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Aussagekräftig für Disneys Blockbuster ist der Score von James Newton-Howard, welcher fast pausenlos nach vorne prescht und nur ganz zu Beginn mit einer Adaption von Metallicas „Nothing Else Matters“ überrascht. So bildet der Abenteuerfilm ein Konglomerat aus diversen Versatzstücken von „Quatermain“ über „Indiana Jones“ bis zu „African Queen“, was insgesamt wenig Eigenständigkeit, aber ein gutes Gespür fürs Timing aufweist.

1916: Die Britin Lily (Emily Blunt) ist auf der Suche nach der Träne des Mondes, einer exotischen Blüte, der man eine allumfassende Heilkraft nachsagt. In Brasilien wendet sie sich an den Skipper Frank (Dwayne Johnson), um nach einer Amazonasfahrt an den sagenumwobenen Ort zu gelangen. Aber auch der arglistige Prinz Joachim (Jesse Plemons) ist mit schweren Geschützen auf der Jagd…

Früher war schon ein Stirnrunzeln angesagt, wenn ein simples Konsolenspiel verfilmt werden sollte, heutzutage reichen die vagen Vorgaben eines Themenparks. Als würde man aus den Stationen einer Geisterbahn einen abendfüllenden Horrorfilm schmieden. Das hat bei „Fluch der Karibik“ jedoch überraschend gut geklappt und so ließ sich Disney nicht lumpen, ein weiteres Fahrgeschäft auf die Leinwand zu spinnen. Immerhin beweist Regisseur Jaume Collet-Serra ein sicheres Händchen dafür, es einerseits nie langweilig werden zu lassen und andererseits seine beiden Hauptdarsteller in ein rechtes Licht zu rücken, zumal sich die beiden mit allerlei Neckereien schon auf verbaler Ebene sehr gut ergänzen.

Die exotischen, in kraftvolle Farben getauchte Settings fallen erwartungsgemäß bunt und nie zu düster aus, wobei diverse Antagonisten, die etwa wie Teile eines Bienenstocks oder einer Schlangengrube aussehen, den Jüngsten das Fürchten lehren könnten. Zum Ausgleich gibt es viele Insekten, eingefärbte Delphine und einen weitgehend zahmen Jaguar als weiteren Passagier auf dem Dampfer. Allerdings sind bei jenem deutliche Abstriche zu machen, denn die CGI offenbaren hier und da einige Schwachstellen, die selbst beim turbulenten Finale ein wenig negativ anmuten.

Ansonsten erlaubt sich der Stoff innerhalb der satten 127 Minuten keine Durchhänger, familientauglicher Humor wird von teils slapstickartigen Gewalteinlagen begleitet, während ein minimaler Twist im Endeffekt für kurze emotionale Momente sorgt. Trotz des hohen Tempos und ordentlich verteilter Action mangelt es an erinnerungswürdigen Schauwerten, gewissen Höhepunkten, so dass die Perspektive aus Sicht einer uralten Filmkamera fast markanter erscheint als eine wilde Fahrt durch Stromschnellen.

Gut aufgelegte, stark harmonierende Mimen, der letztlich stets antreibende Score und einige charmante Einzelmomente sorgen am Ende doch dafür, sich innerhalb anspruchslosen Popcornkinos kaum zu langweilen, denn das Abenteuer ist immerhin so konzipiert, dass alte Hasen angenehm vertrautes Terrain erhalten und jüngere Zuschauer zu keiner Zeit überfordert werden.
7 von 10

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