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In einer französischen Provinzstadt findet die 13jährige, sehr musikalische Tochter eines Friseurehepaares die zu Hause vermißte Geborgenheit und Zuneigung bei einem 45jährigen Außenseiter, der als Gärtner auf einem Gut lebt und stumm ist. Als das Mädchen in die Pubertät kommt, wird das Verhältnis gestört, was der Mann nicht versteht, da das Mädchen ihm nichts erzählt.


Stumme Liebe ist ein recht anrühriges Thema, das grob den Lolita Bereich streift, aber nie wirklich in dessen Fahrwasser spielt. Den stummen Part des Filmtitels darf der Vorzeige-Bekloppte Klaus Kinski geben, der sich hier aber angenehm zurückhält, der hier als zurückgezogener Gärtner auftritt, der von der Reinheit der jungen Isabelle fasziniert ist. Sie erwidert sogar gewissermaßen seine Gefühle, allerdings eher als Vaterersatz, denn zuhause herrscht ziemliche Tristesse und emotionale Kälte.
So treffen sich beide regelmäßig und in ihrer jugendlichen Unbekümmertheit schämt sie sich nicht vor ihm zu baden (Voyeure können allerdings zuhause bleiben) oder hüpft sogar zu ihm ins Bett und es fehlen bestenfalls noch fünf Zentimeter zum ersten Kuss beim kuscheln. Als Isabelle jedoch für einige Zeit die Stadt verlassen muß und sie Marcel nichts davon erzählt, trägt der Schmerz schnell Früchte. Verzweifelt sucht er alle Plätze auf, wo sie sich üblicherweise aufhält und kann sie doch nicht finden. Hier liefert Kinski wirklich eine Glanzleistung ab. Allein die lange Szene in der er voller Vorfreude den Tisch für ein gemeinsames Essen deckt, oder voller Sorge und innerer Pein versucht sie zu finden sind Stoff für jede Schauspielschule. So deppert der Mann privat manchmal sein kann, er ist Profi durch und durch.
Die Story wird ruhig erzählt und ist dabei erfreulich kitschfrei. So ein typisch französischer Film eben, der die Bilder sprechen läßt (bleibt ja auch nichts anderes, wenn ein Stummer seine Soloszenen absolviert) und zwangsweise auch melancholisch endet. Es ist dabei eigentlich erstaunlich, das Jungdarstellerin Penelope Palmer daraus keine Karriere schlagen konnte (sie darf hier sogar auf deutsch ein Gedicht von Heinrich Heine rezitieren). Wer es gerne mal gefühlsbetont angehen lassen möchte, kann hier jedenfalls nicht viel falsch machen.
7/10

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