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Es gibt markante Mimen, die wahrscheinlich nie eine Hauptrolle ergattern werden, weil bestimmte Talente deutlich ausgeprägter sind. Troy Jones ist eine solche Erscheinung, denn er ist für seine unglaubliche körperliche Flexibilität als Schlangenmensch bekannt und wird gerne als spinnenartiges Krabbelmonster besetzt. Seine kurzen Auftritte in „Separation“ zählen tatsächlich zu den raren Höhepunkten.

Die achtjährige Jenny (Violet McGraw) ist ein typisches Scheidungskind, welches den Streit der Eltern hautnah miterleben muss. Mutter und Anwältin Maggie (Mamie Gummer) will nicht nur die räumliche Trennung vom arbeitslosen Comiczeichner Jeff (Rupert Friend), sondern das alleinige Sorgerecht. Doch bevor es zu einer Entscheidung kommt, fällt Maggie einem tödlichen Unfall zum Opfer, woraufhin Jenny mit einer imaginären Freundin anbandelt. Aber auch Jeff, der neuerdings wieder als Zeichner düsterer Gestalten unterwegs ist, wird häufiger von Alpträumen heimgesucht…

Satte vier Minuten nimmt der Vorspann in Anspruch, bevor die eigentliche Handlung überhaupt einsetzt und auch sonst hat es Regisseur William Brent Bell nicht allzu eilig. Während des Scheidungskriegs werden die wesentlichen Figuren durchleuchtet, wobei Jeff klar der Sympathieträger ist und Maggie als Meckerziege aus reichem Hause meint, alles mit Geld und Beziehungen durchsetzen zu können. So ist der Stoff einige Zeit ein typisches Drama über das Schicksal von Scheidungskindern, die in Phasen der Problembewältigung merkwürdige Allüren an den Tag legen können.

Allerdings lassen diese eine ganze Weile auf sich warten und noch länger dauert es, bis paranormal erscheinende Szenerien auftauchen. Der erwähnte Jones fungiert dabei einmal mehr als regelrechtes Schreckgespenst, was mit subtiler Zuhilfenahme von CGI effektvoll auf den Punkt gebracht wird. Die Puppen, die auf den Comics von Jeff basieren, erinnern stark an Ergüsse von Tim Burton, sie entwickeln allerdings kein wirkliches Eigenleben, was hinsichtlich der geringen Menge an Spezialeffekten schade ist. Zwar werden die Rechner nicht über Gebühr strapaziert, doch etwas mehr Kreativität hätte auf Dauer besser bei Laune gehalten.

Denn die eher ruhige und zuweilen fast unaufgeregte Erzählweise impliziert nicht selten einige Längen, - irgendwann ist die nicht immer einfache Beziehung zwischen Vater und Tochter zu Genüge thematisiert, während das Unheimliche zu unregelmäßig durchs Haus streift.
Es spukt zu selten und überraschend wenig wird hinterfragt und dann wird auch noch ein Twist aus dem Ärmel gezaubert, welcher ab einem bestimmten Zeitpunkt bereits erahnbar ist.
Trotz leichter Temposteigerung ist innerhalb des Showdowns kaum eine dramaturgische Zuspitzung auszumachen und zuweilen bringen die obligatorischen Nachzügler nach dem Finale nichts mehr.

Derweil ist darstellerisch wenig anzukreiden, obgleich Rupert Friend mitunter ein wenig unterfordert wirkt und ein Brain Cox als klischeebeladener Schwiegervater wenig gegen seine eindimensional angelegte Figur ausrichten kann. Jungdarstellerin McGraw performt indes recht ordentlich, wogegen Mamie Gummer augenscheinlich nicht ganz mit dem darstellerischen Talent ihrer Mutter Meryl Streep gesegnet scheint.

Der Score steht stellvertretend für das komplette Werk: Bemüht, aber nicht allzu markant und selten auf den Punkt gebracht. Mitreißende Szenen sind Mangelware, Jump Scares finden sich kaum, blutige Momente gibt es keine und auch sonst durchzieht den Stoff ein Mangel an Intensität, als auch Kreativität. Ein typischer Durchschnittsgruselfilm mit ordentlichem Handwerk, jedoch etwas zäh aufgedröselter Story.
5,5 von 10

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