Review

Gesamtbesprechung

Zweiter Reboot einer Police Procedural Serie mit scheinbarem Blick auf Vergleichbares Marke CSI, Crossing Jordan, Body of Proof und Co., welcher beim Start der ersten Forensic Heroes (2006) aber viel mehr als modernes Update des mit dem damaligen gleichen Hauptdarsteller gedrehten Witness to a Prosecution (1999) gesehen und auch so bezeichnet wurde; damals also eine Aktualisierung der Lebensgeschichte vom Song Ci, einem chinesischen Arzt, Richter, forensischen Mediziner, Anthropologe und Schriftsteller der südlichen Song-Dynastie war. Die Serie selber bekam eine Fortsetzung mit demselben Darsteller in Forensic Heroes II (2008) sowie eine Um- und Neubesetzung in Forensic Heroes III (2011); was als erstes Reboot weiterhin konstant hohen Zuspruch bei den Zuschauern erlangte und nun mit abermals anderen Schauspielern in die nächste Runde geht. (Die Serie CSI wird in Folge 25 allerdings von einem der Darsteller bzw. im Grunde im Gespräch von deren zwei erwähnt.]

Ein Prestigeprojekt seitens des ausführenden Senders Television Broadcasts Limited (TVB), welcher gerade auch 2019 mit einigen Schwierigkeiten allgemein und speziell zu kämpfen hatte, wurde vor allem auch die Belegschaft recht heruntergefahren und einige prominentere Macher aus dem Hintergrund entweder verloren und/oder von sich aus den Ruhestand gewählt. Die Serie hier selber hatte einen verzögerten Start durch die aufgrund eines 'Skandals' einer der weiblichen Hauptrollen – eine Affäre mit einem verheirateten Mann – 'nötige' Neubesetzung der Rolle und entsprechenden Nachdrehs, wobei man den Zeitpunkt der Veröffentlichung zufälligerweise glücklich gewählt hat: Ausgestrahlt vom 17.02.2020 an man auch aufgrund der Quarantänebestimmungen in HK und China aufgrund des Coronavirus SARS-CoV-2 'naturgetreu' (wesentlich und mit großem Abstand) mehr Zuschauer als üblicherweise erreicht; auch wenn die Produktion selber durch den erhöhten Aufwand, der Auswahl mit bekannten Schauspielern in den festen Rollen und ebensolchen Gaststars sowie der Vorgeschichte der beliebten Reihe sowieso ihre eigene Aufmerksamkeit erreicht hätte und das Interesse nun bloß noch potenziert. Die üblichen 30 Episoden à 45 Minuten Laufzeit, mit einer Genremischung aus Action, Suspense, Mystery, Crime, Detective, Investigation breit aufgestellt und die beste Sendezeit wochentäglich Montag bis Freitag um 20:30 bis 21:30h gewählt:

Im Kampf gegen das Verbrechen arbeiten in HK die Teams von der Forensic Science Division unter Führung von Dr. Ko On [ Raymond Wong ] mit seinen Assistenten, den Scientific Evidence Officer Shui Wai-ming [ Alice Chan ], Charm Ting [ Fred Cheng ], Ocean Lam [ William Chu ], die Forensic Pathology Division unter Leitung von Dr. Man Ka-hei [ Selena Lee ] sowie den Pathologen Ivan Szeto [ Fred Cheung ], und Senior Inspector Kwok Fai-wong [ Shaun Tam ] von der Kowloon West Regional Crime Unit eng zusammen, wobei bei der Polizei auch Sergeat Ko Ching [ Rebecca Zhu ], Ko Ons jüngere Schwester angestellt und aktiv ist.

Nach der Titelsequenz gibt es gleich zwei Ereignisse, ein schwer Verletzter (und kurz darauf sterbender) während der Fernsehaufnahmen zu einer Cantonese Opera, mitten in der Vorstellung, in einer (spielerischen) 'Kampf'szene, plus schon Jemand Blutiges und da auch Totes noch in der Umkleidekabine, welcher kurz darauf gefunden wird und spätestens dann die Polizei alarmiert. Aufmarsch der Großkampftruppe, die Invasion der Ermittler, die in V-Formation zum Tatort bzw. den beiden Schauplätzen und wie in Reih und Glied einmarschieren. Der Ort wird ebenso gescannt wie die zahlreichen Anwesenden, die möglichen Zeugen oder doch die Tatverdächtigen anvisiert.

