Review

Manchmal muß man sich vom Grauen halt erst selbst überzeugen, um es wirklich zu glauben, aber Uwe Bolls „House of the Dead“ ist tatsächlich so grauenhaft schlecht, wie die meisten Hardcorefans selbst zugeben müssen.
Im gleichen Atemzug ist es aber auch der perfekte Ausdruck einer Videospielumsetzung, denn hier wird aus Versatzstücken wie einer mysteriösen Location, einer unbekannten mörderischen Bedrohung und einigen Pappkameraden eine Ballerorgie hintereinander geschaltet, die als Egoshooter ebenfalls prima funktioniert hätte.
Als wüßten wir es nicht längst, läßt Boll noch als Szenenübergänge Ausschnitte aus dem Originalgame dazwischenschneiden, die an Sinnlosigkeit kaum noch zu überbieten sind, aber irgendwie bedrohlicher wirken als die flotten Untoten im Film.

Ansonsten könnte man aber davon sprechen, daß es schlicht ein saudoofer Slasher ist.
Die Charaktere sind so wahllos zusammengeleimt, daß uns der Off-Kommentar des (scheinbar) einzigen Überlebenden erst mal über die persönlichen Beziehungen und Charakterzüge aufklären muß, weil sich das Drehbuch danach nicht mehr damit beschäftigt.
Da wir schon wissen, wer überlebt, müssen wir uns auch keine großen Gedanken um den leisen Rest von Spannung machen, wer es denn am Ende sein könnte.
Gemeinsam trifft man auf die abgewrackten C-Stars Jürgen Prochnow als Skipper und Clint Howard als sein häßlicher Assi, die mit dem nötigen Cash das Frischfleisch zu Insel schippern.
Da kommt dann alles zusammen: die Partygesellschaft ist schon aufgefressen (bis auf einige zusätzliche Opfer), die Zombies wetzen durchs Unterholz und, jahaha, der Onkel Prochnow schmuggelt doch tatsächlich Waffen, die man sich nach dem ersten Fight (Level...?) dann brachial einsetzen darf. Und da zeigt sich, daß übermäßige Firepower ein probater Spannungskiller ist, denn so dermaßen langweilige, endlose Zombieschußgefechte hab ich schon ewig nicht gesehen. Da zeigt sich, daß im Gefecht grimmige oder gorige Einfälle gefordert sind, nicht gerade Genie, aber ein zündender Funke, der Blick für das Besondere.
Das geht Boll leider hinten wie vorne ab, die Gore-Effekte sind zwar vorhanden, aber bisweilen kann man das Blutkissen sich beulen sehen und die Prosthetics sind auch nicht gerade A-Ware.

Am Ende gibt’s dann tatsächlich noch einen Hauch von Story, wenn die Hintergründe der Zombies ansatzweise erwähnt werden (irgendein windiger Sado-Priester erschafft sich beim Auseinanderfallen immer wieder mit mutiertem Blut und Körperteilen neu), aber nicht im Mindesten erklärt werden können. Ist ja auch egal, das finale Pärchen macht den Priester platt in einem Fight, der wohl segensreich die Luft von „Matrix“ oder „Versus“ atmen möchte, aber trotz pc-gestützter 360-Grad-Schwenks um die Figuren, Bullet Time und ähnliche Kinkerlitzchen immer aussieht, wie ein gut finanzierter Fanfilm a la Ittenbach und Konsorten.

Boll und sein Team beweisen sich wenigstens auf normalem technischen Level und bieten keine ganz groben Schnitzer, aber bei der allseits herrschen Scheißegalhaltung gegenüber Inhalt und Tiefe kann das diesen Müll natürlich nicht retten. (2/10)

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