Gerade aus dem Knast entlassen wollte Curt Goynes (Don Cheadle) zunächst mal die Füße stillhalten, doch das Angebot eines Bekannten, der als Vermittler auftritt, hört sich für den afroamerikanischen Gelegenheitskriminellen dann doch interessant an: ein schneller Job bedeutet schnelle Kohle, die Goynes, der noch etwas vorhat, gut gebrauchen kann. Gesundes Mißtrauen ist allerdings angebracht, da der in einem Wagen wartende Auftraggeber Jones (Brendan Fraser) auch nur ein Mittelsmann zu sein scheint. Das Salär allerdings ist fürstlich, 2 Mille jetzt und nochmal 3 Mille wenn alles geklappt hat - eine 3-köpfige Familie für ein paar Stunden in Schach zu halten, klingt nicht schwierig. Goynes allerdings bekommt für dieses "Babysitten" noch einen Mitspieler zugeteilt: Ronald Russo (Benicio Del Toro), ebenfalls eine kleine Nummer im Gangstermilieu der frühen 1950er Jahre in Detroit. Den Zweck der Übung erfahren die beiden erst etwas später, als mit Charley (Kieran Culkin) ein weiterer Akteur auftaucht - dieser begleitet den Familienvater Matt Wertz (David Harbour) zu seinem Dienstgeber General Motors, wo der Mittvierziger bestimmte Dokumente aus einem Safe holen soll.
Während Goynes und Russo keine Probleme mit der Ehefrau und den beiden minderjährigen Kindern haben, stellt Wertz, nachdem er mühsam die Safekombination von der Sekretärin ergaunert hat, fest, daß das gesuchte Dokument fehlt - der Boss hatte es mitgenommen. Wertz packt irgendetwas in einen Umschlag und verschafft sich so ein klein wenig Zeit, während er mit Charley zu seiner Familie zurückfährt. Der Schwindel fällt jedoch schnell auf, und Charley erhält vom Auftraggeber telefonisch die Anweisung, alle Anwesenden zu liquidieren. Der aufmerksam zuhörende Goynes jedoch ist schneller und verpasst Charley eine Kugel in den Kopf, womit er allen Beteiligten das Leben rettet. Allerdings sitzen er und Russo jetzt erstmal selbst in der Tinte, denn sie wissen nichts über die eigentlichen Auftraggeber noch über das gesuchte Dokument. So beschließen sie, jenes Dokument doch noch zu ergattern, um sich etwas Spielraum gegenüber den sicher nicht gerade begeisterten unbekannten Hintermännern zu verschaffen...
Regisseur Steven Soderbergh hat für seinen Neo-Noir No Sudden Move eine hochkarätige Darstellerriege aufgeboten und vermag mit dem schief gelaufenen Erpressungsversuch auch eine gewisse anfängliche Spannung zu erzeugen, wenn er sein ungleiches Ganovenpaar in einer Art Blindflug losschickt, die Hintergründe der ganzen Geschichte aufzuklären. Doch aus dem erwarteten Heist Movie wird dann alsbald ein für das Publikum wie für die Protagonisten mühsames Herantasten an die wahren Umstände, wobei durch die Einführung immer weiterer Nebencharaktäre die Übersichtlichkeit leidet.
Getragen wird der Streifen mit seinem in Punkto Kleidung, Einrichtungsgegenständen und (vor allem) Autos absolut stimmigen Setting vor allem von der Interaktion seiner beiden völlig unterschiedlichen Hauptdarsteller, die den Umständen entsprechend zusammenarbeiten müssen, sich dabei jedoch gegenseitig mißtrauen. Die Szene, in der Goynes Charley erschießt, ist so ziemlich die einzige Actionszene des ganzen Films, der sich in meist wohlgesetzten Dialogen ergeht und mit den freimütig vorgetragenen Lebensweisheiten eines erpressten Konzernchefs (Matt Damon in einem Cameo-Auftritt) sogar einige zitierfähige Bonmots enthält.
Ob der grundsätzlich pessimistische Ausblick des mit vielen liebevollen kleinen Details gespickten Films, in dem jeder jeden zu bescheißen versucht, für einen Klassiker ausreicht, darf bezweifelt werden - die vielen, manchmal grotesk übertrieben auftretenden Nebenfiguren (beispielsweise Bill Duke als graue Eminenz Aldrick Watkins oder Ray Liotta als undurchichtiger Mafioso Frank Capelli) sind jedenfalls sehenswert inszeniert. Leider fehlt No Sudden Move mit zunehmender Laufzeit ein gewisser Drive, der die doch eher gemächliche Handlung vorantreibt, auch auf ein fulminantes Finale verzichtet Soderbergh, und so bleibt als Quintessenz des Films nur die Erkenntnis, daß die Welt (auch 1954 schon) schlecht war und der (ohnehin unzureichende) Versuch zweier Vorstadtgangster, das sich unaufhörlich gleichförmig drehende Rad aus Korruption, Lüge und Betrug zumindest zu verlangsamen, komplett zum Scheitern verurteilt war. 6,51 Punkte.