"DarkWolf" (USA 2003, Regie: Richard Friedman) kostet es richtig aus als B-Picture gewisse Freiheiten zu haben, denn bei nur 2,5 Millionen $ Budget muss nicht auf Mainstream-Publikum geschielt werden. Hier hat man nur die kleinere Gruppe der männlichen Videozuschauer im Blick und von der Gruppe den Teil, der "Titten, tolle Weiber und Tote" sehen will. Gleich die erste Szene beginnt in einer Bar, wo die GoGo-Tänzerinen oben ohne auf den Tischen tanzen. Das Ganze schön gefilmt in guter Bildqualität (später hat man sogar einige Sequenzen aus der beweglichen Sicht eines Werwolfs). Jedenfalls wimmelt es den ganzen Film über von besonders schönen Frauen, die teilweise sogar Playmate des Jahres waren. Manche spielen sogar sehr gut, wie z.B. Jaime Bergman als Polizistin, die nicht nur die Schönste ist, sondern auch eine enorme Ausstrahlung hat (sie in im realen Leben die Ehefrau von "Angel" David Boreanaz). Aber auch männliche Schauspieler fallen auf. Kane Hodder als Werwolf. Steven Williams (der charismatische Kopfgeldjäger aus "Freitag,der 13. IX") als Polizist, der aber unverständlicherweise nur eine sehr kurze Rolle hat. Altstar Tippi Hedren hat eine gute Rolle als geheimnisvolle Wächterin und mimt diese bestens. Bedauerlich ist nur, daß die drei, welche die durch ihre Ausstrahlung die größte Leinwand-Präsenz haben (Jaime Bergman, Steven Williams, Tippi Hedren) die kürzesten Rollen haben. Immerhin bekommen die beiden Damen etwas mehr Gelegenheit, zu schauspielern. Der Rest des Casts spielt mittelmäßig, mit etwas Wohlwollen im einen oder anderen Fall noch als akzeptabel zu bezeichnen.
Nach den zahlreichen Tötungen wird teilweise voll auf die zerfetzten Opfer gehalten. Kein sanfter Film aber auch kein Blutrekord. Der finstere Werwolf beißt schon kräftig zu, reißt auch mal Sehen und Fleisch heraus. Ja, auch der Härte-Fan bekommt seine Bonbons.
Man bemüht sich wenigstens eine Story zu weben. Es wird von zwei Arten Werwölfen erzählt. Die Reinen und die Hybriden. Letztere entstehen durch Sex eines Menschen mit einem Werwolf. Unter den Hybriden gibt es Einzelne, die besonders groß, stark und gefährliche sind, man nennt sie "DarkWolf". So einer versucht in der Regel schnell ein reines Weibchen zu finden und sich mit ihr zu paaren, um einen besseren Nachwuchs zu zeugen. So eine Originale Werwölfin ist Josie (Samaire Armstrong), die ein Polizist (Ryan Alosio) zu beschützen versucht. Aber der DarkWolf tötet instinktiv jeden, der ihren Geruch an sich hat, also erstmal ihre Freunde. Sowas kennen wir aus B-Pictures: Einer nach dem Anderen wird gefressen. Diesmal aber mit einem Schluß minimal besser als der Durchschnitt.
Es gibt auch eine lange Szene, die eindeutig "Terminator 1" nachempfunden ist, nämlich das Gemetzel in dem Polizeirevier. Seit T1 im Jahr 1984 eine Szene hatte, in der ein übermächtiger Böser ein volbesetztes Polizeirevier niedermetzelt, wurde so etwas von mehr als einem Dutzend billiger Actionfilme imitiert.
Das Finale ist ein Stück unlogisch, wenn Sie zweimal den Wolf minutenlang in guter Schußweite im Visir hat und nicht abdrückt. Worauf wartet die? Auf ne schriftliche Einladung?
Einladend war eine lange Szene, in der Andrea Bogart und Sasha Craig ein heißes Fotoshooting haben, bei dem sie nur Bodypainting tragen und so scharf werden, daß sie sich nicht mehr beherrschen können und sich mehrfach küssen. Definitiv von der Sinnlichkeit her die erotischste Szene, die je ein Werwolf-Film hatte. Am Ende werden dabei immer abwechselnd Aufnahmen des fressen Werwolfs und Sequezen der Fotosession gezeigt.
Die Verwandlungen von Mensch zu Wolf sind allerdings mieseste CGI, aber wirklich vom Schwächsten. Dafür sind die Handmade-Masken ganz oderntlich und wenn der Wolf auf 4 Beinen in hohem Tempo rennt, ist auch ganz gut gemacht. Gut inszeniert ist auch eine Szene, in der sich Josie so halb in eine Wölfin verwandelt und als Mischwesen eine Weile in einer Stimmung zwischen hilfsbedürftig und angriffslustig belibt, was es dem Polizisten schwer macht, mit ihr umzugehen. Da werden einige Erinnerungen wach an die drei Teile von "Kaum mehr als Tiere", wo die verwilderten Mädchen oft eine ähnliche Stimmung haben. Sogar die langen Haare von "Langhaar" hat Josie hier.
"DarkWolf" ist kein guter, kein hochwertiger Film. Er ist aber auch nicht der letzte Dreck, wie es primitve Schnellurteiler so rasch sagen. Durchaus einige bescheidene Qualitäten, eine recht hohe Geschwindigkeit, schöne Bilder und Unterhaltungswert. Also untere Mittelklasse.