"Don't make me angry! You wouldn't like me when I'm angry"
Viele kennen den Satz noch aus den alten guten Zeiten als Lou Ferrigno noch mit grüner Bemalung regelmäßig seine Klamotten Platzen ließ.
Nun hat es in der Reihe der Comicverfilmungen auch Hulk in einer neuen Version auf die Leinwand geschafft. Diesmal mit Eric Bana in der Rolle des grünen Wüterichs. Gefolgt von massig Effekten, geschrotteten Militärmaterial und Nick Nolte als Albert Einstein Verschnitt (Frisur mit eingeschlossen).
Ungewöhnlich nur daran, dass man mit der Umsetzung einen Ang Lee und James Schamus beauftragt hatte. Waren beide doch bisher mehr für ruhigeren Sachen zu haben (Der Eissturm ist einer meiner Lieblingsfilme). Doch das man so ein Projekt auch ohne Blockbuster-Erfahrung bewältigen kann haben uns ja Sam Raimi mit Spiderman und Peter Jackson mit der Ring Trilogie gezeigt
Aber beginnen wir mit der Geschichte...
Bruce Banner (Eric Bana) aka Bruce Krensler erleidet in seinem Labor einen Unfall, welche eine durch Selbstexperimente seines Vaters weitervererbte Mutationen aktiviert und ihn bei Wut in den grünen Muskelberg Hulk verwandeln. Dieser wird als bald dann auch vom Militär verfolgt, da sich daraus ja eine passable neue Waffe entwickeln lässt.
Visuell ist man von Anfang an auf einer Tour der Schnitte! Lee setzt hier voll auf Innovation, welche (auch bei Unwissenheit von der Comicvorlage) klar macht das wir hier in einer Comicverfilmung sitzen. Zeitweise wird einem der Film mit gesplittetem Bild wie ein Comicheft vorgeführt, es fehlen nur noch die Sprechblasen.
Auch die Szenenübergänge wirken imposant, kaum ein Fade to Black oder normaler Schnitt in eine andere Location. Größtenteils wechseln die Szenen mehrmals im Laufe einer Kamerafahrt, was mit Hilfe Optischer/Animierter Tricks schön anzuschauen ist ( Mein Favorit: Aus dem Scheinwerferlicht eines heranfahrenden Autos entsteht im Laufe eines Szeneüberganges der Mond ), besonders da es die wunderschönen eingefangen Landschaften unterstreicht. Jeder Naturfilmer würde hier mit der Zunge schnalzen!
Geschichtlich ist das alles nicht so klar...
Es wirkt Zwiespältig. Einerseits sollte der Film charakterliche Tiefe bieten, andererseits auch genügend Eyecandy um an den Kassen die Puppen tanzen zu lassen.
Daher wirkte es zeitlich wie ein geschichtlicher Viehtrieb, was man um so mehr merkt, je länger der Film geht. Besonders Nick Noltes Rolle als Bruce Vater wirkt so echt in den Schlamm gefahren. Anfangs der hin- und hergerissene aber doch noch liebende Vater, später der Superbösewicht mit Elementaren Kräften. Hier wäre weniger und subtiler eindeutig mehr gewesen. Das Ende an sich wirkt so nur noch selbstzweckhaft inszeniert, des Effekts wegen (von der Hundeattacke will ich erst garnicht reden). Dabei geht es auch anders, was die Wüstenszenen beweisen. Dort stimmt alles, Drive, Location, Regie, Sound und Effekte. Welche zwar nicht Highend sind aber durchaus überzeugen und den Comicstil unterstützen (Gollumartig Effekte zu erwarten ist unnötig).
Schauspielerisch muss man hier ebenfalls trennen. Auf der einen Seite haben wir Nick Nolte, dieser setzt auf Erfahrung und seine typisch mürrische Art. Was hier auch ganz passend wirkt.
Auf der anderen Seite haben wir Josh Lucas, dessen Talbot einer dieser Charaktere ist auf die man gut verzichten könnte. Egozentrisch, schwachsinnig und mit dem Hang sich am Ende selbst ins Verderben zu reiten.
Und zwischen dem ganzen liegen Sam Elliot, Jennifer Conelly und Bruce....äh...Eric Bana.
Genaugenommen hat keiner von den 3en viel zu tun. Bana versucht garnicht erst gegen die Rolle des viel imposanteren Hulk anzukommen (99 % der Zuschauer wollen eh nur sehen wie er alles zu Brei schlägt!), Conelly wiederholt einfach nur ihre Rolle aus A Beautiful Mind (sie steht wohl auf die Rolle der Freundin eines "nicht ganz normalen" Wissenschaflters) und sieht nebenbei noch zum anbeißen aus. Und der gute alte Sam Elliot darf den Klischeebehafteten Weg des harten Armeegenerals gehen.
Fazit:
Optisch WOW, geschichtlich MAU (mit Ausnahme der Vater-Story in der Kindheit). Um 2 Stunden pures Blockbuster Kino zu genießen reicht er wunderbar aus, bei genauerer Nachbetrachtung allerdings nicht ohne leicht störenden Nachgeschmack das einiges übertrieben anderes verschenkt wurde.
Und trotzdem wurde die fundamentalste Frage des Hulks immer noch nicht beantwortet... wo bekommt er nur immer diese Stretchhosen her die 30 Nummern mitwachsen ohne auszuleiern?
Punkte 6/10