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Mit plastischem Eigenleben erzähltes Action-Drama, dass sowohl zwischen diesen beiden Genres als auch den Handlungsorten Cheung Chau und Hong Kong und zwei verschiedenen Zeitebenen schwankt, dann allerdings die gleiche große Geschichte, nur eben aufgestaffelt in Ensemblekunst auch mit Cameos, schnellem Handlungstempo und trotzdem einigen Verwickelungen erzählt. Eher am Ende, fast ein wenig über dem Limit der klassischen Epoche von 1986/87 an bis allerhöchstens Mitte der Neunziger und dort auch außerhalb eines wirklichen Bekanntheits- und Bewusstseinsgrades gestellt, darf sich der Abschlussfilm von actor goes director Raymond Lui eines angenehm überraschenden Repertoires in gleich mehreren Belangen und auch der einzelnen Visualisierungen spröde zerklüfteter Actionszenen erfreuen:

Captain Gold Eagle [ Tong Chun-chung ] ist zusammen mit seinem Partner Lau [ Alan Chan ] schon seit einer Weile hinter dem Waffen-, Juwelen- und Drogenhändler Chau Shen-fu [ Waise Lee ] her. Dieser kann sich zwar der hilfreichen Unterstützung des in der Polizeihirarchie weit oben stehenden Uncle Wu [ Gam Biu ] versichern, fühlt sich von dem Gesetzeshüter aber dennoch so provoziert, dass er mit einer Handvoll Schergen und nackter Gewalt dessen Hochzeitsfeier mit Ling [ Amy Yip ] und der teilnehmenden Familie, darunter Etern und Bruder Yi [ Mark Cheng ] heimsucht. Ein Jahr später findet die zwischenzeitlich nach Amerika ausgereiste Senna [ Sharla Cheung ] den Witwer und ehemaligen Liebhaber Gold Eagle als der Sucht des Alkohols anheim gefallener Müllmann wieder, der sich in Trauer und Delirium verliert und bis auf die Kellnerin Rosa [ Cecilia Yiu ] auch keinerlei Kontakt zur Außenwelt hat. Erst als Rosas schmieriger Freund Chi [ Charlie Ng ] in dem vermeintlichen Nebenbuhler den immer noch von Chau gesuchten Gold Eagle entdeckt und prompt in der Unterwelt verrät, muss sich der Gefallene zwangsläufig wieder seiner Fähigkeiten besinnen.

Dadurch, dass die Geschichte in mehreren zeitlichen, perspektivischen und auch geographischen Ebenen und dann auch einer abwechselnden Inszenierungsweise dargereicht wird, ergibt sich ein Eindruck der Fülle und Vielfalt, die in chronologisch überblickender Reihenfolge sicherlich nicht gegeben ist. Filmemacher Lui, der seit 1982 mit seinen Kung Fu Balladen pausiert, hier wie großteils zuvor bei seinen Arbeiten auch das Skript verfasst und ebenfalls gewohntermaßen über Success Film (H.K.) Company Ltd produziert hat, zieht die Handlung gleichermaßen mit Deklamation von Klischees als auch der (physischen) Proklamation von Antworten darauf auf. Dabei ist wie schon zuvor bei seinem vorübergehenden Ausstieg aus dem Geschäft Bloody Mission (1982) eher die Masse an Personen, ihre Beziehungen und die kreuz und quer Anordnung dessen das Schlagwort der trivial-abenteuerlichen Narration, wobei die Behandlung selber ihre kleinen Schwächen, aber wenigstens das Herzblut dahinter und ständiges Interesse bis zur Frontenklärung hin aufweisen kann.

So ist gerade die Trinkerballade, die Selbstbemitleidung und der eigene Niedergang des Gold Eagle sicherlich nicht Jedermanns Geschmack, wie billiger Fusel eventuell schwer zu verdauen und eher flachen, bisweilen adäquat auch umnebelten Geistes. Erschafft sich seine Subventionen allerdings in der Beimengung vielzähliger, vielfältiger und durchweg druckvoller Actionszenen und der Unterfütterung einer (melo)dramatischen Textkürzung von Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg bis hin zum eigentlichen Showdown von Angesicht zu Angesicht. Beginnend mit einer Razzia, die dann beizeiten den Sprung nach vorn in den (vorübergehenden) Abgrund und folgend das Wieder-Aufstehen daraus macht, wird die alles anderes als komplizierte Geschichte über verzweigte Umwege, teils auch sicherlich mit Gemeinplätzen, auch Brutalitäten, Interpretationsphantasien und weiteren affektiven Formalisierungen in einem mehrteiligen und so vielschichtigen long run System mit gänzlich anderer Verteilung von Proportionen, Schwerpunkten und auch Ekstasen erzählt.

Zentral und gleichzeitig vollkommen außen vor steht so beispielsweise das Hochzeitsmassaker, dass als Anfang allen Übels, angedachter Höhepunkt des Lebens, aber tatsächliches Desaster die hier erst späte Kehrtwende und so den positiven statt den negativen Knalleffekt hat. Als erinnernde Rückblende und da auch Motivation für ein Weitermachen statt dem Aufgeben und so dem erneuten Erregungszustand gesetzt. Ein Wandel in der Kontinuität, dass die Leidenschaft in den Schicksals- und dann den Befreiungs- und Faustschlägen sucht; ähnlich gewunden, uneinsichtig und komplett im groben Verhau gehalten wie die Raumstruktur der (hier das Gegenteil einer paradiesischen Idylle darstellenden) Fischerinsel Cheung Chau.

Mitentscheidend sind zuletzt auch die Beimengungen aus groben Straßenkampf und forschen Schießereien, werden in Nebenszenen ganze Abordnungen von Schützen- und Prügelvereinen aufeinander los und die Stuntmen der finanziell sicher absolut überlebensfähigen, aber dennoch in angenehm vierschrötiger Manier formulierten Produktion zur Ader gelassen. Eine derbe und gleichzeitig sinnliche Begierde, die sich bevorzugt in ungehobelter Umgebung, ebensolchen Kampf- und Hauruckaktionen auch mit schwerem Gefährt und trotzdem aus- und gefälliger Choreographie bewegt.

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