Technikkrimskrams plus vielerlei Befragungen, hier mit eingangs noch offenen Fragen und vielen Rätseln und am Ende hoffentlich zur Zufriedenheit aller gelöst und jede Probleme geklärt. Die Einführung der Truppe bzw. der vielen Mitspieler anhand eines komplizierten ersten Falles, welcher sich über mehrere Episoden und dort wieder verkehrend auftauchenden Gaststars hinziehen soll und dann ab Episode 5 abgelöst wird und einen neuen Fall 'gebiert'. Der Krimi selber darin ist angesichts und getreu des Titels der Serie natürlich forensisch gehandhabt, also eine Mischung aus der guten alten Befragung und der Klärung von Motiv und Alibi, aber eben auch einem Großteil aus chemischen Bezügen, Wissenschaft, Medizin, auch Psychologie, wird viel untersucht, überprüft, im sterilen Labor analysiert; der Zuschauer ist dabei stetig Begleiter und wird durch Computersimulationen sowie verbale Wiederholungen bzw. Art Jour Fixe der verschiedenen Ermittler und zusätzlich Rückblenden an die Hand genommen und bis hin zur Aufklärung geführt.

Tradition und Fortschritt, analog und digital, Täter und Opfer, die Unterschiede und das Überschneiden von Beruf und Privat helfen der Episode, auch die Einblicke in die Welt der Cantonese Opera, ihr Befolgen von Regeln und der Glaube an Mächte, die nicht zu erklären und größer als das Weltliche von hier und heute sind. Die Umgebung wird hier schon beliebig erweitert, aus den sowieso auffälligen Personen oder auch bereits Verstorbenen werden später noch mehr Konstellationen oder andere Identitäten bzw. Hintergrundgeschichten (wie eine jahrelang zurückliegende, vom Gericht aber nicht registrierte Vergewaltigung samt Selbstmord des Opfers, oder auch Hinweise auf häusliche Gewalt etc.) hinzugefügt; immer was los zumindest, bis einem der Kopf raucht, und dann auch noch mit einem weiteren Mord usw. bestückt. Inszeniert oder eher bebildert ist das durchaus flott, wenn auch viel atemlosen Gerede aller Personen, von denen bis auf die hiesigen Gaststars wie (der ehemals ehrwürdige, seit längeren eigentlich nur noch als Schreckgespenst durch das Business rauschende) Patrick Tse und Michelle Yim, sowie den männlichen Hauptdarstellern Raymond Wong und Shaun Tam (und in positiver Nennung noch Rebecca Zhu) auch keiner so richtig auffällig und allesamt wie recht gleich aussehend und auch wirkend, ein großes Kuddelmuddel also ist. Dass die zweite Episode im Grunde mit genau dem gleichen Cliffhanger wie die Eröffnungsfolge endet, macht die Sache nicht besser und wirft in diesem Fall auch ein schlechtes Licht.

Ein wenig zusätzliche Abwechslung wird durch das Einsetzen der Reporterin Chris Tsui, gespielt von Roxanne Tong (als Ersatz bzw. ausufernder Nachdrehs für die 'ausgefallene' Jaqueline Wong) ab eben auch der zweiten Episode gebracht, die erst kolumbianische Drogendealer, dann einen räuberischen Taxifahrer und eine nur nach außen hin harmlose Schauspielerin aufdeckt, und – wie auch die anderen Rollen hier – privat und beruflich mit den Ermittlern derartig verknüpft wird, dass man nicht bloss gemeinsam, wenn auch auf seine eigene Art und Weise zur Wahrung des Gesetzes und zur Bekämpfung der Kriminalität vorgeht, sondern auch die Freizeit miteinander verbringt, oder gar zusammen wohnt, was hier auch oftmals der Fall ist. Ein stetes Kommen und Gehen, aber auch ein permanentes Sehen; in gediegener Atmosphäre übrigens, mit viel gedämpften Beigetönen, nächtlichen Panoramaflügen auf stattliche Hochhäuser in der belebten Metropole und anheimelnden Interieur.

