Der sensible Ang Lee trifft den brachialen Hulk - kann das gutgehen?
Ang Lee's "Hulk", der nächstes Jahr schon unfassbare 15 Jahre alt wird, ist eine Randerscheinung und Anomalität in der sonst doch sehr beerechenbaren Welt der Comicbuchverfilmungen. Manche sprechen von einem Meisterwerk, das seiner Zeit voraus war. Andere von einem Potpourri an Stilen und Gefühlen, der einfach nicht funktioniert. Ich positioniere mich meist irgendwo in der Mitte, tendiere jedoch eher zur postiven Betrachtung dieses grünen Brocken. Es geht um die Originstory von Bruce Banner aka dem Hulk - inklusive Gammastrahlen, Kindheitstrauma, Lovestory mit einer beruhigend-hübschen Jennifer Conelly und... genmutierten Riesenpudeln?
Ok, man sieht schon, der Film hat ein paar irrwitzige Schwachstellen und Risse im Beton. Doch das macht ihn noch lange nicht zu einem schlechten Film. Er ist eher eine Herausforderung für Fans von Comicbuchverfilmungen, da man gerade zu diesem Zeitpunkt eher etwas flachere, kindlichere Kost gewöhnt war und mochte. Doch "Hulk" geht in vielerlei Hinsicht ein paar Schritte weiter und nimmt die dunkleren Reinkarnationen späterer Jahre (Nolans Batmans, "Watchmen") teilweise voraus. Ein perfektes Beispiel für eine Pro- und Contradiskussion:
Pro:
+ Eric Bana macht als Hulk seine Sache stark
+ Ang Lee traut sich etwas, macht den Film episch, mutig und intim zugleich
+ wenn Action, dann ballert diese
+ viele ziemlich starke CGI-Effekte für die Zeit
+ Connelly ist immer eine Augenweide
+ Hulks Look gefällt mir
+ die Familienbackstory verleiht Gravitas
+ die comicartigen Cuts und Styles sind spielerisch und nice
+ trifft/versteht den Kern von Hulks Dilemma bravurös
+ Danny Elfmans Score
+ nicht deine übliche, generische Comicbuchverfilmung
+ hat mehr Charakter und liebenswerte Macken als viele MCU-Einträge
+ Nick Nolte kann nicht schlecht spielen
Contra:
- etwas lang, etwas zäh, etwas dialogschwer
- man braucht Geduld und Einfühlungsvermögen
- nicht alle Effekte wirken ausgereift, haben sich gut gehalten
- Ang Lee's Sensibilität & Stil vertragen sich nicht immer mit dem "trashigen" Thema
- überfrachtet trifft es inhaltlich ganz gut
- seltsame, untraditionelle Tempowechsel
- kein wirklicher Gegenspieler/Bösewicht
- unübersichtliche finale Konfrontation
- Chemie zwischen Bana und Connelly nicht imer spürbar
Fazit: eine der mutigeren, spezielleren und emotionaleren Comicverfilmungen aller Zeiten. Lee's Stil kollidiert zwar oft mit den Erwartungen an einen Hulk-Film und es wird wirklich viel gesprochen und an Inhalt reingequetscht - doch ich mag dieses epische Hulk-Abenteuer dennoch. Nicht viel schwächer, in Teilen sogar deutlich besser, persönlicher und eigener, als der Eintrag des grünen Wutknubbel ins MCU.