Angekündigt als ein starbesetzter Thriller im Bomben-Milieu, entpuppt sich "Blown Away" bald als optische Fingerübung in punkto Explosionseffekte. Inhaltlich und schauspielerisch kommt wenig rüber in diesem Unterhaltungsfilmchen, daß sich ein politisch-kritisches Mäntelchen als Konfliktpotential umgehängt hat.
So ist denn Jeff Bridges, dessen Mimik sowieso oft zu wünschen übrig läßt hier der aus Nordirland geflüchtete und unter falschem Namen in Boston wiedereingegliederte Ex-Jugend-Terrorist mit etwas Schuld. Viel mehr Schuld dagegen hat Tommy Lee Jones als böser Bube, der gleich zu Beginn mittels einer genialen Konstruktion aus einem nordirischen Gefängnis türmt, das aussieht, wie das Chateau D'If im "Graf von Monte Christo".
Hier zeigt sich schon die Vorgabe des Films: wenig Logik, schöne Effekte.
Jonesy will Rache, soviel ist klar und deswegen macht er sich daran, den genialen Entschärfer unter Druck zu setzen, indem er, Dramatik muß sein, Logik nicht, erst mal nacheinander dessen Kollegen wegpustet, gerade als Bridges sich aufs Altenteil zurückziehen will.
Leider gerät das Duell zu einem Fight der Explosionen, die Bridges natürlich verhindern will. Ansonsten explodiert der Film nie, denn Bridges tut alles nur Denkbare, um seine Identität weiter geheim zu halten, während sein Kollegen ihm stückchenweise um die Ohren fliegen. Probleme macht da nur sein Nachfolger in der Person von Forest Whitaker, der zwischendurch mal eine Sprengladung in seinen Kopfhörern hat und der ihn am Ende auch noch deckt. Es wäre klarer und reinigender gewesen, wenn es denn irgendwann mal rausgekommen wäre.
So bleibt uns Bridges immer ein wenig suspekt, während Whitaker zu jung und locker rüberkommt. Wirklich runterziehen tut den Film aber Tommy Lee Jones, der hier grimassierend und chargierend dermaßen vom Leder zieht, daß man meint, er würde Jim Carrey ersetzen. Das wirkt nicht nur albern und überzogen, sondern schlicht lächerlich.
Also muß man sich von Explosion zu Explosion hangeln und die, genauso wie die Entschärfungen, sind wirklich eine feine Sache. Es gibt reichlich davon im Film und das ist auch gut so, immerhin ist so alle 10 Minuten richtig was los, während wir sonst nur darauf warten, daß die Kampfhähne sich endlich begegnen und Bridges der Kragen platzt. Der Showdown ist schön furios, erst auf einem langsam aber sicher explodierenden Schiff, dann in einem nicht zu stoppenden Auto, aber das bewahrt Regisseur Stephen Hopkins wieder nicht vor dem immer wieder auftretenden Vorwurf, ein passabler Handwerker zu sein, den göttlichen Funken jedoch zu missen. Ein schöner Gimmick am Rand ist Lloyd Bridges alter irischer Knabe, der Vater und Sohn hier noch mal gemeinsam vor die Kamera bringt. (6/10)