„Es ist alles gesagt, aber noch nicht von allen.“ An diesem Motto scheinen sich die Reviews von „House of the Dead“ zu orientieren, wobei es den Anschein erweckt, als würde vor allem die Gelegenheit genutzt werden, den armen Herrn Boll entweder zu zerreißen oder in den Himmel zu loben. Es ist schade, dass dieser Film so polarisiert. Denn zwischen „Hosianna“ und „Kreuziget ihn“ liegt wie so oft die Wahrheit.
„House of the Dead“ ist ein Film, der normaler weise gar nicht polarisieren dürfte. Denn er ist schlicht Mittelmaß. Und dafür kann Herr Boll nichts. Schuld sind vielmehr all die vielen Gamer, die irgendwelchen Produktionsfirmen den Eindruck vermittelt haben, mit der Verfilmung eines Videospieles wäre Geld zu verdienen. Mal ganz ehrlich: Wie bitte soll man ein Ballerspiel verfilmen, ohne entweder die SEGA-Fangemeinde zu beleidigen oder die normalen Horrorfreaks zu langweilen. Man kann aus dem Abschießen von Zombies keinen vernünftigen Film machen. Und wir wissen auch, dass die Zeiten nicht geeignet sind, aus diesem Stoff einen Gore-Klassiker a la Fulci zu machen, ohne zumindest die Indizierung zu fürchten.
Also hat Boll genau das richtige getan. Er liefert den Videospielern plakative Charaktere, die modern rüberkommen und sich die Seele aus dem Leib ballern. Jede Waffe wird mal verwendet, Matrix ausgiebig kopiert und der Body-count hochgehalten. Damit die alte Klientel nicht vergisst, dass es sich um die Verfilmung ihres Lieblings handelt, muss Boll von Zeit zu Zeit Sequenzen aus dem Spiel einblenden. Das befremdet den Horrorfreak. Aber der kriegt gleich zu Anfang ein paar nackige Mädchen und kann sich über die Einschüsse freuen. Die Tricks sind einfach, aber nicht trashig. Und der Hintergrund der Zombieinvasion vermittelt eine gewisse Handlung, so dass der Gorehound auch zufrieden ist.
Leider, und das ist das Manko des Films, findet die beidseitige Zufriedenheit auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner statt. Damit sind wir wieder beim Mittelmaß.
Kommen wir zu den Schauspielern. Ich möchte behaupten, dass aktuelle Main-stream-Produktionen schon schlechter gecastet worden sind. Die Besetzung passt zu der Idee des Films. Auch Prochnow macht seine Sache ordentlich, auch wenn er in seiner Karriere sicherlich schon mehr gefordert worden ist. Aber Geld stinkt halt nicht.
Vielfach wird dem Film auch vorgeworfen, dass er unlogisch wäre. Wie bitte soll sich denn eine logische Geschichte entwickeln, wenn es nur darum gehen darf, Zombies zu erschießen. Die Handlung ist nur dazu da, die Gruppe von Kämpfern irgendwie ins Rennen zu schicken. Aber erinnern wir uns doch mal an die fadenscheinigen Gründe, die die Gruppe von „Voodoo“ auf das Boot und dann die Insel gebracht hat. Das war ja auch nicht gerade durchdacht, aber niemand klagt.
Womit ich mich nicht abfinden kann, ist dass Zombies schnell laufen und rot bluten. Dazu bin ich wohl zu konservativ geworden. Aber was soll’s. Andere Zeiten, andere Zombies…
Ich finde, Boll hat aus einem Videospiel den Film gemacht, den die entsprechenden Kunden verdienen. Get what you deserve! Es ist nichts dolles dabei rumgekommen. „House of the Dead“ lohnt die geführten Diskussionen kaum. Aber der Film ist kein Grund, den armen Boll rund zu machen. Ich denke, der Mann wird uns noch so einiges bieten. Von mir 5 von 10 Punkten.