschichte ausgleichen können.
Ein Actionspektakel sollte folgerichtig nicht erwartet werden, Genrefans der eher unaufgeregten Gangart könnten hingegen mal reinschauen.
6,5 von 10