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Seitdem der einst gefeierte Starjournalist Gerry Fenn (Jeffrey Dean Morgan) beim Faken einer seiner Stories erwischt worden ist, muß er deutlich kleinere Brötchen backen - Bagatellgeschichtchen für lumpige 150 Dollar sind seither sein tägliches Brot.
Im Zuge dessen reist er aufs Land, wo angeblich gerade eine Kuh von Satanisten geschändet wurde - doch der ominöse Fleck des Rindviehs stellt sich als harmloses Brandzeichen heraus: das große "M" von Metallica hat da ein Fan eingebrannt. An dergleichen Nichtigkeiten gewohnt, nimmt es Gerry sportlich, wieder einmal umsonst einer vermeintlich interessanten Story hinterhergejagt zu sein. Als er in unmittelbarer Nähe auf der Weide etwas in der Sonne glitzern sieht, gräbt er am Fuße eines verdorrten Baums eine mit Ketten umwickelte Puppe aus. Zwar erklärt ihm der Landwirt, dies sei ein in dieser Gegend häufig zu findendes Zeichen früherer Generationen, das man sich eine gute Ernte erhoffe, doch Gerry hat eine plötzliche Eingebung, daß er aus dieser Puppe doch noch eine Story machen kann - kurzerhand zerbricht er sie und macht davon Fotos.
Als er später am Abend nach einem merkwürdigen Verkehrsunfall ein junges Mädchen vor genau demselben Baum sprechen hört, wundert er sich zunächst, doch als er erfährt, daß Alice (Cricket Brown) eigentlich taubstumm ist, wird seine journalistische Neugier geweckt: dies ist wirklich Stoff für eine Story - vor allem, weil Alice zur Freude der kleinen Gemeinde und ihres Pfarrers behauptet, die Jungfrau Maria nicht nur gesehen zu haben, sondern auch mit ihr in Kontakt zu stehen. Als das junge Mädchen beginnt, erste Wunder zu vollbringen - so kann ein an Muskelschwund leidender Junge im Rollstuhl plötzlich wieder laufen - ist Gerry, der gerne wieder einen festen Platz in einer Redaktion hätte, Feuer und Flamme und verdingt sich quasi als Alices Manager - der kleine Ort soll als amerikanisches Lourdes aufgebaut werden. Doch die zunächst wenig beachteten Worte des Pfarrers, daß überall, wo Gott sich zeige, auch das Böse nicht weit sei, sollen sich bald bewahrheiten...

Der religiöse Eifer vieler Menschen, die glauben, eine Marienerscheinung gesehen zu haben, ist das Thema von The Unholy, dem Regisseur Evan Spiliotopoulos kontrapunktisch einen abgehalfterten Journalisten gegenüberstellt, der das Ganze zwar für Hokus-Pokus hält, aus Karrieregründen aber zunächst mitspielt. Aus diesem inneren Zwist des Journalisten, der im Lauf des Films langsam wieder zu den Tugenden der schreibenden Zunft zurückfindet - was ihm, dem überführten Schwindler, freilich nicht geglaubt wird - macht das Drehbuch jedoch zu wenig. Stattdessen zaubert man schon recht früh mit allerlei CGI-Spielereien den Teufel hervor, der ein ziemlich perfides Spiel mit den ahnungslosen Gläubigen spielt.

Während manche Stellen kameratechnisch leider zu dunkel ausgefallen sind, können die Tricksereien mit dem hageren Monster, das Gegenstände und Menschen in Flammen aufgehen läßt und sich bekannter Stilmittel wie Jump Scares bedient, zumindest einigermaßen überzeugen.
Dafür bleiben sämtliche Filmcharaktäre leider viel zu blaß und regen kaum zum Mitfiebern an, obgleich die Darsteller sich bemühen, aus ihren wenig ausgefeilten Rollen das Beste herauszuholen. Darüberhinaus krankt die ganze Geschichte an unglaubwürdigen Wunderheilungen, deren zeitliche Dauer begrenzt ist - hier begibt sich The Unholy schon sehr weit in Richtung religiöser Fiktion, zumal die Vorkommnisse nur von Kirchenmännern (wie einem Abgesandten des Vatikans) und nicht von Wissenschaftlern überprüft werden. Daß nach dem erwartbar dramatischen Finale dann doch noch ein kleines und genauso unerklärliches Wunder erfolgt, welches den Streifen versöhnlich enden läßt, trägt nicht unbedingt zur Glaubwürdigkeit des Plots bei, zumal die allermeisten Fragen ohnehin unbeantwortet bleiben.

Fazit: The Unholy läuft in 99 Minuten eher überraschungsarm und gleichförmig ab, verzichtet zugunsten einer gewissen Spannung auf satirische Anmerkungen, die sich anhand einer aufkommenden religiösen Hysterie durchaus angeboten hätten und bleibt daher trotz der nicht so häufig zu sehenden Thematik insgesamt eher Horror-Dutzendware: 5 Punkte.

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