Otto, das Phänomen. Nach seinen ausverkauften Bühnenauftritten in Westdeutschland ließ Horst Wendlandt, Produzent diverser Edgar-Wallace-Krimis der Siebziger, den Ostfriesen auf die deutschen Kinoleinwände los und brach damit alle deutschen Einspielrekorde der Nachkriegsgeschichte. Das lag seinerzeit weniger an der Qualität des Films, sondern vielmehr daran, dass es ein Film war, der das Glück hatte zur rechten Zeit veröffentlicht und von Mundpropaganda vorangetrieben zu werden.
So altbacken und angestaubt „Otto – Der Film“ heute auch rüberkommt, von seinem Charme hat er nichts eingebüßt und das werden vor allem Nostalgiker zu schätzen wissen. Als naives, verhätscheltes und gutgläubiges Landei kehrt Otto in die Großstadt ein, um nicht nur in die Falle des Kredithais Shark (Peter Kuiper) zu tappen, sondern auch gleichzeitig bei der adeligen Familie von Kohlen und Reibach seine große Liebe zu finden.
Mehr als eine Folie für die Gags ist der Plot im weiteren Verlauf nicht. Viele Witze zünden heute nicht mehr, weil sie eben zu oft Verwendung fanden, aber hier hat man nun mal das Original, in dem Otto Waalkes alles gibt, vor sich. Verkleidungskünstler, Sänger, Silbenakrobat, Witzerzähler (über die stets nur er selbst lacht) und Satzjongleur ist der pfiffige, aber nun mal extrem glücklose Underdog in einer Person.
Ihn supporten tut dabei als Love Interest die in „Otto - Der Liebesfilm“ wieder zurückkehrende Jessika Cardinahl, Deutschlands Vorzeigegentleman Sky Dumont („Der Schuh des Manitu“), die internationale Größe Gottfried John („GoldenEye“, „Asterix & Obelix gegen Caesar“), Johannes Heesters und solche TV-Legenden wie Karl Lieffen oder Elisabeth Wiedemann („Ein Herz und eine Seele“).
Knapp 80 Minuten dauert Ottos erster Auftritt netto und das soll auch ausreichen. Regisseur Xaver Schwarzenberger, der sich einst seine Sporen als Kameramann in Belmondo-Filmen wie „Das Ass der Asse“ oder „Der Außenseiter“ verdiente, inszeniert zusammen mit seinem Hauptdarsteller „Otto – Der Film“ als eine einzige Aneinanderreihung von Gags.
Die Parodie auf Heino und die Verulkung bekannter Themes wie „Jaws“ und „Mission: Impossible“ gehören dabei genauso zum Programm wie ein fröhliches Draufloshacken auf das spießige Establishment. Darauf hat es Otto, als ostfriesischer, einfacher Junge besonders in der zweiten Hälfte abgesehen. Freilich funktioniert die Liebesgeschichte herzlich wenig und irgendwie steckt auch keine beißende Satire dahinter, doch letztlich kann man, wenn man den will, sich an diesem mitunter wirklich grenzdebilen Schwachsinn richtig gut amüsieren.
Fazit:
Inszenatorisch natürlich mit vielen Mängeln behaftetes, seltsam episodenhaft zusammengeschnittenes, stellenweise absolut kultverdächtiges Kinodebüt von Otto Waalkes, das nach all den Jahren selbstverständlich Staub angesetzt und an Spritzigkeit eingebüßt hat, an seinem Charme aber nach wie vor festhält. Otto-Fans finden das kultig, andere nur schwachsinnig. Ich für meinen Teil kann mich beim chaotischen Ostfriesen jedenfalls immer wieder beömmeln. Schade, dass die Reihe später das Niveau nicht zu halten vermochte.