In diesem Film kann man ihn ruhigen Gewissens "Klaus Killski" nennen: Unser aller Lieblingscholeriker Kinski hat entgegen der Ausblendungsversuche der spießigeren Teile der Arthousefraktion nie nur kunstvolles Theater und Kino mit einem Mindestmaß an Anspruch gespielt, nein, des Geldes und des guten Wetters wegen verschlug es den Mann oft genug ins sonnige Italien, wo sich neben Strandspaziergängen und reichhaltigem Weingenuss im kreativen Söldnerdienst noch manche Mark hinzu verdienen ließ. einem ausgehungerten wie tollwütigen Hasen gleich graste Klaus Kaninski dementsprechend zwischen Western, Thriller, Action, Horror und Krimi gleich jedes Genre und Subgenre ab, was ihm vor seine mitunter sackige Visage kam. Das Plakat zu "Quintero - Das As der Unterwelt" ziert das bräsige Antlitz des Mannes, obwohl er in dem Film relativ untergeordnet verheizt wurde, wahrscheinlich, weil der Name allein schon mehr Ärsche in die Kinositze presste als die der eigentlichen Hauptakteure.
Ein Film wie ein Krankentransport, das ist das erste Drittel Quinteros: Ein Haufen Gangster mit marginaler Motivation überfällt mit Hilfe des namensgebenden Auftragmörders, der der Bande die Bullen von der Pelle halten soll, eine Bank. Nachdem der angepeilte Schwindel auffliegt hagelt's selbstredend Kugeln und man entkommt mit der Beute und einem angeschossenen Kameraden im Gepäck nur knapp. Der Film rekapituliert ab da eine ganze Weile lang, wie es zum missglückten Coup kam und stellt uns die Charaktere - zwei Nachwuchsmafiosi mit Außenseiterstatus sowie zwei weitere Altgangster, die sich in einer verzwickten Menage a trois mit der selben Dame befinden plus Fahrer als charakterlich kaum nennenswertes Anhängsel - vor, wobei jeder seine eigene Motivation für den Überfall hat. Sich beweisen wollen, mit der Liebsten türmen, Nötigung, alle Klassiker des Gangsterkinos sind dabei.
Der ohnehin schon steinreiche, aber dennoch geldgeile Quintero reißt dann im zweiten Drittel der Truppe das Steuer aus der Hand, einen nicht ausgemachten Teil der Beute an sich und unschuldige Mitwissende samt der eigenen Geliebten in den Tod. Bandenboss Rino, anfangs ein erpresserischer Grobian und sich nicht zu fein, sein Fußvolk nötigenfalls zum Dingdreh zu erpressen, erweißt sich am Ende dann als der moralisch korrekte Gangster vom Dienst und klopft dem freischaffenden Geldeintreiber mal kräftig mit der Knarre auf die Finger. Bevor er dann im letzten Drittel selbst versuchen muss, durch die Netze der Polizei zu schlüpfen.
Ein flotter Dreiakter also, der sämliche Eurocrime - Bedürfnisse locker bedient. Mitunter etwas langsam und das Post Kinski - Finale hätte dieser Film auch nicht gebraucht. Klausimausi spielt für die Häflte des Filmes keine spezielle Rolle und als er angeheuert wird ist seine Etablierung dann doch etwas zu knapp geraten, um ins Gewicht zu fallen. Rino, Bruno und co. interessieren ein zu dem Zeitpunkt schon wesentlich mehr, auch wenn sie einer nach dem anderen abgefrühstückt werden, wobei der Film gerne eine leichte Schicht Giallo über die Kameralinse pinselt und Kinskis Filmgeliebte beim Schnackseln stirbt oder er sich des Fluchtwagenfahrers im Geisterhaus der Vorstadtkirmes entledigt.
Das Filmvergnügen ist ein solides, wenn auch ohne Alleinstellungsmerkmale. Das Aas der Unterwelt kascht sich im Vorbeigehen einen Haufen Penunzen und entleibt alles und jeden, der/die/das ihn beim Kassieren stört. Und ist damit irgendwie ein Sinnbild für Kinskis Karriere, der trotz rleativen Reichtums auch zu späteren Zeiten noch jeden Dreck weggedreht hat, um ja nicht wieder in der Gosse zu landen. Dieser weit, weit entfernt liegenden Gosse, aus der man dieser Tage Filme wie "Quintero" herauszieht. Petri Heil!