Liebhaber wissen es: Hongkong-Horror ist etwas anders. Da gibt es durchaus phantastische Geistergeschichten oder Vampirfilme. Gerade letztere zeichnen sich durch ein eigenes Naturell aus. Sie hüpfen. Außerdem kann man sie durch ein komplexes Regelwerk bannen. Man benötigt dazu Zettel, die man ihnen an die Stirn tackert. Oder Bindfäden, mit denen man im Ernstfall auch Flüssigkeiten auf sie schnalzt. Der Trailer zu Abracadabra lockt mit Geistern, 80er Jahre Elektrofunk und hüpfenden Vampirgestalten. Und Ninjas! Ob man da viel verkehrt machen kann?
Rauch. Spooky Gesause. Rotes Licht und Martial Arts. Die Vorgeschichte auf einer Baustelle stellt uns die chinesischen Ghostbusters vor. Ninjas, die ihre Masken abnehmen, um sich mit swastikaverzierten Stirnbändern zu stärken. Die Zeiten sind natürlich vorbei, als man sich noch plump über die Symbolik echauffierte. Diese hat einen ganz anderen kulturellen Hintergrund und bezieht sich auf die fernöstliche Glaubensmystik.
So sind die Ninjas also am Start, Mr. Vampire Style. Denn auch in Abracadabra soll es den Untoten mit kreuzchenverzierten Zetteln an den Kragen gehen. Zurückgehalten durch ein Geflecht aus Schnüren und Bannsprüchen treibt man die Widersacher in eine Kiste. Eine Geisterfalle?! Es ist jedenfalls eine belustigende Vorlage, die in dieser Form leider nicht verfolgt wird.
Hier kommen wir zu einer weiteren Eigenschaft des Hongkong-Kinos. Dort kann sich wirklich alles vermischen. Auch derbste Gruselkost mit alberner Slapstick-Komödie. Harte Brüche sind keine Seltenheit. Abracadabra bietet zunächst einen interessanten Paradigmenwechsel zwischen einer Gruselgestalt mit roter Kapuze und einem Taxifahrer. Hier wird mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt. Da hätte es mehr von geben dürfen. Es wird deutlich, daß ein erbautes Einkaufszentrum noch lange nicht von den bösen Geistern verlassen worden ist.
Horrorfilmtypisch schaltet Abracadabra einen Gang zurück. Zwei Cousinen werden vorstellig, die sich einen Laden in dem Gebäude einrichten möchten. Da foppt eine die andere mit Kunstblut und der teure Spiegel geht zu Bruch. Ersatz für die Eröffnung muß her. Es werden für den Film nötige Kontakte geknüpft. Man wühlt in den Untiefen des Gebäudes und findet ein verstaubtes Ersatzexemplar, durch welches sich Kontakte in eine Anderswelt herstellen lassen. Bäm!
Fortan gibt sich Abracadabra als nicht immer ernsthafte Spukrevue und sorgt für flutschige Unterhaltung. Da ist nicht alles gerade, aber es läuft eben. Quirkige Figuren zwischen Coolness und Geekdom bevölkern Kulissen, die vereinzelt von Neonfarben durchflutet sind. Einschlagende Blitze lassen ihre Opfer durch die Luft der Mall watscheln. Auf dem Friedhof einbrechende Nerds wollen mit einer nadelartigen Spiritmachine den Kontakt zum Jenseits aufnehmen. Statt einem From Beyond Szenario erwartet sie jedoch ein Gruselkabinett frei nach dem Thriller-Musikvideo von Michael Jackson. Der Zuschauer ist zufolge informiert, daß es sich eher um Zombies denn Vampire handelt.
Latent surreale Szenen mit Zombies, die dem Klo entsteigen und eine Tanzchoreographie aufführen sind ein Highlight dieses Films. Immer wieder gleißende Lichtfluten sollen dabei die an sich nur matt geschminkten Gesichter gruselig erscheinen lassen. Nur kurz wird Abracadabra ausgebremst durch eine Zweifelsphase, obwohl dem Zuschauer wie den meisten Figuren klar ist, daß es spukt. Die Fugen zwischen den Horrorelementen und kleinen Slapstickeinlagen füllen sphärische Synthies mit funktional-somnambulen Klangteppichen. Wer Lust hat, auf diesen unsteten Pfaden zu wandeln, findet in Abracadabra eine durchschnittliche, aber adäquate Gruselschau mit klarem 80er Einschlag.