Olympischer Matratzensport
Irgendwo unscheinbar zwischen Almodovar und Allen wächst dieses deutsche Kleinod aus den scheidenden Achtzigern bisher nahezu unbeachtet vor sich hin. Dabei hat es fast schon Jubel, Trubel und viel mehr Zuschauer verdient! Erzählt wird von einer zweckgemeinschaftlichen WG zweier mittelalter Neu-Singles in Hamburg, die sich gegenseitig das Leben gleichzeitig schwer machen sowie anheizen und versüßen - auf ihre ganz spezielle Art und mit recht spleenigen Methoden…
Eine WG sie zu knechten
„Brennende Betten“ sollte kein „vergessener Film“ sein meiner Meinung nach. Dafür ist er einfach viel zu frech, viel zu frei, viel zu lustig, viel zu gesellschaftlich relevant und viel zu gut! Pia Frankenberg macht das vor wie hinter der Kamera top. Ein wenig erinnert das an eine versextere Version von „Harry & Sally“. Wenn je eine deutsche Screwballkomödie gedreht wurde, dann ist sie das. Sowohl Engländer als auch Franzosen und erst recht wir Deutschen bekommen Fett weg. Sehr europäisch. Sehr lustig. Freizügig ohne freizügig zu sein. Feurig ohne sich zu verbrennen. Süß ohne Zahnschmerzen. Sexy ohne vulgär zu sein. Frech und feministisch ohne Zeigefinger. Seiner Zeit voraus und doch ganz im Moment. Hat mich voll überzeugt. Hamburg wird toll eingefangen. Etliche Pointen sitzen als ob sie ein Schwerverbrechen begangen hätten. Und wie gesagt: der funktioniert auch heute noch echt gut, er sollte eine Wiederentdeckung wert sein und spielt eine wunderbar lockere Klaviatur entgegen der Geschlechterklischees. Aus jeder Epoche gibt es tolle deutsche Filme - man muss sie nur finden, man muss ihnen eventuell endlich das Lob zukommen lassen, das sie zu ihrem Release alles andere als bekommen haben!
Fazit: frech, intelligent, lustig und ehrlich… „Sexkomödien“ und Beziehungsfarcetten kommen kaum cleverer und sehenswerter!