Wenn man einmal damit anfangen würde, eine Liste mit den erfolgreichsten und bekanntesten Komikern unseres Landes aufzustellen, dann würde er ohne Frage an der Spitze stehen: Otto. Der Blödelbarde aus dem hohen Norden ist und bleibt einer der beliebtesten deutschen Spaßmacher, den das Land je hatte und das obwohl seine Witzigkeit größtenteils nur aus purstem, und keinerlei Tiefgang begreifendem Blödsinn besteht. Doch woran liegt das? Tja, anscheinend möchte der Deutsche einfach groß Lachen können, ohne dabei sonderlich nachdenken zu müssen. Und ja ich gebe es zu, auch wenn ich mich dem intelligentem Witz nie und nimmer verschließen würde, ich bin und bleibe auch ein Fan deutscher Blödel-Comedy, zumindest wenn sie gut gemacht ist. Und das war sie bei Otto wirklich lange Zeit. Auch wenn seine Zwergenfilme nun nicht mehr ganz an seine frühere Schaffenskunst herankommt und er sich in letzter Zeit auch kaum noch etwas sonderlich Neues ausdenkt, so war er in den 80ern und 90ern doch unerreicht. Quasi der witzigste Blödmann, den Deutschland je zu bieten hatte. Und vor allem sein erster Ausflug ins Kino, bleibt bis heute eines der wirklichen Highlights deutscher Blödelkunst.
Woran das richtig liegen mag, ist dabei schwer zu ergründen, ist doch "Otto - Der Film" eigentlich nichts anderes, als eine Otto-Show par excellence. Die Story ist dabei natürlich typisch Otto und voll auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten. Der arme Otto (ohne Nachnamen, den konnten sich seine Eltern nicht leisten) kommt in die Großstadt und will dort ein kleines Unternehmen gründen. Dabei gerät er nicht nur an einen schmierigen Geldhai, sondern auch an eine stinkreiche Adelstochter, in die sich der blonde, hier noch blutjunge, Schnösel verliebt. Er hat also zwei dicke Probleme am Hals und ein Drittes kommt irgendwie immer noch dazu... Ja, auf die Geschichte sollte man nun wirklich nicht probieren etwas zu geben. Denn sie ist nicht nur flach, sondern mitunter auch absurd und äußerst leicht geschrieben worden. Egal was man hier nimmt, alles, aber auch wirklich alles ist hier nur ein reiner Aufhänger, für die gnadenlose Otto Waalkes-Attacke, die dieser Film zu bieten hat. Und diese könnte für Otto-Fans nicht heftiger sein.
Denn alles was es hier an Gags zu erleben gibt, ist so etwas von Otto, dass man aus dem Schmunzeln einfach nicht mehr herauskommt. Flachheit ist dabei die Mutter der Gagkiste und das zieht unserer Protagonist hier so gnadenlos durch, dass man darüber kaum meckern kann, sondern es in einem Zug genießt. Da mümmelt unsere männliche Blondine mal so mir nichts, dir nichts seine Zahnbürste auf, hält sich ein Bügeleisen ans Ohr und ruft "Hallo", merkt dann anscheinend das er was falsch gemacht und dreht dann doch nur das Eisen um oder legt auf dem Friedhof einfach mal eine astreine Zombie-Parodie im Heino-Stil hin. Eine Situation ist hier absurder als die Andere, und kein Kalauer kommt hier über die Flachheit des hohen Nordens hinaus.
Genauso auch die Mono- und Dialoge, die ebenfalls nur so vom üblichen Blödelhumor des Friesen getränkt sind. Beispiele gefällig? "Sie sind mein Mann!" Otto: "Was sagt ihre Frau dazu?". "Sie sind jung, sie sind verliebt, sie brauchen eine Brille". "Mami, Mami, hier ist ein Mann mit einem ganz hässlichen Gesicht vor der Tür" Mutter: "Sag ihm wir haben schon eins". Oder auch "Ein Otti allein im Mehr, wie kommt das? Nun das ist eine lange Geschichte, am Anfang schuf ich Himmel und Erde..." *Donner* "Schon gut, schon gut, das war ein Anderer, ich weiß." *Grins*. Vorgetragen auf Ottos typisch friesische Art und Weise, kann man dabei selbst über das sinnentleerteste Zitat nur so lachen.
Und warum ist das so? Ja, nicht nur weil Otto seine grotesk albernen Plattheiten hier bis zum bitteren Ende durchzieht, sondern wohl auch, weil (zumindest damals) niemand je mit derartig viel flacher Albernheit in einem Film gerechnet hat. Wer heutzutage an der Vorhersehbarkeit vieler Jokes gerne Kritik übt, vor allem wenn es um Otto geht, der dürfte bei seinem ersten Film damals regelrecht seine Erfüllung gehabt haben. Denn wie hier die Jokes die Albernheits- Flachheits- und Absurditätsdimensionenüberschreiten, hat damals wohl niemand wirklich für möglich gehalten.
Dazu kommt dann noch das nette Drumherum. Angefangen bei der stimmigen, wenn auch recht leicht gehaltenen Inszenierung, die schön zum einfachen Jungen vom Lande passt. Die Kulissenauswahl passt, die Musik auch und auch die Macher hinter der Kamera machen ihre Sache soweit ganz überzeugend, genauso wie die Darsteller davor, als da wären u.a. Sky DuMont, (die absolut grandiose) Elisabeth Wiedemann oder auch Johannes Heesters, der allerdings schon hier seine Zeit deutlich überschritten hat. Als abgewrackter Edelmann macht er seine Sache aber dennoch ganz gut.
Fazit: Otters erster Ausflug ist und bleibt eine der besten und unterhaltsamsten Blödelklamotten aller Zeiten, die für Fans dieser Art von Humor ein absoluter Segen ist. Die Geschichte ist flach, die Gags sind noch viel flacher und dabei mitunter an Absurdität und Albernheit kaum noch zu überbieten. Und gerade weil die Grenzen an Blödsinn und Flachheit hier partout überschritten werden, kommt man mitunter aus dem Lachen nicht mehr heraus und dies dürfte damals im Kino auch kaum vorhersehbar gewesen sein. Wer mit dieser geistlosen, aber eben trotzdem durch und durch unterhaltsamen Art von Humor etwas anfangen kann, oder wer Otto schon immer geliebt hat, der kommt an "Otto - Der Film" einfach nicht vorbei. Hier muss die Wertung einfach in Stunden von Bauchschmerzen gemessen werden, die man durch das Erschüttern des Zwerchfells, nach Genuss dieses Film, einfach hat. Und da sind 9 Stunden fast noch untertrieben.
Wertung: (mit Sicherheit überwiegend subjektive) 9/10 Punkte