Review

Disney „punk“tet


Wie macht man eine waschechte Psychopathin und Hundemörderin (!) zur (Anti-)Heldin? (Knappe Antwort: sie ist's nun einfach nicht mehr…)

Wie stoppt man den Abwärtstrend bei Realfilmversionen bekannter Disneyfiguren? 
Warum hat Emma Stone eine neue deutsche Synchronstimme?
Wieviele rockig-coole Hits passen in einen Film?
Kann Disney Punk? Oder nur ein Abziehbildchen davon?
Ist er wirklich derart von „Joker“ inspiriert wie der Trailer zu zeigen meinte? Oder eher von „Der Teufel trägt Prada“? 
Kann Emma Thompson böse?
Lässt man sich dieses Prequel und Charakterpiece mit über zwei Stunden zu sehr entfalten?

All das waren Fragen, die sich Disney (und ich mir selbst als Zuschauer) beantworten musste, mit „Cruella“, der modernisierten Vorgeschichte der Dalmatinererzfeindin in schwarz und weiß…

„Cruella“ ist ein wenig ausufernd in seiner Länge und im Grunde nur ein modisches Battle einer etwas rebellischen jungen Frau mit einer porentief bösen alten Frau. Mittendrin natürlich die gewohnten Handlanger und gepunkteten Hunde, ein paar Easter Eggs und Anspielungen. Aber grob nur ein Haute Couture-Schwergewichtskampf Stone vs. Thompson, Emma vs. Emma, Cruella/Estella gegen die Baronesse. Unterlegt (und somit fast a la „Suicide Squad“ zum Jukeboxfilm mutierend) von schier unendlich Rock-/Pophits, meist von vor 1980, aus dem UK der 60s und 70s. Aber das Gesamtpaket unterhält dann doch erstaunlich gut. Die Songs werden inflationär genutzt, ergeben aber an sich einen Killersoundtrack und bringen massiv Schwung. Die beiden Emmas sind wie zu erwarten ganz groß, wobei vor allem die älterer Grand Dame legendär fies auftritt. Man liebt es, sie zu hassen. Als moderne, punkige Prequel-Version von Miss DeVille hat das eine nahezu auf uns Zuschauer überspringende Energie. Cruellas Abneigung gegenüber Dalmatinern wird einerseits mit guten Gründen unterfüttert, gerät im Laufe des langen Duells aber dann doch deutlich unter die Räder. Die zwei Gauner-Sidekicks/-Comedic Reliefs erklauen sich neben Mode sicher auch das ein oder andere Guckerherz. Und das Kostümdesign verdient alle Preise der Welt. Es wird durchaus düster, es wird durchaus glaubhaft rotzig, rebellisch, rüde. Nicht unbedingt der feine englische Stil oder der sichere Weg der Mouse. I like. Den Kinopreis war er locker wert. Den unverschämten Disneyplusaufschlag nicht. Aber Letzteres trifft wohl fast auf jeden Film der Welt zu. 

Fazit: Emma Stone ist eine bezaubernd-„böse“ Wucht, wird hier jedoch von einer teuflisch-genialen Emma Thompson noch getoppt. Und „Cruella“ ist einer der besseren Live-Action-Filme von Disney. Kein weiblicher „Joker“, aber nah dran. Mit allem Dafür und Dagegen. 

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