Die Aufklärung eines ungelösten Mordfalles per eigener Internetrecherche ist das Thema dieses im Stile einer Dokumentation gedrehten Films: Die 24-jährige Crystal wurde im Jahr 2006 bei einer nächtlichen Schießerei tödlich getroffen, der Schütze wurde jedoch nie gefasst. Ihre Familie, allen voran ihre alleinerziehende Mutter, wollen jedoch wissen, was in jener Nacht in Riverside, einer weniger gut beleumdeten Gegend bei Los Angeles, geschah. Eine junge Cousine, etwa um die 13, eröffnet deswegen einen gefakten MySpace-Account mit Bildern der Erschossenen, mit dem sie ganz gezielt in den Kreisen der örtlichen Gangs hausieren geht - und tatsächlich findet sich nach einigem (An-)locken auch bald eine heiße Spur...
Mit dem programmatischen Titel Why Did You Kill Me? ist auch schon alles über den Inhalt dieser Netflix-Produktion gesagt, denn der unerklärliche Verlust eines Familienmitgliedes und die Suche nach Antworten dominieren das Geschehen, das seine 73 Minuten Laufzeit mit Interviews, einigen MySpace-Chats sowie einem kleinen Miniaturmodell der Wohngegend auf Tischgröße relativ preiswert bestreitet. Aber nicht das No-Budget ist das Problem der Geschichte, sondern die wenig sympathische restliche Familie, hier besonders die retrospektiv erzählende Mutter, die als Voiceover zu älteren Standbildern das Geschehen begleitet und weitgehend bestreitet.
Es stellt sich nämlich schnell heraus, daß die Abneigung gegen die ermittelnden Gesetzeshüter (ein Sheriff tritt auch zum Interview an) vor allem daher rührt, daß die alleinerziehende Frau Mama einen schwunghaften Drogenhandel betrieben hatte; auch das Opfer, dessen Lebensweg übrigens nur kurz erwähnt wird, hatte kurzzeitig mit Drogen zu tun, und von den beiden älteren Brüder, von denen einer am Hals tätowiert ist, werden in den Interviews ebenfalls einige Vorstrafen erwähnt. Die Präsentation dieser familiären Umstände, die übrigens knochentrocken und ohne auch nur den geringsten Anflug von Sympathie vonstatten geht, erstickt schnell jegliches Mitfiebern nach dem unbekannten Schützen, der nachts aus einem vollbesetzten Van auf das Auto der Familie schoß.
Somit bleibt die private Ermittlungsarbeit, die einer Idee der aufgeweckten halbwüchsigen Cousine entspringt, nur ein Nebenthema, vor allem nachdem die Kleine den Account schon bald der Mutter überläßt, die ihn dann weiterführt und irgendwann auch dem örtlichen Sheriff darüber Bescheid gibt. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch die geringe Spannung verflogen, denn mehr als eine vage Spur eines jungen Gang-Mitglieds, der sich brüstet, damals dabeigewesen zu sein, gibt es lange Zeit nicht. Mehr durch Zufall löst sich der Fall dann am Ende doch noch auf, wird jedoch durch die uninteressanten und ermüdenden Befindlichkeitserklärungen der streitbaren Mutter zur reinen Nebensache.
Unter sehr großzügiger Bewertung des Umstandes, daß die handelnde Familie zumindest nicht aus untadeligen Durchschnitts-Charaktären besteht, ergeben sich trotz allem im besten Fall 3 Punkte und der Hinweis, daß diese Doku eigentlich RTL II-Dutzendware darstellt und aufgrund aufkommender Langweile trotz der Kürze sogar ein wenig Durchhaltevermögen erfordert. Schwach.