Mit seinem zweiten Langfilm probiert sich der in Berlin ansässige Filmemacher Ronny Trocker an einem überaus komplexen Thema. In der Arbeitswelt mögen diverse Chefs, die neue Projekte ausschließlich am Rechner planen, aufgrund des menschlichen Faktors seiner Angestellten vom vorgegebenen Ziel abweichen, während sich eine Familiensituation nicht so leicht auf simple Kausalitäten herunterspielen lässt.
Jan (Mark Waschke) und Nina (Sabine Timoteo) leiten in Hamburg eine PR-Agentur und gönnen sich mit den beiden Kindern ein Wochenende in ihrem Ferienhaus an der belgischen Küste. Als Nina beinahe Einbrecher erwischt, ist die Aufregung zunächst groß, doch das sind nicht die einzigen Probleme, die am Familienzusammenhalt nagen…
Trocker setzt auf eine nicht-lineare Erzählweise, die teils recht stark ineinander verschmilzt, so dass erhöhte Aufmerksamkeit gefordert ist. Auch die Chronologie der Ortswechsel ist nicht immer leicht zuzuordnen, da lohnt sich zuweilen ein Blick auf die Kleidung der Protagonisten.
Der erste deutliche Break ist etwa nach einer halben Stunde zu verzeichnen, als die Perspektive zum Einbruch zum jüngsten Familienmitglied des Sohnes übergeht, der die Ereignisse vom Kinderzimmer aus ganz anders wahrnahm als Jan, den die Kamera während jener Zeit beim Einkaufen und anschließendem Telefonat begleitete.
Der Auslöser für die offensichtlichen Eheprobleme mag eine Alleinentscheidung von Jan gewesen sein, eine nicht genannte politische Partei beim Wahlkampf werbetechnisch zu unterstützen, woraufhin auch schon mal Farbbeutel an den Wänden der Agentur landen.
Doch auch die Kids ringen mit Problemen wie die unmotivierte Teilnahme im Chor oder schlichtes Schulschwänzen. Und nicht zuletzt entfleucht während des Einbruchs eine Ratte, der in den letzten Einstellungen noch eine spezielle Perspektive zuteil wird.
Trotz der durchweg überzeugenden Mimen lässt sich die Distanz zu den Figuren kaum überwinden. Der titelgebende menschliche Faktor zeichnet sich hier durch Routine, aber auch durch unnötige Szenen am Rande wie ein Restaurantbesuch aus, die einen Blick ins Innere der Figuren verwehren. Insofern gestalten sich diverse Entwicklungen in der Ehe kaum nachvollziehbar, da vieles nicht ausgesprochen wird. Aber auch der Wechsel der Perspektiven wird nicht konsequent verfolgt, zumal nicht jedes Familienmitglied eine individuelle Sichtweise erhält.
Das Spiel mit unterschiedlichen Wahrnehmungen hätte womöglich etwas spannender ausfallen können, wenn sich einschneidende Begebenheiten eingestellt hätten, die über den angedeuteten Einbruch hinausgehen. Trotz einer latenten Atmosphäre der Beklommenheit, die im letzten Drittel mit Signalen von Entfremdung einhergeht, wollen weder die Pointe noch die finalen Einstellungen überzeugen, obgleich das versierte Handwerk durchaus positiv ins Auge sticht. Das Konzept ist gut, doch die unentschlossene, phasenweise arg mäandernde Umsetzung packt nie wirklich.
5 von 10