Puh. Und mal wieder durch einen miesen Home-Invasion-Film gequält. Er ist zwar nicht unglaubwürdiger oder schlechter inszeniert als alte Standards und Kultbeiträge – obgleich ein bisschen bizarrer konstruiert – aber es gibt halt diese alten Standards und Kultbeiträge, und wie im Horror-Genre (oder auch nicht selten bei behäbigen Actionkrimis) machen schon alleine alte Farben und Optik manchmal den entscheidenden, vorteilhaften Unterschied. Klar, man kann nicht alle Rollen mit einem D. A. Hess besetzen (vor allem nicht im Jahre 2021), aber beim Einkaufen heute habe ich einen Typen gesehen, von dem ich dachte „Geile Charakterfresse, der könnte wunderbar einen Bösen spielen“, und jener hatte tatsächlich in etwa die Ausstrahlung des Anti-Helden in „A Bunch of Bastards“, gespielt von Marco Bocci – womit dieser auch der einzige ist, den man als eine halbwegs gute Besetzung bezeichnen kann (jo, die Mutter spielt ihre Rolle auch souverän runter). Der Hauptböse ist ein schlechter Witz, ich werde das nicht zum letzten Mal gesagt haben, in einigen Steven-Seagal-DtV-Produktionen gibt es Bösewichte, die wesentlich mehr ausstrahlen und intensiver spielen. Und dann Amanda Campana – oh Mann! Eine 23- oder 24-jährige spielt eine 16-, 17-jährige – und ihr Alter ist unübersehbar. Das hat schon den Anhauch eines gewollten Trash-Witzes.
Auf das Finale werde ich nicht nur aus Spoiler-Gründen nicht eingehen, eine scheinbare Überraschung nach der anderen ergibt einfach nur einen zähen Kampf (wohlgemerkt für den Zuschauer, nicht für die Akteure). Der Clou, nun ja - wie sagen Jugendliche heute, „cringe“? Wobei diejenigen die einzigen sein dürften, die nicht cringen ob so eines lächerlichen Endes. Welches in einem anderen Setting, mit guten Schauspielern, einer fesselnden Story und und und vielleicht akzeptabel gewesen wäre.
Ach so, ich wollte eigentlich nur noch positive Rezensionen veröffentlichen (neben der Batterie bereits geschriebener Verrisse). Aber - nach den letzten Wochen mit Ärgernissen wie „The Gentlemen“ (Ritchie) oder „Scream“ (2022) sowie einem halben Dutzend Zufalls-Bücherei-Ausleihen läuft das Fass dann irgendwann über.
Mehr als 1 Punkt nur, weil's halt noch schlechter geht.
(verfasst im November 2022)