Mit „Hulk“ bringt Ang Lee den grünen Wüterich als weitere Comicverfilmung auf die Leinwand.
Wie bei allen Comichelden muss erst mal die Entstehung geklärt werden und bei der des „Hulk“ kommen diverse Faktoren zueinander. Zum einen wäre da der Selbstversuch von Dr. David Banner (Paul Kersey) bei einem Serum, das neue Supersoldaten erschaffen soll, doch die Wirkung geht erst später auf seinen ungeborenen Sohn Bruce über. Neben den genetischen Veränderungen bekommt Klein-Bruce noch einen seelischen Knacks als Papi nach gezwungenem Stop seiner Forschungen direkt das gesamte Labor samt Militärbasis in die Luft jagt und irgendwas mit Bruce’ Mutter anstellt (was, kann sich jeder denken, aber die Aufdeckung kommt erst kurz vor Schluss). So erzählt der Film recht ausgiebig die Vorgeschichte, aber weniger packend als z.B. „Daredevil“ oder „Spiderman“.
Sprung in die Erwachsenenwelt: Bruce Banner (Eric Bana) ist nach Aufenthalt in einer Pflegefamilie und Studium zu einem brillanten Wissenschaftler gereift. Doch durch seinen psychischen Knacks ist er nicht ganz so gut was zwischenmenschliche Kontakte angeht, weshalb auch die Beziehung mit seiner hübschen Kollegin Betty Ross (Jennifer Connelly) in die Brüche ging. Als ein Experiment schief geht, wird Bruce bei der Rettung eines Arbeitskollegen bestrahlt. Damit wären nun die Vorraussetzungen für den endgültigen Auftritt als Hulk geschaffen, aber bis zu diesem Punkt ist schon einiges an Screen-Time vorbei.
So überlebt Bruce den Unfall wie durch ein Wunder, aber in seinen Genen wartet die versteckte Veränderung auf ihren Ausbruch. Zudem heuert sein Vater (Nick Nolte) unerkannt als neuer Hausmeister an, um seinem Sohn nahe zu sein, wobei nicht nur rein familiäres Interesse besteht. Schließlich kommt der Punkt, an dem sich Bruce durch Aufregung in den Hulk verwandelt und sich jede Menge machtgierige Leute an seine Fährte heften.
„Hulk“ ist ein Film, auf den das Wort Comicverfilmung im wahrsten Sinne des Wortes passt. Denn Ang Lee verfilmt den Streifen tatsächlich wie ein Comicheft und arbeite dabei mit Unmengen von Splitscreens und raffinierten Überblendungen, auch wenn es stellenweise zuviel des Guten ist und man sich eine etwas konventionellere Optik wünscht.
Doch leider kann das nicht über den eher schwachen Inhalt wegtäuschen. Ist „Hulk“ erst ein düsteres Familiendrama, so zum Ende hin ein filmischer Videospiel. Denn es dauert einfach zu lange bis zum Auftritt des titelgebenden grünen Kolosses und viele Figuren sind nicht ausgereift entwickelt. Das trifft vor allem auf David Banner zu: Mal reuiger Vater, mal nahezu irrer Wissenschaftler und Fiesling, so dass seine Position ständig wechselt und er unglaubwürdig rüberkommt. Leider kommt kaum Spannung auf, denn in der ersten Hälfte wird zu viel geredet, wo man sich oft auch kürzer fassen könnte und in der zweiten Hälfte versinkt die Handlung in einer Effektorgie. Einen weiteren gravierenden Schwachpunkt hat der Film zudem: Es treten anfangs keine Schurken auf und das ist es, was ein Superheldenfilm meist braucht. Fieslinge, aufgrund deren Taten der Held aktiv wird. Hier ist es anders: Die Mitmenschen entpuppen sich erst als Bösewichte, als sie das Potential des Hulk erkennen und das weckt die ungute Assoziation kein Hulk = keine Probleme.
Auch an Action sollte man vom „Hulk“ nicht viel erwarten, denn hier gibt es an sich nur drei Sequenzen. Erste ist eine kurze Laborzerstörung, die nicht lange im Gedächtnis bleibt. Die zweite ist sicherlich die beste: Der Hulk kämpft gegen drei mutierte Hunde. Das ist neu und auch nur computeranimiert zu machen, weshalb bei diesem düsteren harten Kampf Laune aufkommt. Letztere Actionszene bildet eine ausgiebige Hatz des Militärs auf den Hulk, welche fast wie ein Videospiel vorkommt. Der Hulk wirft Panzer und Hubschrauber durch die Gegend bis die Festplatte glüht und das ist einfach zuviel PC, um wirklich gut zu sein. Zudem ist der Hulk auch nicht unbedingt auf der Höhe seiner Zeit, was die Animation angeht. Hinzu kommt noch ein kurzer, aber lächerlich Versuch von Showdown, der aber nur drangehängt scheint und wieder nur aus FX besteht, weshalb er eher verärgert.
Eric Bana ist recht blass; da war er in „Black Hawk Down“ sehr viel überzeugender. Jennifer Connelly ist sehr süß, spielt aber auch nur routiniert. Am besten sind sicherlich Nick Nolte und Sam Elliot, wobei ersterer die Schwächen seiner Rolle (s.o.) nicht immer überspielen kann.
So bleibt trotz der guten Optik nur eine durchschnittliche Comicverfilmung, die gegen die Konkurrenz in diesem Bereich den Kürzeren zieht.