Ein Verfilmung des Lightgun-Shooters HOUSE OF THE DEAD? Nur ein Moorhuhn-Roman erscheint mir da noch gewagter...
Dieses Spiel bietet einem nun wirklich nichts, was ansatzweise eine Verfilmung rechtfertigt, besteht es doch nur aus dem permanenten Umnieten von Zombies, die auf die Kamera, sprich, den Spieler, zutorkeln.
Aber vielleicht war es gerade diese völlige Freiheit in Bezug auf die Handlungsgestaltung, die Uwe Boll so künstlerisch reizte.
Er arbeitete also ein Essay aus, in welchem er die Rolle seines Werks in der Zombiefilmgeschichte gründlich... ach nein, tschuldigung, ich fange noch einmal neu an.
HOUSE OF THE DEAD hat sich trotz seines sehr simplen Spielprinzips weltweit sehr gut verkauft und wurde nicht nur auf der Dreamcast von Entwickler Sega, sondern auch auf dem PC zu einem respektablen Erfolg. Das Spiel somit zu einem Begriff für den Durchschnittsspieler. Und Statistiken belegen, dass der Durchschnittsspieler männlich, Horror- und Actionfan und obendrein fleissiger Filmgucker ist. Ja, und so eine Statistik fiel auch Dr. Boll in seine gierigen Finger, und er wurde von einer Vision überwältigt: Er als Chef einer Filmfirma, die sich auf Videospielverfilmungen spezialisiert hat, massenweise Müll produziert und... ach nein, das mit dem Müll, daran dachte er nicht.
Denn die Filme, die waren seine kleinste Sorge. Die drehten sich ja quasi von selbst. Da brauchte man nur dicke Wummen, dicke Brüste, dicke Bullet-Times, denn darauf, so wusste er, standen die Konsumenten, so "Matrix-Style geht allderweil".
Nun ist er ja nicht der einzige, der so denkt. Das Titten-und-Knarren-Schema hängt wahrscheinlich bei jedem zweiten Produzenten an der Wand, ja, ohne Sex und Crime würde beim Film gar nichts laufen. Aber andere Produzenten wissen halt um ihre Talente und kennen auch ihre Grenzen. Geld auftreiben, schön. Schauspieler und Spezialisten zusammentrommeln, auch schön. Preiswert am Hollywood-System vorbeiproduzieren, ohne qualitative Abstriche, am schönsten. ABER dann selbst auf dem Regiestuhl Platz nehmen, big NoNo, Dr. Boll!
Es wird doch wohl möglich sein, in Kanada irgendeinen preiswerten Regisseur aufzutreiben (da werden doch ohne Ende Genre-TV-Serien gedreht), der ein wenig Ahnung von Dramaturgie und Spannungserzeugung hat, oder?
Herr Boll, ihre Filme sehen wirklich nicht schlecht aus, von Film zu Film besetzen sie bekanntere Pappnasen, und ihnen läuft auch nie das Budget aus dem Ruder, aber diese Filme sind wirklich scheisslangweilig! Ich lasse mich als Spielefan ja gerne von ihnen abzocken, wenn sie mit meinem blinden Vertauen in solche Filme Kohle machen wollen, bitteschön, aber ein wenig will man schon unterhalten werden, das ist echt nicht zu viel verlangt.
HOUSE OF THE DEAD: Was nützt mir dieses Bullet-Time-Gekreisel, wenn es nur zur Effektprotzerei da ist? In MATRIX erfüllte dieser Effekt nämlich einen Zweck, jawoll. Spannung war völlig abwesend (gleich am Anfang den Überlebenden des Gemetzels zu zeigen, ist ja wohl das Dämlichste, was so ein Film machen kann), die Schauspieler unter aller Kanone (wobei mich das zugegebenermassen nicht überrascht hat, das ist in solchen Filmen halt Standard) und wenn dann doch mal drauflos gesplattert wurde, dann wurde das Ganze durch eine Schnittorgie auch schon wieder demontiert, dass man das grosse Gähnen bekam. Splatter legt nun mal den Finger, äh, die Kamera auf die Wunde.
Plötzliche Wetterwechsel und schunkelnde Grabsteine waren da nur noch das kleinste Problem. Wie gesagt, es ist ja optisch wirklich noch in Ordnung, aber eben auch nur vordergründig, denn die Bilder erzeugen überhaupt keine Spannung aus sich heraus (man sehe sich bitte mal frühe Carpenter-Filme bei der Boll-KG an!), und wer sagt sich schon, wenn der Abspann läuft: "Naja, aber der Film sah teuer aus!"
Aber immerhin: Dieses debile Geballere kam dem Spiel schon fast kongenial nahe...wobei ich mich frage, ob das wirklich beabsichtigt war, denn das ungleich handlungsintensivere ALONE IN THE DARK wurde dann mit einer ähnlichen Bleiorgie gewürdigt.
Ach ja, bleibt mir nur die Konsequenz, nie wieder in einen Film directed by Bolle zu gehen, geschweige denn einen zu leihen. Vielleicht zieht er sich ja wirklich mal auf den Produzentenstatus zurück. Doch vorher schwant mir da Übles. Und das heisst BLOODRAYNE, DUNGEON SIEGE, FARCRY... würg.