Nach einer längeren Auszeit wird die Schriftstellerin Mary Morrison (Kristin Davis) von ihrem Verlag gedrängt, ihre Buchreihe fortzusetzen - doch die erfolgsverwöhnte Endvierzigerin hat dazu absolut keine Lust, weswegen sie eine Schreibblockade vorschützt und die beiden Verlagsleute kurzerhand rausschmeißt, ohne deren schriftliches Angebot auch nur gelesen zu haben. Erst als ihr Ehemann Tom (Dermot Mulroney), ein weichgespülter Ja-Sager vom Typ Teddybär, ihr gesteht, vor einem halben Jahr die Hälfte ihrer Rücklagen heimlich verzockt zu haben, beginnt sie über das Angebot nachzudenken. Zwei Millionen Dollar sind nicht zu verachten, allerdings müßte sie ihr derzeitiges Leben, das aus Sauna-, Spa- und sonstigen Wellness-Übrungen besteht, für einige Zeit aufgeben und kreativ tätig werden. Und was macht sie in dieser Zeit mit ihren zwei Kindern, deren Geburt offenbar mühsam und nur dem gesellschaftlichen Status geschuldet war? Ein Kindermädchen muß her, rät ihr ihre beste Freundin Elaine (Shanola Hampton) und hat auch gleich die Visitenkarte einer Agentur parat. Dort wird Mary dann vorstellig, doch die ersten Kandidatinnen sind nicht nach ihrem Geschmack - erst die letzte, Grace, eine schüchtern auftretende Blondine mit langem geflochtenen Zopf und Barbie-Gesicht erobert Marys Herz geradezu im Sturm. Erstaunlich schnell wird die etwa 20jährige, die gerne Bücher liest (sic!) und sich mit den Kindern gut versteht, in alle Familienangelegenheiten eingeführt und ist schon bald fixer Bestandteil in Marys Leben und Gedankenwelt. Doch irgendwann offenbart das neue Kindermädchen ihre dunkle Seite...
Zielgruppengerechtes Marketing hat längst auch in der Filmindustrie Einzug gehalten, und so ist nicht schwer zu erraten, auf wen ein neuer Film mit einer der Sex and the City-Hauptdarstellerinnen abzielt: nämlich genau auf das Publikum der US-Erfolgsserie. Ausdrücklich nicht dieser Zielgruppe zugehörig ist es für jeden männlichen Zuschauer daher ein gewisses Wagnis, diesen derzeit von Netflix stark gehypten Streifen, in dem Männer bestenfalls gutaussehende, ansonsten aber nur willfährige und meinungslose Werkzeuge darstellen, zu begutachten - vor allem aber tatsächlich zu Ende zu schauen, denn so manche Szene ist derart abstrus, daß der Finger überdurchschnittlich oft zur Stop-Taste gleitet.
Neben der ausgesprochen unsympathischen Hauptdarstellerin sind es vor allem das schlechte Drehbuch, das mit diversen Logiklöchern die Handlungsweise aller Akteure unrealistisch und keineswegs nachvollziehbar erscheinen läßt sowie der mißlungene Regie-Einfall, diverse Tagträume von Mary ins Geschehen einzubinden, wobei das Publikum bewußt im Unklaren darüber gelassen wird, was nun real passiert (ist) und was nicht. Um die grundsätzlich banale Geschichte etwas aufzuwerten, kommt nach etwa dreiviertel der Laufzeit noch ein vollkommen überflüssiger Mord dazu, dessen künstliche Dramatik auf den letzten Metern wohl noch so etwas wie Spannung erzeugen soll, dieses Ziel jedoch genauso verfehlt wie das der auch nur durchschnittlichen Unterhaltung in diesem mit 114 Minuten (die einem wie 300 Minuten vorkommen) überlangen Drama.
Zu den gravierendsten Mängeln zählen wie erwähnt Mary Morrison, eine Egoistin mit verbrauchtem Gesicht ohne die geringste Ausstrahlung und ohne jegliche Empathie, die (Logikloch Nr. 1) auf ein sich naiv gebendes Blondchen hereinfällt, weil diese so unschuldig dreinschaut und sich als bücheraffin ausgibt. Grace (so auch der Alternativtitel des Films) hat man sich etwa wie die junge Madonna Anfang der Achtziger vorzustellen (kurz bevor diese zum Pop-Superstar aufstieg), und ihr zurückhaltendes Wesen (sie drängt sich wirklich nicht in den Vordergrund) turnt die wesentlich ältere Schriftstellerin erstaunlicherweise derart an, daß sich diese in lesbischen Tagträumen ergeht, die vom gemeinsamen Nacktbaden im hauseigenen Swimmingpool über zärtliche Küsse bei einer Fahrradtour bis hin zur manuellen Befriedigung in der Badewanne reichen. Erstaunlich ist dies auch deswegen, weil das Kindermädchen all dies klaglos mitmacht (wtf?), andererseits Ehemann Tom seine Gattin oft genug "bedrängt" und diese diesbezüglich ein erfülltes Sexleben zu haben scheint. Oder sind diese Szenen auch nur irgendwelche Tagträume zur Verwirrung des Publikums? Jedenfalls bekennt Mary später ihrer Freundin gegenüber, sie habe schon seit längerem nichts mehr mit ihrem Partner "gemacht".
Logikloch Nr. 2 ist der Umstand, daß ihr weiblicher Instinkt, in der neuen Hausangestellten eine Rivalin zu sehen, bei der Schriftstellerin komplett versagt - stattdessen bekennt sie schon nach kurzer Zeit in unerklärlicher Überschwenglichkeit, Grace gehöre mit dazu und daß sie ja so ein "Geschenk des Himmels" sei. Die Wandlung der solchermaßen in den Himmel gelobten jungen Dame gegen Ende des Films (warum nicht schon viel früher?) erfolgt dann auch - kaum nachvollziehbar - viel zu abrupt und bezieht sich storytechnisch auf bekannte Vorbilder wie The Hand That Rocks the Cradle und inhaltlich ähnlich gelagerte Filme.
Nein, es gibt wirklich nichts, was an Deadly Illusion in irgendeiner Weise positiv hervorzuheben wäre: unsympathische bis belanglose Darsteller, unerklärliche Verhaltensweisen und ein verwirrender Schnitt zu einem thematisch recht speziellen, reinen Frauenthema. Nicht einmal als filmischer Egotrip eines ex-Serienstars zu gebrauchen: 1 Punkt.