Die Menschheit hat es endlich geschafft. Also die Erde derart auszubeuten, dass sie diese verlassen musste. Zumindest ist dies in dem von Tim Fehlbaum inszenierten SciFi-Film in der Mitte des 21. Jahrhunderts der Fall. Es hat sich also eine „herrschende Elite“ (da freut sich der Wutbürger) nach Kepler-209 aufgemacht und von dort aus schaut ein Trupp Astronauten eine ganze Weile später mal auf der Erde vorbei, ob man denn wieder zurücksiedeln könnte.
Und siehe da, man findet nicht nur atembare Luft vor, sondern auch diverse Einheimische, welche die Raumfahrerin Blake gleich mal gefangen nehmen. Denn die Erdlinge sind allgemein recht ruppig, das sind hier aber auch irgendwie alle. An wenig sympathischen Zeitgenossen mangelt es in diese Dystopie nicht. Blake als zentrale Figur passt da schon irgendwie, gespielt von Nora Arnezeder folgt man ihr durch dieses feuchte und kalte Szenario, in welchem man sich bald selber warme Socken und eine heiße Zitrone wünscht, damit man nicht vom Zuschauen eine Erkältung bekommt.
Das dürfte dann schon ein kleiner Höhepunkt sein, denn die Erzählung liefert davon nicht viel. Das Skript beschreibt weder die Katastrophe selbst weiter, noch geht sie auf die Überlebenden und ihre Sprache ein. Die Astronauten stoßen auch auf überraschend wenig Interesse sie betreffend. Und wo kommt eigentlich der Treibstoff her? Und was ist so auf Kepler-209 los? Wer sich fragt, bleibt dumm.
Abseits der Geschichte selbst, die im Verlauf allzu bekannte Wege geht und außer der Ausgangsidee wenig innovativ ist, bekommt man in „Tides“ immerhin ein paar atmosphärische Bilder zu sehen. Ist das Worldbuilding erzählerisch keine Stärke des Werks, so ist es die triste, vernebelte und teils deprimierende Präsentation. Auf die Laufzeit gesehen reicht das aber nicht.
„Mieses Schlammloch? Mein Zuhause ist das hier.“ - Yoda
Mit einer ansprechenden Präsentation ausgestattet und technisch konkurrenzfähig drögt sich „Tides“ inhaltlich durch die triste Landschaft, in welcher weder aufklärende Zeilen zeitnah mal ausgesprochen werden, noch eine Überraschung im Fortgang der Geschichte zu erwarten ist. Emotional ließ mich das durchweg kalt. Die Warnung vor der Auswaidung des Planeten steht, ansonsten bleibt hier wenig hängen. Nicht wirklich gut zusammengeklaut und aufgrund der Schwächen auf der narrativen Ebene leider recht öde.