Review

Das buddy picture-Subgenre, die Actionkomödie im Polizeimilieu, muss sich in den späten Achtzigern so sehr verselbständigt haben, dass es bereits ein Eigenleben entwickelt und die Grenzen der Einheit von Ort, Zeit, Handlung ohne Mühen durchbrochen hat. In einer wahnwitzigen Flucht nach vorn samt Rückgriff auf älteres Gedankengut wurden nicht nur die scheinbar verrücktesten und vor allem gegensätzlichsten Paarungen als baldig perfekt funktionierendes, wenn auch selten harmonisierendes Team vorgestellt, sondern die Vorgaben der Geschichte fast pawlowscher Mechanik bereits als längst vermittelt und als Art zwangsläufiger Direktive vorausgesetzt: Die erst noch gezeigten Szenen sind schon im vornherein durch den Inhalt des Stücks bestimmt. Anders ist weder die einkehrende Routine seitens Filmemacher und der Erwartungen des Publikums noch die speziellen Kürzungen zu verstehen, die The Good, The Bad & The Beauty gerade in dem so wichtigen Bereich der Figurenentwicklung vornimmt, ohne deswegen gleich Schaden zu erleiden.

Denn hier sieht sich das jeweilige Pärchen nur kurz, gerät sofort in die ersten Schwierigkeiten, erst gegen-, dann miteinander und ist in der nächsten, auch chronologisch direkt anschließenden Szene bereits das gewohnte alte zänkische Ehepaar. Getrennt und verflicht, Liebe auf den ersten Blick, arbeitet man doch prompt und vertraut wie gemeinsam im Sandkasten aufgewachsen zusammen und teilt sich neben der Arbeit auf einmal aus heiterem Himmel sogar die Herberge.

Diese gewaltsame Vereinfachung, die Gleichzeitigkeit mit Logik, ist die gewohnte Gangart im Kino des Frankie Chan. Ein Verzicht auf konstante Verhältnisse, wo morgen eben nicht noch dass gelten muss, was heute statuiert wurde. Und stattdessen die Zufälligkeit sich zum Alleinherrscher aller Verhältnisse und Zwecke gemacht. Chan als das neurotische Gegenteil eines Vernunftskünstler, so vielseitig, wie er sich in der Branche als Komponist, Autor, Schauspieler, Produzent und Regisseur betätigt, so besinnungslos, vielartig, uneinheitlich auch sein Werk. Rücksichtslose, oft widerstreitende Eigenwilligkeit mit irritierendem Blick als schon die Hälfte der Schöpfung; der Rest ist in soliden Verhältnissen, aber fern von jeder Perfektion. Herzhafte Hausmannskost.

Ein rasanter, hartnäckig kompromissloser Aktionismus der Figuren, eine Spirale materieller und formeller Ausschweifungen, die sich den Schwung des anfänglichen Kickstarts nutzend in Schlangenlinien und Zickzackweg empor schraubt. Eigensinnig der Einstieg, erst eine Slapstickszene mit kleinen Kätzchen, halbnackten Frauen, der Empörung der Normalbürger angesichts vermeintlich wenig integeren Verhaltens und allerhand Verwirrspiels, dass plötzlich mit einer Bande Bankräuber auf killing spree Tour von der Stimmungsuntermalung der Komödie in die Action der Pistolensalven wechselt. Unversöhnlich die Opferzahl auf beiden Seiten des Gesetzes, die drastische Deutlichkeit von schweren und lebensgefährlichen Verletzungen und das Allgemeine daran; die Leichenberge links und rechts haben weder jetzt noch im späteren, ähnlich nassforschen Verlauf eine weitere oder gar eine engere Bedeutung, sondern dienen nur als katalysierendes Kanonenfutter. Als eine Form der Unterhaltung, der Abwägung zwischen der Aufregung und der Schaulust an dem Spektakel jetzt und dem entspannenden Amüsement von Wort- und Bewegungswitz eine Sekunde später.
Die zugrunde liegende Geschichte dafür ist entsprechend kritiklos unkompliziert und getreu den Traditionen unverändert beibehalten:

