Zu einer Zeit, in der der klassische Italo-Western seinen Zenit längst überschritten hatte, tauchten vermehrt „East-meets-West“-Produktionen auf, in denen entweder kampferprobte Asiaten nach Amerika kamen oder andersherum. Bei „Zwei durch dick und dünn“, einer wohl losen Fortsetzung von Mario Caianos „Der Mann mit der Kugelpeitsche“, tritt der erste Fall ein und mit Klaus Kinski kann man sogar einen zugkräftigen Namen aufweisen. Nützen tut dies jedoch nicht viel:
Der Herumtreiber Bill Cannon (Tommy Polgár) soll für ein mexikanisches Dorf eine neue Wasserader auffinden und stößt dabei jedoch duch Zufall auf ein Ölfeld. Dies ruft den reichen Großgrundbesitzer Pat Barnes (Klaus Kinski) auf den Plan, der sich dieses Land unter den Nagel reißen möchte. Doch seine Versuche schlagen jedes Mal fehl, denn ein Fremder, genannt Shanghai Joe, hilft den Schwachen und schlägt Barnes Männer in die Flucht. Durch einen glücklichen Zufall treffen Bill und Joe aufeinander und gehen von nun an gemeinsame Wege. Zusammen mit dem neuen Richter Finney wollen die drei nun Barnes das Handwerk legen...
Woran hapert es bei diesem Film denn nun genau? Ein großes Manko liegt bei der Geschichte. Diese ist ziemlich komplex geraten und wartet mit einigen Subplots auf, für deren Ausfüllung nahezu kein Raum vorhanden ist. Hier weiß ich jedoch nicht, inwiefern die von mir gesehene Fassung in der Beziehung geschnitten ist, denn einige erwähnte Themen hätten durchaus weiter erklärt werden können, so z.B. wäre eine tiefergehende Bedeutung des verwundeten Banditen in Bills Kutsche sinnvoll gewesen. Anstatt dessen, bekommt man quasi nur knapp die gröbsten Infos spendiert, damit die Story halbwegs Sinn ergibt und dann geht es schon weiter. Diese Knappheit bei der Gestaltung der einzelnen Stränge wird dann besonders problematisch, wenn die Liebesgeschichte zwischen der Tochter des Richters und dem Sohn des mexikanischen Ortsführer behandelt wird. So wirkt die Zeit zwischen dem ersten Treffen der beiden in der Postkutsche und dem Heiratsantrag mehr als kurz und dadurch auch reichlich unglaubwürdig. Nun gut, daneben gibt es ja noch immerhin die Hauptgeschichte rund um den Kinski Klaus und den Mann aus Fernost, plus einem Tommy Polgár, dessen äußeres Erscheinungsbild doch sehr verdächtig nach Bud Spencer aussieht. Dazu gesellt sich dann auch noch zufällig die gleiche Synchronstimme und sowieso erscheint das Ganze sehr Spencer/Hill-esk. Das ist auch nur zum Teil auf den Mist des deutschen Verleihs gewachsen, denn die Grundkonzeption des Films kann den komödiantischen Charakter nicht verleugnen und so wartet „Zwei durch dick und dünn“ mit bekannten Zutaten auf: halbwegs flotte Sprüche und ordentlich Schlägereien, diesmal sogar mit halbgaren Kung-Fu-Einlagen. Als wenn man das nicht schon alles besser gesehen hätte. Auch wenn mit Kinski und Lee zwei Gesichter aus „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ dabei sind, hat dieser Film wenig mit dem angeblich ersten Teil gemeinsam. So ist nicht nur Kinskis Rolle in diesem Film viel umfangreicher, er verkörpert auch noch eine vollkommen andere Person. Auch von den überspitzt trashig wirkenden Gewaltszenen findet man hier keine wieder und man belässt es bei einigen kleineren Schießereien und Prügeleinlagen. Inszenatorisch ist der Film auch eine ziemliche Schlaftablette. So erscheint der Anfang etwas planlos und so richtig weiß man nicht, wo es hingehen soll. Dies spiegelt sich in der Spannungskurve wider, die nur sehr schleppend ansteigt und aufgrund fehlender Highlights auch keinen wirklichen Klimax aufweisen kann. Selbst die finale Auseinandersetzung ist mehr als lahm und man ist dann doch froh, dass der Film nicht allzu lang gewesen ist, denn selbst durch das Ausstopfen der oben erwähnten Lücken in den Subplots, hätte man hier wenig retten können. Dazu gesellt sich ein monotoner Soundtrack, dessen einziges mir in Erinnerung gebliebenes Lied bei jeder Konfrontation, in die Shanghai Joe involviert ist, ertönt und einem irgendwann gehörig auf den Geist geht. Andersartige Musik ist nahezu nicht präsent, was den Eindruck wahrlich nicht verbessert. Immerhin ist die Kameraarbeit ganz ordentlich ausgefallen. Das rettet zwar den Film nicht, ist aber erwähnenswert, um zu beweisen, dass nicht alles schlecht an dem Werk ist.
Auch die Schauspieler reihen sich in den Reigen der Ausfälle ein. Allen voran Polgár und Lee, die reichlich hölzern wirken und nicht fähig sind einen Kontakt zum Zuschauer aufzubauen. So sind sie durch jeden x-beliebigen Schauspieler gleichen Aussehens austauschbar, da keine markanten Akzente gesetzt werden können. Bei Klaus Kinski sieht es eigentlich nicht besser aus, denn auch ihm scheint das Engagement in dem Film wenig am Herzen gelegen zu haben – wer kann es ihm verdenken – und so lässt er nur ganz selten etwas von seinem Können durchblicken. Die meiste Zeit agiert er mehr als zurückhaltend, schon fast gelangweilt, während das Geschehen seinen Lauf nimmt. Auch der restliche Cast bleibt genauso blass und austauschbar.
„Zwei durch dick und dünn“ gehört sicherlich zu den schwächsten Vertretern des Genres und auch hartgesottene Fans werden kaum ihre Freude haben. Hier ging einfach zu viel in die Hose: eine langweilige und schlecht umgesetzte Story, hölzerne Darsteller und nervige Musik. Wenn es schon „Eats meets West“ sein soll, dann schaut euch „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ an.