Bis zum Jahr 1984 stand das C in BBFC tatsächlich noch für „Censors“, bevor es durch „British Board of Film Classification“ ersetzt wurde. Enid ist eine solche Zensorin und sie nimmt ihren Job sehr ernst. Großbritannien befindet sich auf dem Höhepunkt der „Video Nasties“ Welle, doch die Filme scheinen Enid nichts auszumachen. Bis sie die Werke eines mysteriösen Regisseurs zu Gesicht bekommt und darin ihre totgeglaubte Schwester zu erkennen glaubt.
Prano Bailey Bonds Erstlingswerk ist selbst kein „Nasty“, auch wenn zu Beginn einige der berüchtigteren Werke über die Mattscheibe der Zensurbehörde flimmern – und wenn das Plakat vielleicht mehr Gewalt suggeriert, als der Film dann tatsächlich bietet. CENSOR ist vielmehr das Psychogramm einer Frau, deren Kindheitstrauma getriggert wird und die dadurch nach und nach den Bezug zur Wirklichkeit verliert.
Dies äußert sich im Film teils subtil durch die fast unmerkliche Änderung des Bildformats, teils jedoch auch etwas brachial in einem Amoklauf zum Finale, der leider an die trashigeren der vorgeführten Filmbeispiele gemahnt. Das mag absichtlich gewählt sein, zieht den Film jedoch im Niveau etwas nach unten, bis er sich mit seinen cleveren Schlussbildern wieder rettet.
So wird es CENSOR kaum einer Zielgruppe wirklich recht machen, für die Horrorfraktion ist er wohl zu langsam und zu harmlos, für das Arthousepublikum vermutlich gegen Ende zu trashig. Bleiben die Cinephilen, die schon Filme wie Peter Stricklands BERBERIAN SOUND STUDIO oder Cindy Shermans OFFICE KILLER goutierten. Für die ist CENSOR eine echte Empfehlung.