Review
von Leimbacher-Mario
Kämpfer, Krieger, Underdog
„Born a Champion“ wird sich wohl immer mit Kalibern wie „Warrior“, „Rocky“ oder „The Fighter“ messen und Vergleiche anhören müssen - die er nur schwerlich gewinnen kann. Und dennoch ist das biografische MMA-Drama trotz einiger Schwächen und etlicher Klischees ein beachtlicher Kampfkrimi, der zum Geheimtipp, Peoples Champion und vielleicht sogar Kultfilm dieser Schublade wie gemacht scheint. Und selbst wenn nicht: ein verdammt guter Film zum zumindest einmal positiv überrascht gucken ist er allemal. Erzählt wird die „wahre Geschichte“ eines amerikanischen Meisters des brasilianischen Jiu Jitsus, der Ende der 90er weg von seinem glücklichen, aber finanziell schwierigen Leben in ein lukrativeres, aber inoffizielles MMA-Turnier gezogen wird…
Kennt ihr diese Filme, die ihr um kurz nach Mitternacht anfangt, wo ihr eh schon müde von einem langen Tag seid, damit rechnet nach spätestens 30 Minuten einzuschlafen oder abzubrechen und wenn überhaupt am nächsten Tag weiter zu gucken - dann aber um 2 Uhr hellwach und angefeuert vor'm Fernseher sitzt? Genau von diesem Kaliber ist „Born To Fight“ (aka „Mickey Kelly“ in seiner Entwicklungsphase) ein Vorzeigekandidat. Trotz all bekannter Muster, trotz all seiner Berechenbarkeit, trotz all seiner Klischees und sicher auch teilweise soapiger Käsigkeit - in jeder seiner Fasern spürt man, dass dieses Projekt vor allem Hauptdarsteller Sean Patrick Flanery sehr nah am Herzen liegt. Er ist selbst Jiu Jitsu-Schwarzgurt, war bei vielen der porträtierten Phasen und Geschehnisse dabei. Es ist sein Liebesbrief an diese Kampfkunst und die entscheidenden Leute, die ihn und sein Leben scheinbar mehr als positiv geprägt haben. Aber selbst ohne diese entscheidende, intime, friedfertige, persönliche Note - „Born a Champion“ funktioniert. Die Kämpfe wirken nicht nur echt, sie sind es. Die Emotionen wirken nicht authentisch, sie sind es. Die Darsteller liefern starke Leistungen ab, weil ihnen der Stoff wichtig ist. Man spürt jeden Schlag, sowohl von Gegnern als auch vom Schicksal. Alles hat Pathos und Ruhe zugleich. Effekthascherisch oder aufgesetzt wirkt hier rein gar nichts. Und deswegen kann ich „Born a Champion“ wärmstens empfehlen. Erst recht wenn man auch nur peripher in seinem Leben mit Martial Arts zu tun hatte. Eine der Überraschungen des Jahres, die in der kommenden Zeit sicher Fan um Fan gewinnen wird. Erstaunlich. Und Katrina Bowden ist unverschämt attraktiv.
Fazit: einmal Kämpfer, immer Kämpfer. „Born a Champion“ trifft einige blanke Nerven eines jeden Fighting Fans und hat eine ungenierte, oldschoolige, manchmal auch sicher etwas plumpe Emotionalität und Ehrlichkeit, die ich nur toll finden kann.