Review
von Leimbacher-Mario
John Knick
Ein versierter Auftragskiller verliebt sich... in seinen Auftrag! Die titelgebende Blondine hat es dem hadernden Ballermann angetan und wird dennoch von seinen Auftraggebern entführt. Da lässt es sich das alles andere als neutrale Bleiuhrwerk nicht nehmen zum brutalen Befreiungsfeldzug inklusive Kopfschussmultikillboni und unausweichlicher Diskoszene zu blasen...
Das ist mal wieder so ein Fall: meinen Respekt, meine Sympathie, mein Herz in Teilen hat das Projekt. Das ist süß und mutig, das ist besser als ich und 99,9% aller Kritiker + Filmfans wohl je selbst hinbekommen werden oder würden. Und dennoch ist dieser Cheapie-„John Wick“ aus unseren südlichen Nachbarstaaten einfach nach einigermaßen normalen, internationalen und objektiven Maßstäben kein guter, wirklich ernstzunehmender Film... Eigentlich müsste man solche Indieproduktionen fast unter anderen Kriterien bewerten als seine Vorbilder. Aber das tue ich nicht und fände ich auch unfair. Film ist Film. Und da darf „Marlene“ auch mal mit dem wickschen Jonathan oder einem John McClane verglichen werden. Und da tun sich eben in jeder Kategorie Welten bis Universen dazwischen auf. „Marlene“ will gut choreographierte Action bieten, wirkt dabei aber wie die erste Stunde einer Seniorentanzschule ohne wirklichen Plan von gar nichts. Fremdscham. CGI-Splattereien sind auch günstiger und schneller gemacht als Handgemachtes - wirkt aber dann eben auch massiv billig und falsch. Gute Schauspieler kriegt man nicht umsonst - auch ein Problem. Bei banalen Dialogen erst recht. Und all das summiert sich dann einfach. Anstatt pushender Beats läuft Seeed im Club. Anstatt geiler Shootouts gibt es eine gefühlte Supersoakerschlacht mit PS2-Effekten. Und anstatt einem badass Helden gibt's ein weißes Blatt zwischen Lutscher und Fuscher. Obendrauf dann minderwertig aufgelöste Dronenshots, tollpatschige Filmzitate und null Style. All das bäumt sich dann zu einem gehobenen Fanprojekt auf - aber nicht zu einem Sprungbrett für irgendeinen der Beteiligten. So hart das auch klingen mag. Aber es ist ehrlich. Und genauso ehrlich: es sind auch schon für vergleichbar wenige Euros - etwa die Frühwerke von Romero, Carpenter oder Craven - Kaliber entstanden, mit denen man ein „Marlene“ nichtmal in einen Gedanken packen darf. Ein Lichtblick: die Romanze im Film wirkt authentisch, unbeholfen und fast sweet.
Fazit: Hotline: Lausanne. Er war stets bemüht... „Marlene“ ist ein Ösi-Taschenschlächter der amateurhaften und dennoch irgendwie, unerklärlich sympathischen Sorte. Zwischen Fremdscham, Langeweile und Respekt. Unter normalen Gesichtspunkten aber natürlich unter ferner liefen.