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Morgan Freeman. Bislang fünf Oscarnominierungen, einen Goldjungen für „Million Dollar Baby“ und weitere erinnerungswürdige Performances in starken Streifen wie „Sieben“ oder „Die Verurteilten“. Natürlich kann man mit über 80 Jahren nicht mehr soviel Action verknusen wie ein junger Springinsfeld, aber ihn deshalb in einen Rolli zu verfrachten, um von dort aus die Action zu dirigieren? Bruce Willis dürfte sich um diese Rolle gerissen haben.

Der pensionierte Cop Damon (Freeman) ist an den Rollstuhl gefesselt und lebt in einer prunkvollen Villa. Als seine Haushälterin Vicky (Ruby Rose) mit ihrer Tochter erscheint, unterbreitet er ihr ein ungewöhnliches Angebot: Fünf kleine Aufträge an fünf verschiedenen Orten der Stadt, lediglich je eine Tasche voller Geld abholen, um das Leben ihrer Tochter zu retten. Widerwillig geht die ehemalige Drogenkuriere auf den Deal ein, während korrupte Cops, das FBI und scheinbar Damon selbst ganz andere Pläne verfolgen…

„Ich habe gehört, du hast mehr Menschen getötet als Quentin Tarantino.“
Mit solch faktisch fatalen Sätzen, die anbei möglichst viel Coolness transportieren sollen, kann ein Cop-Thriller nur vor die Hunde gehen. Dass Damon zu den korrupten Jungs zählt, kristallisiert sich bereits in den ersten Minuten heraus, inwieweit vier weitere Handlanger drin stecken, bleibt eher nebulös und man mag nur erahnen, dass die jeweiligen Stationen bei üblen Kleinganoven einer zwielichtigen Geldquelle für eine aufgebesserte Pension gleichzusetzen sind.

Derweil sind rasend schnelle Motorräder mit leichtem Blink Blink bei nächtlichen Fahrten seit „Street Hawk“ ja ganz schnittig, aber seit den 80ern reicht es nicht mehr, lange Fronteinstellungen mit einigen Beats zu unterlegen, um Drive zu generieren. Die jeweiligen Stippvisiten der kurzrasierten Vicky, die ihre beiden Knarren im Rückenbereich sehr offensichtlich zur Schau stellt, gestalten sich letztlich repetitiv: Unerschrockenes Auftreten, kurzes Belauern, schnelles Zücken, Kopfschüsse mithilfe von CGI.

Da bietet eine kurze Verfolgungsjagd im Hafenbereich fast schon ein wenig Abwechslung, denn andere physische Auseinandersetzungen bleiben komplett aus und sämtliche Gegner ballern blindlings wie Zyklopen auf einem Schießstand. Ruby Rose macht trotz allem eine gute Figur und performt zumindest nuancierter als Freeman, der in Sachen Mimik fast schon mit der Robotik seines Rollis verschmilzt. Mimen wie Patrick Muldoon oder Nate Adams werden hingegen völlig verheizt.

Am Ende wird kein großer Coup serviert, denn selbst vage Anhaltspunkte lassen im Grunde nur eine Auflösung zu, welche auch prompt eintritt. Das Drumherum wird nie so recht ausformuliert, während die Action deutlich zu kurz kommt und die Figurenzeichnungen gegen Null tendieren. Zudem gibt sich die digitale Optik mit zahlreichen Farbfiltern zu verspielt, was eher billig daherkommt, als mit visuellen Kniffen zu landen.
„Vanquish“ kann man so nebenher laufen lassen, weil auf Audioebene nichts negativ beeinträchtigt, aber davon zehren können Genrefans freilich nicht.
Knapp
4 von 10

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