Review

The Social F*ckwork


Jim Cummings hat schon mit „Thunder Road“ und „The Wolf of Snow Hollow“ auf sehr eigene Weise bewiesen, dass es mehr Stimmen und Ideen wie seine in der westlichen Filmwelt geben sollte. Nun kehrt er mit „The Beta Test“ wieder vollkommen neben dem üblichen Teppich und fügt einige weitere interessante Facetten zu seinem jetzt schon ordentlichen Oeuvre hinzu. In diesem bizarren Thriller (?) bzw. Genremix bekommt ein bald heiratender Hollywoodagent einen mysteriösen lila Umschlag, der ihm die sexuelle Begegnung seiner Träume verspricht. Anonym und aufregend. Nach einigem Hin und Her geht er seiner scheinbaren Sehnsucht nach, womit seine Probleme und seine inneren, psychischen wie charakterlichen Qualen allerdings gerade erst beginnen, seine Suche nach der Quelle ebenso…

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„The Beta Test“ packt einen in seinen besten Momenten an den Eiern. Und zwar gehörig. Besonders uns Männer. Aber nicht nur. Cummings hat ein Talent Horror und Humor leicht surreal und kauzig zu verbinden, was er hier wieder einmal beweisen kann. Sein Spiel (er ist mal wieder ebenfalls Hauptdarsteller) läuft hier zwar teilweise etwas aus dem Ruder und drüber, doch im Grunde passt das zu Konzept und Setting. Es geht um Wahrheit und Lügen, Schein und Sein, Technik und Realität, Sex und Gewohnheit, Traumfabrik und ihre Alpträume. Es geht um Fremdgehen und den Mut zu seinen Entscheidungen zu stehen. Es geht um Hacks und Hipster, um Feigheit und Fakes, um moderne Medien, ihre Gefahren, Möglichkeiten und Falltüren. Verlockungen und Verpuffungen. Hier trifft etwa einer der eiskaltesten Kills der letzten Jahre (direkt im Intro!) auf manchmal nahezu Slapstick. Und Fremdscham. Ernst und Augenzwinkern wechseln sich teils hyperaktiv ab. Nicht immer wird das Gesamtwerk damit seinen Ambitionen und einzelnen Teilen gerecht. Dennoch ist mir das zehnmal lieber als der fünfzigste Aufguss, den man aus diesem erotischen Cyberkrimi irgendwo zwischen „The Ring“, „The Matrix“, „Eyes Wide Shut“ und „Office Space“ ebenso hätte machen können. Kein Must-See. Aber ein recht mutiges, zweischneidiges Essay zur Lage der Libido. 

Fazit: in seinen Höhepunkten ein messerscharfer Schnitt ins Herz einer heuchlerischen und verlorenen Gesellschaft, nicht nur bei den Reichen in Hollywood. In anderen Phasen aber unkonzentriert, stückig und zu weird zum eigenen, vollen Erfolg. Dennoch: positiv speziell! 

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