Da ab dem Ende der vierten Episode der eine (noch stark angewachsene) Fall mit der Schauspieltruppe gelöst und auch noch einmal zusammengefasst und sogar moralisch beurteilt wird, steht der Eröffnung eines weiteren oder auch nächsten Erzählstrangs ab da an nichts mehr im Wege, wird auch pünktlich zum Ende hin ein toter Clown am zerklüfteten Strand aufgefunden und ist das damit bereits der insgesamt vierte Todesfall in dieser Kostümierung und dieser Profession. Was es damit auf sich hat und dass dies auch lange in die Vergangenheit unserer Hauptfiguren, allen voran Ko Sir zurückführt, wird einerseits ab Episode 5 in einer größeren Rückblende (um einen 2011 stattgefundenen Raubüberfall mit Todesfolge und dem daraufhin folgenden Zwist unter der Gaunerbande) dargelegt und andererseits bereits zuvor als (traumatischer) Erinnerungsfetzen eingespielt. Auch weitere Aktionszenen finden dort in einer Rückblende statt, eine Konfrontation zweier Triadengruppierungen und ein Kidnapping samt Autounfall; der Zuschauer weiß da schon mehr als die jeweils beteiligten Personen, bevor es an die Untersuchung eines 6m großen Lenzsackes, eines Treibankers geht.

Der Fall selber dreht sich um eine Schauspielerin/Model mit Comeback-Absichten, gespielt von Sharon Luk, und ihren Galan, einen Juwelier, gespielt von Kelvin Wong, die schon in der Vergangenheit Dreck am Stecken hatten und wobei hier einer der Personen auch recht schnell für den Zuschauer und so noch zu Beginn der Ermittlungen und vor dem Wissen der Polizei als Täter früher und Täter auch jetzt entlarvt wird, das Töten damit aber nicht aufhört, sondern erst beginnt. Ende der Episode 8 ist die Geschichte nicht nur aufgeklärt, der Täter (per kurzer Kampfeinlage am Hafenrundgang) auch gestellt und sogar noch ein 'Abschlussgespräch' geführt, sodass ab da auch ein neuer (bereits phasenweise vorbereiteter) Erzählstrang eröffnet und folgend behandelt wird. Diesmal dreht es sich nicht um Mord, sondern in aller Aktualität um Fake News, um ein manipuliertes und heimlich Online gestelltes Video, in dem die Weinexpertin Monique Hau, gespielt von Yumiko Cheng, von dem schwerreichen Master Yung, gespielt von Bond Chan bloßgestellt und die realen Tatsachen zu ihrem Ungunsten verdreht werden; ein viraler Skandal, in dem auf seiner Seite auch der Assistent involviert ist, sie aber die Freundin von Dr. Ko und somit wissend mit dem gesamten forensischen Apparat hinter sich, u. a. einem von Gabriel Harrison gespielten Stimmenexperten und guten Bekannten von Dr. Man ist. Um Abwechslung nicht verlegen wird der Fall auch kürzer als sonst behandelt, und hat aufgrund den real vorhandenen Bezügen um Deep Fake und Co. auch seine eigenen Interessen, störend ist hier wie aber eigentlich zuvor auch oft negativ auffallend (und in Folge 10 komplett überhandnehmend, bevor zu Beginn von Folge 11 eine Kinderleiche in einem Zementblock in einem seit 30 Jahren verlassenen und isolierten Haus draußen im Grünen gefunden wird) die vermeintlich dramatische Komponente. Szenen werden zur 'Erinnerung' des Zuschauers öfters und teilweise gar direkt nach der ersten Einspielung wiederholt, viele Dialoge abseits der Polizeiarbeit rascheln stark nach schlechten Drehbuch, mit viel Geklimper und leidenden Geigen auf der Tonspur und sonst inhaltlich oftmals bräsig, bröselig und leer.

