"Isabella, duchessa dei diavoli" (Isabella - Mit blanker Brust und spitzem Degen) wurde zu Bruno Corbuccis Einstieg in die Erotik-Komödie. Nachdem sich Sergio Corbuccis jüngerer Bruder zuerst auf die Drehbuch-Entwicklung beschränkt hatte, war er 1965 mit "Questo pazzo, pazzo mondo della canzone", einer musikalischen Komödie ("Musicarello"), ins Regie-Geschäft eingestiegen. Einem Sujet, dem er bis 1969 ("Lisa dagli occhi blu") parallel zu seinen Agenten- ("James Tont operazione U.N.O." (1965)) und Western-Parodien ("Ringo e Gringo contro tutti" (1966)) treu blieb. Einzig der klassische Italo-Western "Spara, Gringo, spara" (Im Staub der Sonne, 1968) fiel aus dem Komödien-Rahmen - doch handelte es sich bei der Story um die "Herzogin des Teufels" tatsächlich um eine Komödie?
An Corbuccis erotischen Filmen lässt sich gut der Trend der sexuellen Liberalisierung im italienischen Kino der späten 60er/frühen 70er Jahre nachvollziehen. In Folge von "La cintura di castità" (Der Keuschheitsgürtel, 1967) entstanden vermehrt erotische Komödien, deren Handlung in eine historisch wenig konkretisierte Vergangenheit verlegt wurde, um die Frivolitäten und dezenten Nacktaufnahmen leichter an der Zensur vorbei zu bekommen. Auf "Isabella, duchessa dei davoli" folgten mit "Nel giorno del signore" (1970) und "Quando gli uomini armarono la clava e... con le donne fecero din-don" (Als die Frauen das Bett erfanden, 1971) zwei weitere "Commedia sexy" mit "historischem" Hintergrund, bevor Corbucci nach Pasolinis "Decameron" (1971) - Erfolg in den allgemeinen "Decamerotichi"- Hype mit "Boccaccio" (1972) und "Il prode Anselmo e il suo scudiero" (1972) einfiel. Erst mit "Il trafficone" (1974) kam der Regisseur, immer mit Mario Amendola als Co-Autor an seiner Seite, in der Gegenwart an.
Das täuscht darüber hinweg, dass „Isabella“ trotz seiner in das vorrevolutionäre Frankreich verlegten Handlung hinsichtlich seiner Nacktaufnahmen und sado-masochistischen Thematik sehr aktuell war. Das Drehbuch basierte auf der seit 1966 erschienenen Comic-Serie „Isabella“, die zu den ersten „Fumetti per adulti“ (Comics für Erwachsene) zählte, die in Italien ein eigenes Genre begründeten, das deutlich freizügiger war als es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt möglich war. Erst ab 1972 veröffentlichte der Freibeuter-Verlag einige der im A5-Taschenbuch-Format erscheinenden Schwarz-Weiß-Comics („Tomba“), die teilweise auf dem Index für jugendgefährdende Schriften landeten. Schon 1974 wurden die Serien wieder eingestellt, da die am italienischen Markt orientierte Mischung aus Sex und Horror, die eine selbstbewusst auftretende weibliche Titelfigur in den Mittelpunkt stellte, gleichzeitig aber den männlichen Voyeurismus bediente, in Deutschland kein Erfolg war.
Dass "Isabella, duchessa dei diavoli" 1969 trotz seiner italienischen Eigenart – am Drehbuch war auch der „Isabella“- Comic-Autor Giorgio Cavedon direkt beteiligt – mit deutschen Produktionsmitteln und unter Beteiligung deutscher Darsteller in den Hauptrollen herauskam, war der im Filmgeschäft konträren Situation geschuldet. Konkrete Nacktaufnahmen waren in Italien Ende der 60er Jahre noch heikel, während die Freizügigkeit auf der Kinoleinwand in Deutschland seit Erwin C. Dietrichs Erfolg mit „Die Nichten der Frau Oberst“ (1968) ständig zunahm. Auch die damals 29jährige Brigitte Skay hatte sich dank der Dietrich-Produktion „Unruhige Töchter“ (1967) für das Erotik-Genre qualifiziert und lieferte in der Titelrolle eine überzeugende Vorstellung ab, abgesehen davon, dass ihr die sportlichen Fähigkeiten einer reitenden und fechtenden Amazone abgingen. Wirklich ernst nahm das Schlachtengetümmel sowieso Niemand, denn das Gewicht lag auf den erotischen Einlagen, die hier, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Ausdruck von Macht und Ohnmacht sind.
