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1. Staffel

Henry Emory (Ashley Thomas), seine Frau Lucky (Deborah Ayorinde) und ihre beiden Töchter Ruby und Gracie ziehen vom konservativen, rassistischen North Carolina 1953 nach Los Angeles in das damals noch sehr weiße Compton. Henry hat einen Job als Ingenieur bei einer Flugzeugfirma bekommen und verdient gut, aber seinen weißen Nachbarn nehmen die Familie mit purem Hass auf. Neben diesen äußerlichen Gefahren lauert aber noch etwas ganz anderes, nämlich eine dunkle Präsenz in ihrem neuen Haus, die ihre Bewohner mit verstörenden Halluzination quält und unter anderem ein düsteres Ereignis der jüngeren Familienvergangenheit heraufbeschwört…

Little Marvins Amazon Prime-Serie „Them” ist thematisch eng mit der HBO-Serie „Lovecraft County” verwandt, aber wo sich diese Serie, wie ich fand, am Ende in monströsen Fantasywelten verlor, bleibt „Them“ deutlich näher an der Realität, trotz Visionen und Dämonen. Denn der Alltag der Familie Emory ist geprägt von permanenter Angst vor rassistischen Attacken im Alltag, sei es durch die Nachbarn oder am Arbeitsplatz. Trauriger Alltag in den USA der fünfziger Jahre, auch im liberaleren Kalifornien, was damals aber davon noch weit entfernt war. Zudem erfährt man auch, wie skrupellose Immobilienhändler darauf spekulierten, dass Häuser günstig zu bekommen sind, wenn erst einmal eine schwarze Familie in die Nachbarschaft zieht, denn panische Weiße fliehen dann in die Vorstadt – bestimmte Stadtviertel wurden so vorsätzlich segregiert und dieses „Zoning“ genanntes Problem ist eine der vielen Gründe für den institutionalisierten Rassismus in den USA. Man muss sich „Them“ nun aber nicht als trockenes, gut gemeintes Sozialdrama vorstellen, vielmehr als sehr gelungene Symbiose von Sozialkritik und Horror, ähnlich wie bei „Get Out“ von Jordan Peele. Einige Szenen, gerade in den Episoden 5 und 8, sind von bohrender Intensität und so bestürzend in ihrer Wucht, dass man sich permanent, als weißer Europäer, bei allen schwarzen Amerikanern stellvertretend entschuldigen möchte. Rädelsführerin der bigotten, rassistischen Nachbarn ist Betty Wendell (Alison Pill), die allerdings ein erschreckendes Schicksal ereilt…gänzlich unerwartet.
Manche Storyelemente haben sich mir nicht sofort entschlossen, ein freundlicher Kanadier hat auf YouTube eine schöne Kritik zur Serie veröffentlicht, die mir nachträglich manche Fragen beantwortete.
Ich will nichts spoilern, ich kann „Them“ nur wärmstens empfehlen, eine düstere Reise in eine rassistische Welt, die für die Emorys ein Purgatorium wird, sie aber auch stärkt. Einige Szenen sind sehr blutig, andere betörend schön gefilmt, kurzum: sehenswert. Eine großartige, atypische Musikauswahl und exzellente Schauspieler runden die Sache an. Übrigens haben auch einige Horrorexperten wie Ti West und Daniel Stamm Regie geführt, man ist also in guten Händen! Keine leichte Kost, aber der Trip in den Abgrund lohnt sich. 9/10.

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