Inspector Ho Sun-chun [ Frankie Chan ] rettet beim nächtlichen Tauchgang der Stewardess Ko Sau-ping [ Cherie Chung ], die von zwei afroamerikanischen Killern angegriffen wird, das Leben. Zur Beobachtung und zum Schutz wird die Zeugin in das Krankenhaus verfrachtet, wo auf sie, Ho und seinen Partner Kent Tang Tai-Kit [ Kent Cheng ] weitere Anschläge verübt werden. Dahinter stecken der kriminelle Geschäftsmann Boss Li [ Lee Ji-Kei ] und sein Berater Kau [ Gam Gwok-Wai ], die Ko während ihrer ausländischen Dienstflüge als Diamantenschmuggler benutzt haben und den Deal nun gewinnbringend für sich beenden möchten. Im Auftrag von Superintendant Chan [ Anthony Chan ] nehmen die beiden Cops die eher Unwillige in Schutzhaft, was zusätzlich noch Hos Vater Mark [ Bill Tung ] und den rookie Sun-Ching [ Dicky Cheung ] in die zunehmend brenzlige Situation miteinbezieht.

Eigentlich ist es ein krosser Spaß, mit vielen Nichtigkeiten, Albernheiten, in denen sich die Männer gegenseitig die Hörner abstoßen, um ja zu beweisen, wer mehr auf dem Kasten, vor allem mehr in der Hose hat und eher bei den Frauen landen kann. Natürlich zerstreiten sich die Beiden Hengste mit Polizeimarke und Schnurrbart über die willkommene Dame in ihrer Mitte, den ungewohnten Neuzugang, der die gesamte Situation umkrempelt und nicht nur durch ihre Schönheit plötzlich Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da hagelt es in schnöder Regelmäßigkeit die entsprechenden Kalauer, muss die bisherige Junggesellenbude erst mal auf Vordermann gebracht und von Gummipuppen, Pornos im Videorecorder und Sexbildern an der Wand gereinigt werden, sollen Manieren und Anstand gelernt oder zumindest für den Moment täuschend echt antrainiert werden. Die Unterschiede zwischen den buddies sind im Charakter so groß nicht, Beide tragen ihr Herz am rechten Fleck und vollziehen ihren Beruf, wenn es denn hart auf hart kommt auch mit folgerichtigem Pflichteifer; also erfolgt die vorübergehende Absonderung allein vom Äußeren.

Ho ist dünn und agil, ein Strich in der Landschaft, immer korrekt, wenn nicht gar modisch chic gekleidet. Tang das dicke Fleischpflanzerl, der im Notfall zwar auch Austeilen, aber viel eher Einstecken und sich als Prügelknabe augenzwinkender Ironie und Zielobjekt für derbe Situationsburleske bewähren kann und öfters mal im Nachthemd mit Zipfelmütze und anderen ach so lustiger Klamottage zu sehen ist. Diese Gegensatzpaarung und seine Reibungen und Auswirkungen sind weder neu noch clever noch sonstwie auf ganzer Linie überzeugend, bisweilen sogar in seiner schwatzhaften Aufdringlichkeit die lärmende Belästigung zuviel des Guten, verkünstlicht die grob geschnitzte, spürbar knapp sitzende Handlung aber über die tatsächlich archaische Lapidarität hinaus.

Die wahren fulminanten Showqualitäten kommen bei Chan dann typischerweise über die großvolumigen Effektszenen, diesmal eine gänzliche andere, eine ernste und doch abrupt anpassungsfähige Sprache sprechend. Kopf- , Hals- und Unterleibsschüsse aus der Lameng heraus verblüffen und schockieren zugleich, abschreckende Wirkung haben auch Kehlenschnitte mit der Rasierklinge, Treffer mit der Harpune, das Schubsen eines hilflosen Rollstuhlfahrers in voller Fahrt die Treppe hinab sowie Molotow-Attacken, Foltern, Verbrennen und andere provokative Brachialfantasien. Ausgerechnet der viertelstündige Showdown macht im Vergleich dazu wieder auf lieb Kind; die bisher gnadenlosen henchmen sehen plötzlich aus wie die Spectre-Organisation in pink, zusätzlich gibt es die gadgetintensive Motorbootjagd aus Liebesgrüsse in Moskau noch einmal gegenwartsnah aufgefrischt. Das ist aufwändig, flächendeckend explosiv und stinkt nach Geld, stellt in seiner kaspernden Plattheit im Vergleich zu den vorherig kleinpreisigen Exzessen aber trotzdem einen leicht dämpfenden Antiklimax dar.

Details