Der Fall selber mit dem ermordeten Jungen nimmt die Handlung bis einschließlich Mitte der Folge 14 ein, eigentlich eine durchaus mit Finten und Haken aufgestellte Geschichte, die zudem großteils in einem abgeschiedenen Ort namens Tai Shan Village außerhalb der Stadt und zusätzlich mit einem Familiendrama in gleich mehrerer Hinsicht und einem nebulösen Journalisten spielt; auch werden Ansätze wie die Sandkastentherapie in die Auflösung des Ganzen eingebunden und sowohl stilistisch als auch in der Wahl des Schauplatzes außerhalb der Urbanität eher in der Vergangenheit, wie in den Neunzigern wirkend erzählt. Hier ist allerdings das Drama in dem Fall selber wieder derart auf die Tränendrüse drückend gehandhabt, inklusive Inzest und Vergewaltigung, gleich mehrfache geistige Behinderung, Selbstmordversuche und Unglücksfälle, retrograde Amnesien etc. und pipapo, dass das Ganze nicht nur zu viel des 'Guten' ist, sondern man wirklich das Ende dieses Schauerstücks herbeisehnt. Dafür wird kurz vor dem Erreichen der Hälfte der Gesamtlaufzeit der Serie auch ein bisherigen Haupt-Mysterium geklärt, und dies auch auf eine andere Art und Weise, als man es vermutet hat, wodurch die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag eingeleitet wird und im Grunde ab ca. Episode 26 herum (mit den Gaststars Kelly Cheung und Jonathan Cheung) auch nochmal eine deutliche Steigerung (trotz Absurditäten und überaus Zufallskonstellationen und anderen Räuberpistolen) zu vermelden ist; wenn die Serie funktioniert, funktioniert sie. Und wenn nicht, dann auch gründlich nicht.

Episode 15 selber beginnt mit einem neuen Fall, wird eine junge Frau mit einer festgezurrten Plastiktüte über dem Kopf in ihrer Wohnung aufgefunden, wurde auch ein Fremder fluchtartig das Haus verlassend gesehen und gibt zusätzlich der Freund der u. a. depressiven und bipolaren Frau an, dass die rasch eingeleiteten und letztlich gescheiterten Rettungsmaßnahmen unverhältnismäßig früh durch den Krankenhausarzt abgebrochen wurden und dieser verantwortlich für den Tod ist. Während sich die Polizei nach Autopsie und dem Sichern aller Beweise eigentlich auf Selbsttötungsfall durch Atembeschränkung ausgeht, und auch den behandelnden Arzt offiziell freispricht, zerreißt eine (schlecht getrickste) Autobombe den Wagen einer der Beteiligten, sodass sich nicht nur die Todesfälle verdoppeln, sondern auch die Ermittlungen potenzieren und in Folge 16 in eine andere Richtung, den eines wahnsinnigen Bombenbastlers übergehen. Abseits des dortigen Cliffhangers, indem erneut ein Attentat geplant und schon im Vollzug ist, passiert dort in Sachen (überwältigend naiver) Dramaturgie sowieso sehr viel, wird doch in gleich zwei langlebigen Erzählbogen eine enorme Fallhöhe und da schon nahezu das Niveau einer Seifenoper bzw. doch eher einer Schmonzette eingebaut; aufgrundddessen treten allerdings sowohl der Fall hier als auch das Auffinden gleich zweier Leichen auf einem Schrottplatz bzw. nur wenig entfernt in einem dem Hügel hinabgestürzten Auto ab Episode 19 derart in den Hintergrund, dass schon die erste Mordauflösung dem Zuschauer fast abhandenkommt und die zweite trotz vieler potenzieller Option wie auch eine Actionszene auf dem Schrottplatz bestenfalls im Nebenher erklärt wird. Ein wenig besser wird es Richtung Finale in einer Psychopathenhatz hin, welches neben einem buchstäblichen Ende in Sachen Vier Hochzeiten und ein Todesfall auch einen Cliffhanger auf die (später) verkündete Forensic Heroes V mit voraussichtlich Pahko Chau, Selena Lee und Kelly Cheung in der Neubesetzung aufweist und unüblich für die spektakellosen Folgen davor gleich mehreren Actionszenen, darunter einem Nahkampf auf einem Häuserdach, der erstaunlich gut umgesetzt ist und auch so wirkt.

Details
Ähnliche Filme