Review
von Leimbacher-Mario
Geschnittene Fassung
Im britischen „Censor“ fließen für eine eifrige „Jugendschützerin“ und „Filmprüferin“ Fiktion, Arbeit, Realität und Privatleben gefährlich ineinander. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer lange verschollenen Schwester, nachdem sie meint diese in einem Untergrundhorrorfilm entdeckt zu haben…
Dass nicht viel mehr Horrorfilme im Reich der Zensoren und Prüfer, Verbieter und Spielverderber, Kunstverächter und Spießer spielen, ist fast etwas verwunderlich, haben wir Genrefans (gerade in Deutschland) doch kein allzu gutes Verhältnis zu solchen Gremien. Da könnte doch gut und gerne der ein oder andere Slasher augenzwinkernd mal etwas aufräumen und Rache nehmen können. „Censor“ ist jedoch alles andere als ein Slasher, obwohl selbst von dem Subgenre Spuren zu finden sind. Viel mehr ist es eine kunstvoll angerichtete Platte Psychotisch-Geschnetzeltes. Von der Verrohung und Verführung, von Gewalt und Gegengewalt, von Traumas, Träumen und Turbulenzen. Vom Driller Killer bis Evil Dead. Denn auch die britische Gesellschaft und Zensurlandschaft hatten über die Jahrzehnte nicht immer ein solch entspanntes Verhältnis wie heutzutage, wozu dieser immer halluzinativer werdende Trip einer „Filmkennerin“ einiges zu sagen und fragen hat. Nicht immer mit klaren Antworten, nicht immer mit klarer Kante und Richtung - aber immer verdammt schön und leidenschaftlich für das Genre anzusehen. Plus Niamh Algar spielt aufopferungsvoll. Und natürlich mit unzähligen Zitaten, Hommagen und Ausschnitten aus dem Reich der verbotenen Filme.
Fazit: eine oft brillante, immer stilsichere und gerade für uns Horrorheads sehr verführerische, wenn auch final etwas oberflächliche Verbeugung vor und Kommentar zu Video Nasties, Zensurgremien, Gewalt im Film und der (britischen) Gesellschaft allgemein. Mehr als nur ein Hipsteranhängsel. Ein ziemlich feuchter Traum für fast jeden, der das hier liest, da bin ich mir sicher!