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Eine Texteinblendung vor Beginn der Handlung ist nicht unwesentlich, da sie besagt, dass die Geschichte 2017 geschrieben und der Film 2019 gedreht wurde. Denn das Szenario erinnert nicht von ungefähr an ein Lockdown-Szenario, allerdings um einiges extremer.

Eigentlich sollte es nur ein lockerer One-Night-Stand für Giovana und Yago sein, doch als sie am nächsten Morgen in einer Hängematte erwachen und rosafarbene Wolken erblicken, folgt bereits umgehend eine Lautsprecherdurchsage, sofort ins Haus zu gehen und alle Fenster zu schließen, da Kontakt mit den Wolken innerhalb von zehn Sekunden tödlich ist. Zwangsläufig müssen sich die beiden arrangieren, was zunächst recht gut funktioniert, doch aus Tagen werden Wochen, aus Wochen Monate…

Verhältnismäßig gut ging es den Leuten während der Lockdowns, die einen Garten ihr eigen nennen dürfen, doch auch diese Möglichkeit birgt bei vorliegendem Szenario aus nachvollziehbaren Gründen keinen Vorteil. Folgerichtig spielt sich die Handlung nahezu komplett in einer Wohnung ab, Kontakt zur Außenwelt pflegen die beiden via Mobiltelefon und Laptop, denn merkwürdigerweise funktionieren alle lebensnotwendigen Bereiche ebenso wie die Lebensmittelversorgung über ein Schlauchsystem.

Die brasilianische Langfilmdebütantin Iuli Gerbase legt den Fokus ohnehin nicht auf das Hinterfragen des Phänomens, denn sonst würden ihr diesbezüglich einige Logiklöcher um die Ohren fliegen, was nicht nur an einem überaus gepflegten Rasen bei einem Blick in die Nachbarschaft festzumachen ist. Statt Mystery setzt sie auf eine Charakterstudie, die sich mit Fragen auseinandersetzt, wie viel Einsamkeit und Isolation Menschen aushalten können und welche Dynamik sich entwickeln kann, wenn zwei Personen miteinander klarkommen müssen, die genau dies rein gar nicht gewohnt sind.

Das gestaltet sich phasenweise durchaus interessant, doch auf Dauer erzeugt die Monotonie ein wenig Leerlauf, da sich bestimmte Begebenheiten zwangsläufig wiederholen oder andere Entwicklungen absehbar sind. Die beiden Darsteller performen allerdings angenehm bodenständig, was durchaus zur Glaubwürdigkeit beiträgt und auch die Veränderungen von Frisuren oder Bartformen ergänzen dies.

Somit ist Gerbase ein durchaus ansprechendes Drama gelungen, das auf inszenatorischer Ebene vieles richtig macht. Die saubere Kamera, einige effektvolle Farbgebungen und der zurückhaltend eingesetzte Score kaschieren zumindest ein wenig, dass inhaltlich deutlich mehr drin gewesen wäre, da es letztlich an packenden Einzelmomenten mangelt.
6 von 10

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