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Filmland China derzeit nicht nur wieder eine gut eingeölte Maschine in Sachen Business- und Finanzkraft, die alle anderen Kinokräfte da draußen und v.a. auch den früheren Überflieger Hollywood das ganze letzte Jahr hindurch weit zurücklässt und nur noch aus der Ferne grüßt, sondern mittlerweile auch im Wissen um den Erfolg im Heimmedium, wie mit einem Empfehlungssystem per Algorithmus ausgestattet und damit arbeitend auch mehr als produktiv. Seit vier, fünf Jahren verstärkt auffällig wurden für die heimischen Streamingdienste Arbeiten gewerkelt, die sich beliebter Genres bedienen und oftmals auch eingängiger Vorlagen und Titel, sogenannte Webmovies meist aus dem Bereich Fantasy, Martial Arts und moderner Action, welche sich als Art Trittbrettfahrer an Publikumswirksames wie die Detective Dee - Filme, an die Monkey Kings, den League of Gods oder anderweitig an bekannte Figuren wie Ip Man bzw. Huo Yuanjia oder Chen Zhen hängen. Spätestens seit (Special Force:) Wolf Warrior (2015) und noch vor dessen alles entscheidender Fortsetzung sowie Operation Mekong (2016) gehören auch Actionthriller um Scharfschützen und Spezialeinheiten zu dem ausgewählten Programm für die nimmersatte Klientel, wobei nur ein Bruchteil der Arbeiten überhaupt eine Aufmerksamkeit im Ausland erreichen, der vorliegende, ursprünglich Heroes Return Betitelte aufgrund der Besetzung mit Ray Lui und v.a. Yuen Biao aber dennoch weit vor dem eigentlichen Erscheinungstermin Ende Januar 2021 deutlich dazugehört:

Das von Zuo Manqing [ Kathy Chow ] geführte großindustrielle Pharmaunternehmen probiert sich an einem experimentellen lebensverlängernden Medikament, speist seine Untersuchungen aber aus dem Knochenmark unfreiwilliger Testpersonen und hat eigens zu diesem Zweck ein Gefängnis im thailändischen Dschungel errichtet. Die frühere Mitarbeiterin Zhilan [ Raquel Xu ] reist mit ihrem Mann, dem ehemaligen Soldaten Wu Wei [ Ray Lui ] und unter lokaler Führung von Jinzi [ Chu Xu ] in das Gebiet, um die Gefangenen zu befreien. Unterstützung bekommt man durch Undercover-Cop Gao Tianming [ Yuen Biao ], der lange vom Menschenhändler Du Xie [ Pavarit Mongkolpisit ] in Gewahrsam genommen wurde.

Einstellen muss man sich angesichts der Herkunft der Produktion natürlich auf eine gewisse Hudelei und Schluderei, wird gleich zu Beginn mit lauter losen Szenen angefangen, die großteils auch wie im ersten Take aufgenommen und prompt in die Endfassung geschnitten und eher ungenügend sind. Zusammenhänge sind da so klar auch noch nicht, der Auftakt einer 'Gefangenenbefragung' inklusive Foltereinlage in einem Kerker könnte auch der Appetizer auf erst später kommendes und aufgeklärtes sein, dann werden auch schon mehrere Rückblenden von anderer Seite aus eingeworfen, die immerhin Actionszenen beinhalten und in den Kleinkriegsfilm schon mal führen. Erinnern tut sich der Zuschauer mittlerweile auch schon älterer Generation dabei an B-Picture wie 'zuletzt' The Golden Nightmare (1997) oder zuvor vermehrt um Angel's Project (1993), Mission of Justice (1992, Angel Force (1991); also preiswertes mit Schmackes aus der Hochzeit des kantonesischen Filmes mit Zugehörigkeit zum Action / War Genre.

Eine gescheiterte Geiselbefreiung auf einem Dach, die wie schlecht aus Ray Luis Fatal Termination (1990) kopiert und übel nachgestellt wirkt, folgend gleich eine Hatz durch den Dschungel, indem immerhin einiges an blauen Bohnen in Busch- und Waldwerk gefeuert werden und die Explosionen mal näher heran an die Soldaten und mal weiter weg im Hintergrund aufglühen. Es gibt eine nächtliche Attacke im Wohnzimmer und es gibt einen versuchten Überfall im Parkhaus, der ebenso wütend vereitelt wird wie er offensiv angegangen wurde; das alles passiert schon in den ersten zehn Minuten und hat dabei hier und da auch einige Wirkungen und manche Ideen. Viel in Bewegung also, erst in der Stadt, dann auf dem Lande, per Wagen und per Motorboot, werden auch noch weitere Szenarien wie eine fabrizierter Auffahrunfall oder eine Autoexplosion wie im Nebenher eingeworfen, ohne dass man den Sinn dahinter weiß und etwas vom Plot gesehen hat, geschweige denn ihn versteht. Als Regisseur wird Du Xiu-Bin genannt, der zuvor Serien für die kleine Mattscheibe gedreht hat bspw. als Action Director unterwegs und sichtlich zu diesem Zweck hier auch anwesend ist, auch wenn er die spezielle Choreografie seinem Kollegen Liu Jun-Jie überlässt. (Andere Quellen zählen plötzlich Ken Yip Wing-Kin als Regisseur auf, was bei dessen durchaus geläufiger Filmografie von traditionell verpflichteten Martial Arts 'Kino' für Sharon Yeungs My Way Film Company Limited einen ganz anderen Blick auf das Projekt werfern würde.)

Aufwand wird trotz dem sichtlich eingeschränkten Finanzrahmen demnach nicht gescheut, die Bilder sind solide, wenn auch immer etwas dünn scheinend gehalten, der Plot gibt nichts her, die schnelleren Einlagen haben durchaus ihren Einfluss, die Kamera bei den Kampf- und Angriff- und Ausweichsaktionen zeigt tatsächlich die Fähigkeiten der involvierten Leute und somit auch den Ablauf des Geschehens. Die exotische Location mit ihrer Waldkulisse und einigen angrenzenden Bauten wie dem 'Eingeborenendorf' oder der stillgelegten, mit der Natur verschmolzenen Industrieanlage/Fabrikgebäude stellen die passende Architektur für einige Shootouts und Eindrings- oder Ausbruchsversuche dar. Es gibt eine junge Amazonenbraut im engen Tank-Top, die ihren maschinengewehrbewehrten Gegner mit Pfeil und Bogen erlegt, es gibt phasenweise Dauerfeuer mit auch dem Einsatz von Zeitlupen und ordentlich Sach- und Personenschäden, wobei die Effekte tatsächlich handgemacht sind und so in Sachen Bestreben seitens der Filmemacher nichts zu bemängeln ist.

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