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Survival-Thriller in freier Wildbahn finden überwiegend in irgendwelchen weitläufigen Waldgebieten der USA statt. Neben reißenden Flüssen begegnen die Überlebenskämpfer allenfalls Bären, wenn sie nicht gerade von Rednecks gejagt werden. Afrika bietet diesbezüglich ein eher unbekanntes Pflaster und der Schauplatz Kenia eignet sich ebenfalls, eine nicht unwesentliche, ökologische Botschaft unterzubringen.

Die fünfköpfige Patchworkfamilie um Vater Jack (Philip Winchester) und Mutter Lauren (Rebecca Romijn) befindet sich auf einer Rundreise durch Afrika, nur die Safari will der knauserige Familienvater auf eigene Faust bestreiten. Als sie mit dem Van einen gesperrten Weg einschlagen und Bekanntschaft mit einem wütenden Nashorn machen, ist guter Rat teuer…

Ein wenig sympathischer hätte Regisseurin M.J. Bessett (bis 2016 Regisseur) die Figuren durchaus zeichnen dürfen. Denn Jack ist kaum entspannt und nörgelt häufig, gleiches gilt für die pubertierende Tochter. Lauren hat als Diabetikerin ihr eigenes Päckchen zu tragen, während sich Sohn Noah als schwul geoutet hat, was bei Jack ebenfalls ein wenig bitter aufzustoßen scheint. Konflikte sind also vorprogrammiert und diese werden bisweilen etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt, selbst in prekärer Notlage. Zudem dauert es rund eine halbe Stunde, bis sich die ersten spannenden Momente ergeben.

Für Freunde malerischer Landschaften kaschieren die Kulissen allerdings viel, zumal die Kamera grundsolide arbeitet und der sympathisch arrangierte Score das Lokalkolorit angemessen unterstreicht ohne zu sehr in die Klischeeklangkiste zu greifen.
Um die Wildtiere in der Savanne ist es hingegen nicht optimal bestellt, da diese sichtlich aus dem Rechner stammen. Ein großes Nashorn kommt noch relativ glaubhaft rüber, ein Leopard wirkt indes deutlich zu glatt, gleiches gilt für Hyänen in Nahaufnahme, wobei sie aus der Distanz wesentlich bedrohlicher wirken.

Ein wenig zynisch geht der Stoff derweil mit einigen ökologischen Randbereichen um, denn es ist definitiv keine gute Idee, Glasflaschen bei einer Safari zu verwenden, um rigoros auf Plastik zu verzichten. Jack, der eigentlich bei einem großen Ölkonzern beschäftigt ist, zählt auch nicht gerade zu den beruflichen Ökofreaks, während der ernste Part in Form von Wilderern einen wesentlichen Schwerpunkt bildet, was eine Texttafel gegen Ende mit traurig stimmenden Zahlen unterstreicht.

Fernab der Familienstreitigkeiten ist immerhin einigermaßen Tempo im Spiel, es gibt mindestens einen gelungenen Erschreckmoment und obgleich einige Individuen unfassbar dumme Entscheidungen treffen, wird in regelmäßigen Abständen für bedrohliche Situationen gesorgt und einige wenige bringen zumindest zündende Ideen ins Spiel.
Darstellerisch ist prinzipiell nichts zu bemängeln, wirklich gefordert wird jedoch auch niemand, den Rest erledigt das passable Make-up.

Weniger Konflikte unter den Figuren und mehr (und besser gestaltete) Tiere hätten aus dem Afrika-Abenteuer einen mitreißenden Knaller machen können, so bleibt es ein über weite Teile unterhaltsamer Happen in schöner Kulisse, der innerhalb des Survival-Genres eine willkommene Abwechslung bietet.
6 von 10

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