Schon als kleines Mädchen zeigte Lindy (Kate Beckinsale) extrem aggressive Verhaltensweisen, die ihr trotz vieler Therapien, u.a. beim Militär, nicht ausgetrieben werden konnten - die schlanke Frau, die keiner Prügelei aus dem Weg geht, durch geringste Umstände zornig wird und spielend muskelbepackte Kleiderschränke umhaut, ist eine tickende Zeitbombe, eine Gefahr für sich selbst, vor allem aber für ihre Umwelt. Erst der Psychiater Dr. Munchin (Stanley Tucci) kann ihr mit einer experimentellen Behandlung zumindest zeitweise helfen - mittels verkabelter Elektroden am Oberkörper kann sie sich selbst per Knopfdruck Stromstöße verpassen, wenn sie ihre unkontrollierbare Wut ansteigen fühlt.
Auf Dauer aber sollte sie eine Beziehung eingehen, wie ihr der Arzt rät, daher hat sie sich gerade mit einem schleimigen Buchhalter in einem Restaurant verabredet, der bei der fleischgewordenen Barbiepuppe auch sogleich anbeißt. Nachdem sie eine freche Kellnerin auf der Damentoilette verdroschen hat, verbringt sie die Nacht mit jenem Justin (Jai Courtney), der kurz vor dem übernächsten Date dann allerdings tot aufgefunden wird. Irgendjemand hat ihn offenbar hingerichtet, und Lindy ist wild entschlossen, den oder die Täter zur Strecke zu bringen, obwohl die beiden Detectives Vicars (Bobby Cannavale) and Nevin (Laverne Cox) bereits ermitteln...
Mit Jolt (zu deutsch Ruck, Stoß, was sich auf die Stromstöße bezieht) von US-Regisseurin Tanya Wexler liegt ein weiteres Rache-Action-Filmchen vor, das sich in einem bereits stark abgegrasten Terrain bewegt und dem Genre genau gar nichts hinzuzufügen hat, was man nichts schon gefühlt tausend Mal, und zwar besser gemacht, gesehen hätte. Inhaltlich an Crank angelehnt, prügelt sich eine extrem aufgedackelte Kate Beckinsale durch New York, als wäre sie Teil des Marvel-Universums: unrealistische Kampfchoreographien im Schnellschnittgewitter, manche auch nur in ihrer Phantasie, wobei die Fliegengewichtlerin permanent dummes Zeug plappert und von harmlosen Passanten, schnippischen Kellnerinnen bis hin zu richtig schweren Jungs jedem auf die Glocke gibt. Oder auf die Glocken, denn ihr Lieblingskick ist ein Tritt zwischen die Beine. Dazu gesellen sich halblustige Dialoge, die dem faden Treiben wohl so etwas wie eine humoristische Note verleihen sollen, nach kurzer Zeit jedoch genauso zur Masche geworden wirkungslos verpuffen wie die repetitiven Wutausbrüche der Hauptdarstellerin.
Die übersteht jede Konfrontation übrigens ohne Kratzer, und da das Drehbuch nicht einmal mit der geringsten Überraschung aufwartet, wird der vorhersehbare Plot schnell langweilig. Die Hilfe des überaus soften Cops Vicars benötigt sie dabei genausowenig wie jene der ebenso toughen wie tollpatschigen Nevin, mit der sie sich auf der Neugeborenen-Station eines Spitals im Babies hi- und herschmeißen matcht. Dazu kommen einige kleinere Filmfehler wie ein von Lindy gestohlener Super-Sportwagen, dessen (Hand-)Schaltgetriebe ihr Probleme macht, der jedoch (sichtbar) mit Knöpfen bedient wird, daß sie noch nie im Polizeirevier war, dort jedoch sofort die Asservatenkammer und dort wiederum sofort die Hinterlassenschaften des Buchhalters findet oder daß der Film in New York spielen soll, die Kulissen aber öfters an den (tatsächlichen) Drehort London erinnern.
Summa summarum also ein überflüssiger Streifen, der auch dank durch die Bank unsympathischer bis langweiliger Filmcharaktäre bei grotesk übertriebenen Actioneinlagen noch nicht einmal mit ein paar Bierchen halbwegs unterhaltsam wird. Trotz ordentlicher Kameraarbeit und special effects ist Jolt daher in Richtung Zeitverschwendung einzuordnen. 2 Punkte.