Review

Ikonisch altmodisch


Der „Mortal Kombat“ mit Chris Lambert aus den bunten 90s ist Kult, das Videospielfightingfranchise läuft noch immer stark und ist wahrscheinlich sogar auf einem All-Time-Hoch, die Fanfilmchen und -Projekte über die Jahre haben mehr als nur angedeutet, wie eine harte und düstere und originalgetreue Verfilmung heutzutage aussehen könnte. Die Hoffnungen waren also (nicht nur bei Fans des legendären und ultrasplattrigen Beat 'em Ups) groß. Was kann also die neue Kinoversion des saftigen Prüglers? Eine weitere nett ausgedrückt suboptimale Videospielverfilmung? Oder erwachsene Fantasybambule mit dem Augenzwinkern und dem Herz am rechten Fleck? Letzteres versteht sich in der Hand von Kano...

„Mortal Kombat“ von 2021 wird Fans des Franchise solide unterhalten. Mindestens. Und den Rest eigentlich auch. Im Gegensatz etwa zu der „Tekken“-Verwurstelung oder „Mortal Kombat: Annihilation“ ist das Ding ein Schmaus. Der Härtegrad und die Finnishing Moves sind jubelstark und ein wahrhaft feuchter Traum (für Gorehunde). Sonya Blade ist hot und ihre Verbundenheit mit Jax spürbar. Die Effekte und der Look können sich sehen lassen, Hiroyuki Sanada als Scorpion ist ein Coup, die Kampfchoreos und der übersichtliche Schnitt sind lobenswert, der Technosoundtrack ist eine schöne, pulsierende Mixtur aus Reminiszenz und neu (wenn auch nie auf dem Level des alten Songs). Dazu hat mir Sub-Zero als badassiger Hauptbösewicht gemundet und Kano war zu alles und jedem richtig schön arschig, manchmal vielleicht auch nervig, aber das ist eben sein Naturell. In Sachen Story gibt’s keinen Blumentopf zu holen, dabei geben die fast ein dutzend Games genügend Lore und Figurenkonstellationen her - aber vermissen wird das hier auch kaum einer. Das Tempo wird durch einen zu lahmen Trainigsmittelteil etwas ausgebremst und die (gänzlich neue!) Hauptfigur bleibt leider megablass und austauschbar. Außerdem ist es schade, dass einige Fanlieblinge lediglich angeteast werden und es eigentlich gar nicht um das Turnier geht, sondern sich alles eher wie ein Prolog anfühlt. Dieser ist aber kurzweilig und klatschend genug. Allein Fatalities wie den „Huttrick“ von Kung Lao derart durchgezogen und hochwertig zu sehen, hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert! 

Fazit: etwas lang schnacken und dann unangenehm den Kopf in' Nacken - „Mortal Kombat“ ist die meiste Zeit sehr solider Fanservice. Brutal wie banal. Kultige Kloppe für den hohlen Zahn. Ich spiele es aber lieber als nur zuzugucken. Dennoch: kein Reinfall. Gar nicht. 

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