Nachdem ihr Start-up in der Finanzwelt reüssiert hat, denkt Leya (Evin Ahmad) daran, nun einen Börsengang zu wagen - doch gleichzeitig ziehen dunkle Wolken auf, als die schwedische Finanzaufsicht Prüfungen ankündigt. Als ihr ihr Mentor und Teilhaber Tomas seine Anteile zum Rückkauf anbietet, ist der libanesischstämmigen Firmenchefin klar, was die Stunde geschlagen hat.
Gleichzeitig hat ihr Schwager Ravy (Dada Fungula Bozela), seines Zeichens Drogendealer im angrenzenden Viertel, mit Umsatzrückgängen durch Lieferengpässe zu kämpfen - dessen Probleme verstärken sich erst recht, als ein neuer Gangleader auftaucht: Zaki (Adam Kais), gerade frisch aus dem Knast entlassen, will ihm das Revier streitig machen. Der ebenso forsch wie zielstrebig vorgehende Endzwanziger, der bei geringsten Problemen schnell zur Pistole greift, schart vor allem junge bis ganz junge Helfer um sich, die er rhetorisch gewandt auf seine Seite zieht. So gelingt es ihm u.a, eine vierköpfige Clique aus 13-jährigen Migrantenkindern zu Kleindealern zu machen. Ravy, der seinen Einfluß schwinden sieht, versucht sich mit roher Gewalt Respekt zurückzuverschaffen und prügelt einen der Schüler derart, daß dieser ein Auge verliert.
Als Leya den medial bereits angekündigten Börsengang ihrer Firma trotz drohender Ermittlungen dennoch durchziehen will, läßt sie sich für den dafür sofort benötigten Batzen Geld auf einen waghalsigen Deal mit dem arrivierten schwedischen Dealer Marko (siehe Staffel 1) ein: sie bürgt, trotz erheblicher Bedenken, mit ihrem bekannten Namen für die Seriosität von Marko bei einem größeren Drogendeal - durch persönliche Anwesenheit im Privatjet der südamerikanischen Lieferanten.
Als Ravy sicherheitshalber die Stadt verläßt, erledigt der zu allem entschlossene Zaki kurz darauf Marko per Kopfschuß, und Leya steht nun ganz allein den mächtigen Kartellleuten gegenüber...
Die 2. Staffel der schwedischen Serie Snabba Cash um arabisch-afrikanische Großstadt-Drogengangs knüpft relativ nahtlos und ohne größeren zeitlichen Abstand an das Ende der 1. Staffel an: Leya hat sich als erfolgreiche Geschäftsfrau etabliert, findet jedoch kaum Zeit für ihren kleinen Sohn, den sie außerhalb des Kindergartens ständig bei Mama, Oma oder anderen Leuten parkt. Die Sorgen um das Zusammenbrechen ihres Start-ups, das ihr Geschäftspartner mit faulen Tricks hochgezogen hatte, bestimmen ihre Gedanken, während parallel dazu die Drogenkids Rabatz machen und ihr dunkelhäutiger Schwager angesichts der neuen Konkurrenz ausrastet. Mittendrin im Geschehen vier junge Schüler, deren trostlose Gedankenwelt durch den vermeintlich leicht zu erarbeitenden Zusatzverdienst ein wenig aufgehellt wird - dem engagierten Lehrer Jamal (Ardalan Esmaili) gelingt es nicht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Diese drei parallelen Handlungsstränge werden schließlich zusammengeführt und laufen erwartbarerweise auf einen gewalttätigen Showdown hinaus, der - wie schon wie in Staffel 1 - mit Verlusten endet.
Diese 2. Staffel, noch einen Tick rauher und härter als der 1. Teil 2021, verzichtet diesmal erfreulicherweise auf jegliche Seifenopern-Momente und reduziert Leyas bisher dominante alleinige Hauptrolle auf eine von mehreren - zudem gerät die Powerfrau erheblich mehr unter Druck als noch zuvor. Das Hauptaugenmerk liegt 2022 allerdings noch mehr auf der Drogenproblematik und der damit verbundenen Gewalt-Kriminalität, wobei die Thematik sich besonders um Führungsprobleme und Gruppenzwänge dreht. Ohne künstliche Dramatik und damit erst recht erschreckend schonungslos werden die Folgen falsch verstandener Loyalität beleuchtet, wenn beispielsweise ein harmloser, dicklicher 13-jähriger arabischer Schüler von einem afrikanischen Muskelprotz halb totgeschlagen wird - und dies keinerlei Folgen nach sich zieht. Doch Ravy, der nicht nur deswegen zum unsympathischsten Charakter dieser Staffel wird, schätzt seine Lage ohnehin völlig falsch ein, bis er selbst fliehen muß und sogar seine ihm bisher treu ergebenen Handlanger Nala und Osman an ihm zweifeln. Dem patriarchalischen Ravy gegenüber steht der selbstsicher auftretende junge Zaki (der in einer thematisch anderen Rolle dank seiner Unbekümmertheit vielleicht sogar Sympathiewerte verbuchen könnte) als "junger Wilder" unter lauter noch jüngeren Anhängern, die von seinem Auftreten beeindruckt alsbald die Seiten wechseln.
Für keine der beteiligten Parteien gibt es ein Regulativ, wie üblich spielen Polizei oder öffentlicher Druck keine Rolle, Waffen, Luxuskarren und Geld sind wie selbstverständlich vorhanden und selbst der einzig positive Charakter dieser 2. Staffel, der Lehrer Jamal, kann am Lauf der Dinge absolut überhaupt nichts ändern: zu stark ist das Zugehörigkeitsgefühl der Schüler zu einer Gang und geplaudert wird da einfach nicht.
Snabba cash erzeugt eine unheilvolle Atmosphäre, in der jederzeit mit unerwarteten Gewaltausbrüchen zu rechnen ist, was das Spannungslevel konstant oben hält und für die auch diesmal 6 Episoden zu je etwa 45 Minuten zum binge-watchen einlädt. Auch wenn Leyas unfreiwillige Involvierung in Drogengeschäfte ein klein wenig konstruiert wirkt, vermag die temporeiche 2. Staffel (der durch bewußt offengelassene Handlungsstränge und eine pointierte Schlußszene mit Sicherheit eine dritte folgen dürfte) mit ihrer ungeschminkten Darstellung schwedischer Drogenkriminalität zu überzeugen: 8 Punkte.