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Die Tätigkeiten in einer Schlachterei zählen wahrlich zu denen, welche die meisten Menschen ums Verrecken nicht ausführen würden. Das dürfte dem australischen Regisseur Sam Curtain natürlich bewusst sein, weshalb er direkt in einer originalen Fleischerei in Tasmanien drehte.
Schon allein dadurch schwingt seinem Fleischwolf-Drama eine morbide Trostlosigkeit mit.

Box (Craig Ingham) arbeitet seit seiner Jugend in der örtlichen Fleischerei. Eines Tages erhält er mit dem Ex-Häftling Nathan (James Mason) einen Neuling, den er sogleich unter seine Fittiche nimmt. Als Nathan von einigen Kollegen harsch angegangen wird, entschließt sich Box im Beisein von Nathan zu einer blutigen Rachetat. Es soll nicht der letzte Gewaltakt des ungleichen Duos bleiben…

Box zählt zu jenen Erscheinungen, denen man nicht im Mondschein begegnen möchte. Der fast zwei Meter große, korpulente Hüne liefert allerdings auch in spärlicher Nachtbekleidung keinen allzu ästhetischen Anblick, wie die ersten Minuten leider eindrucksvoll unter Beweis stellen. Box ist das grobschlächtige Klischee eines Metzgers, dem das Töten quasi im Blut liegt, wogegen die Gesinnung bei Nathan eher im Dunkeln bleibt, zumal nie offenbart wird, weshalb der unscheinbare junge Mann einsaß. Er ist schlicht fasziniert vom Töten.

Leider setzt Curtain weniger auf spannende Konfrontationen, die womöglich noch Aktionen von Gegenwehr beinhalten. Wahllos ausgesuchte Opfer, von denen es insgesamt nicht viele gibt, werden zwar unsanft um die Ecke gebracht, aber dies geschieht mehrheitlich wie im Vorbeigehen. Wobei die deutsche Fassung um rund drei Minuten gekürzt wurde und Szenen wie eine Skalpierung oder ein paar zusätzliche Messerstiche der Schere zum Opfer fielen.
Es will einfach keine Spannung aufkommen und selbst bei einem Geheimnis von Box, welches er buchstäblich in selbiger parat hält, stellt sich keine Schockwirkung ein.

Darüber hinaus schimmert das geringe Budget an nahezu jeder Ecke durch und selbst bei simplen Aufnahmen schwächelt zuweilen die Kamera. Szenen im Outback werden bis auf einen kurzen Bootsausflug sträflich vernachlässigt und bei Innenraumszenen sticht die jeweils karge Ausstattung ins Auge, wenn beispielsweise ein Stuhl und ein Fernseher repräsentativ für ein Wohnzimmer stehen sollen. Auch der Score hält sich nahezu dauerhaft zurück, wodurch die Chose insgesamt einen recht lahmarschigen Anstrich erhält.

Dem kann auch der solide Einsatz von Ingham als Schlächter kaum entgegenwirken. Während sich Curtain auf dessen imposante Erscheinung verlässt, bemüht der Mime fast nur einen Gesichtsausdruck mit heruntergezogenen Lippen, was allerdings als Begründung langt, ihn nicht unbedingt im eigenen Wohnzimmer verweilen zu lassen. Mason ist zwar bemüht, doch die schwache Figurenzeichnung lässt kaum Raum für Nuancen. Die übrigen Mimen überzeugen ebenfalls nicht sonderlich und auch die Synchro zählt zu denen, welche die Wahl zum Originalton erleichtert.

Portraits über Serienmörder gibt es zahlreiche, doch von diesem geht leider keine Faszination aus. Komplett humorfrei meucheln sich die Metzger halbwegs blutig, jedoch nie detailreich durch die Gegend und trotz der kurzen Laufzeit von 75 Minuten treten hier und da kleine Längen zutage. Das letzte Drittel läuft nebst Showdown weitgehend überraschungsfrei ab und selbst in dieser Phase will sich kaum Spannung einstellen, was ebenfalls nicht für eine Sichtung des Werkes spricht.
3,5 von 10

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