Als kleines Kind wurde Isabella de Frissac (Brigitte Skay) Zeuge, wie Baron Eric von Nutter (Mimmo Palmara) erst ihre Eltern tötete und dann sich deren Besitztümer bemächtigte. Die junge Herzogin wurde gerettet und wuchs unbehelligt bei einem Zigeuner-Stamm auf bis sie als junge Frau zufällig von ihrer wahren Identität erfährt. Die Familie ihrer Cousine (Lucia Modugno) nimmt sie bei sich auf und Gilbert de Villancourt (Fred Williams), der sich in sie verliebt, wird ihr als Beschützer zur Seite gestellt. Zudem erweist er sich als guter Trainingspartner, kann aber nicht verhindern, dass ein Mordanschlag auf Isabella innerhalb der Schlossmauern verübt wird. Eine Freundin (Gioia Desideri) der Familie, die zu Besuch aus Paris angereist war, versucht sie während einer lesbischen Liebes-Szene zu erwürgen. Isabella beschließt daraufhin, den Verursacher allen Übels, Baron von Nutter, direkt anzugreifen und schleicht sich als Prostituierte in dessen Gemächer ein.
„Mit Sexszenen angereicherter Abenteuerfilm alten Stils um eine französische Adelige, die um ihr rechtmäßiges Erbe kämpft.“
schrieb der „Evangelische Filmbeobachter“. Zu einem ähnlichen Schluss kam der italienische Kritiker Pestelli in der Tageszeitung „La Stampa“ (Quelle Wikipedia). Eine Interpretation, die die Intention der „Fumetti per adulti“ umkehrte – nicht der Sex war hier schmückendes Beiwerk, sondern die Abenteuer-Story. Die Auseinandersetzung zwischen dem niederträchtigen Baron und der Herzogin wurde nicht offen ausgetragen, sondern verlief auf der sexuellen Ebene im Wechselspiel von Verführung, Hingabe und Bestrafung. Tod und Folter inbegriffen, weshalb sich die Frage nach einem komödiantischen Unterton erledigt haben müsste, basierte die Story nicht auf einem Comic-Book. Wirklicher Schaden an Leib und Seele durfte der Heldin, die in 263 Ausgaben im Mittelpunkt stand, nicht widerfahren, weshalb sie unmittelbar nach dem Auspeitschen wieder ganz in ihrem Element ist. Auch Diego (Salvatore Borghese), als Side-Kick neben einigen Action-Einlagen auch für die komischen Momente zuständig, glänzt nach der Folter auf der Streckbank gleich wieder in alter Frische.
"Isabella, duchessa dei diavoli" lässt sich weder als Erotik-, noch als typischer Abenteuerfilm oder „Commedia sexy“ einordnen, sondern ist das gelungene Abbild eines Comics, der die Widersprüche einer Zeit des sozialen Umbruchs und der sexuellen Liberalisierung widerspiegelte. Brigitte Skay trat in ihrer Rolle zwar selbstbewusst auf und gilt als den Männern gleichwertige Degenfechterin, stand aber auch als Pin-up-Girl für Männerfantasien im Zentrum des Geschehens. Zudem darf sie der schöne Gilbert mehrfach retten und wird am Ende auch mit einer Liebesnacht entlohnt – so viel Tradition musste sein. Der wenige Monate später folgende „Zenabel“ (1969), der die Geschichte um die kampfeslustige Adlige nochmal erzählte, dabei die Comic-Vorlage freier und komischer interpretierend, war in dieser Hinsicht konsequenter. Zumindest in der Originalversion. Die nachträglich hinzugefügten Szenen lassen erahnen, dass es mit der in beiden Filmen durchschimmernden Emanzipation noch nicht so weit war. (6/10)