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Basierend auf der literarischen Vorlage von Frank McCourt („Die Asche meiner Mutter“) war bereits der animierte Kurzfilm „Angelas Weihnachten“ ein Erfolg bei Groß und Klein und diese Fortsetzung steht dem ersten Film in nichts nach. Im Gegenteil: Die gerade einmal 47 Minuten Laufzeit hätten gerne mehr als doppelt so lang ausfallen können.

Limerick, Irland 1915: Angela und ihre Brüder vermissen ihren Dad, der seit zwei Jahren beruflich in Australien unterwegs ist. Kurz vor Weihnachten kommen sie auf den Gedanken, ihren Vater pünktlich zum Fest nach Hause zu holen, - ein Unterfangen, welches sich als gar nicht so einfach erweist…

Die Erzählung nimmt die unschuldige Sicht der Protagonistin ein, aus der es auf den ersten Blick durchaus möglich erscheint, sich einen Tunnel nach Australien zu graben und da Irland und Australien im Atlas nur vier Seiten auseinander liegen, kann es ja auch gar nicht so weit sein. Angela und ihr Bruder Pat stellen eine Menge Schabernack an, wodurch sich einige Situationskomik ergibt, während Klassenunterschiede, die hier durchaus in den Fokus gerückt werden könnten, schlicht keine Rolle spielen und vorurteilsfrei behandelt werden. Stellvertretend für die Kernaussage steht eine Anekdote über einen König und einen Bettler, deren Pointe stets einen Cliffhanger bildet.

Die Stimmung ist zwar vorweihnachtlich und hier und da ist etwas Schnee zu sehen, doch die Zeit um 1915 wird von grauen und braunen Tönen dominiert, denen eine leichte Melancholie anhaftet. Die Animation fällt mindestens zweckdienlich aus, die Gesten und Mimiken der Figuren sind oft pointiert und mit simplen Mitteln gut auf den Punkt gebracht, während die Hintergründe ordentlich ausgearbeitet sind. Die musikalische Untermalung hält sich angenehm zurück, wobei zwei Songs durchaus im Ohr hängen bleiben.

Tatsächlich hätte dem Abenteuer etwas mehr Raum zur effektiveren Entfaltung gut getan, da einige Punkte etwas zu rasch abgehandelt werden und manche Nebenfigur nicht mehr als einen kurzen Gastauftritt absolviert. Anderweitig entstehen natürlich keine Längen, denn Zeit zum Herumtrödeln hat Angela ohnehin nicht.

Wenn es weihnachtlich, jedoch nicht zu kitschig oder gar grell zugeht und die Botschaft bodenständig bleibt ohne mit der Moralkeule zu schwingen, hat man es mit einem Weihnachtsfilm zu tun, der problemlos mehr als nur einmal gesichtet werden kann. Das Werk ist teilweise ganz goldig, zuweilen lustig, charmant und es strahlt spürbar die Herzwärme aus, welche vielen zeitgenössischen Genrestreifen oftmals fehlt. Definitiv ein rundum gelungener Familienfilm.
8 von 10

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