Review

Rollender Rassismus


Rassismus in Deutschland und speziell im deutschen Fußball. Seit Jahrzehnten und wohl leider auch in Jahrzehnten noch ein Thema. „Schwarze Adler“, eine sachliche und dennoch sehr emotionale Doku auf Amazon, lässt nun etliche ehemalige und aktive Sportler/innen mit dunkler Hautfarbe zu Wort kommen, von Erwin Kostedde über Jimmy Hartwig bis Cacau - und bei ihren Schilderungen muss man, obwohl man eigentlich meint zu wissen, was da auf dem Platz, den Tribünen und auch in Fernsehshows abgeht, erstmal heftig schlucken, sich schämen und mit dem Kopf schütteln...

Wie tief Alltags- sowie „wirklicher“ Rassismus in der Gesellschaft und den Köpfen verankert ist, zeigt „Schwarze Adler“ mehr als eindringlich. Wie direkt und ungeschönt hier die Betroffenen aller Generationen über Hass, Vorurteile, Ausgrenzung und Ungleichbehandlung sprechen, macht einen sprachlos, traurig und nachdenklich. Und dass sich zwar in den letzten Jahrzehnten scheinbar einiges getan hat, doch unter der Oberfläche und relativ tief verankert die Problem und Denkweisen noch lange nicht komplett hinter uns liegen, dass dürfte hier nach ebenfalls nicht mehr diskutabel sein. Warum man manchmal gefühlt auch unüberlegte Aussagen und Worte auf die Goldwaage legt? Warum sich kein aktiver Fußballer als schwul outet? Warum viele Alibiaktionen von Verbänden, Teams und Spielern kritisiert werden? Warum gerade ältere Generationen noch immer total komische Ansichten zu dem Thema haben? Warum Spieler die Nationalhymne nicht selbstverständlich mitsingen? Warum solche Erfahrungen einen prägen und verändern? Auch die komplette Sicht auf unser Land? „Schwarze Adler“ lässt einen vollkommen unpathetisch, unkitschig und ohne zu dick aufzutragen nachfühlen, was dunkelhäutige Menschen in Deutschland und vor allem im deutschen Fußball tagtäglich durchmachen. Von schiefen Blicken bis zu ungebremstem Hass aus der rechten Ecke, von lapidaren Ausdrucksweisen bis zu einer gefühlten Unterteilung/Klassengesellschaft, von den 60ern bis in diese Saison, von idiotischsten Gesängen bis zu kleinen Beleidigungen auf dem Spielfeld, von ganz natürlich und flapsig beleidigenden Talkshows bis in die Umkleide, von der E-Jugend bis zur Nationalmannschaft, von Frauen bis Männer. Erschreckend und unbedingt (weiter) massiv verbesserungsbedürftig. Aber dennoch in „Schwarze Adler“ beileibe nicht ohne gewaltigen Schimmer an Hoffnung, Stolz und Gemeinschaft. Klasse, sinnvolle Doku. Besonders für alle die meinen: „Die sollen sich mal nicht so anstellen!“. Denn genau solche Sätze sind das Problem. 

Fazit: echte Erfahrungen, echte Emotionen, genügend Gänsehaut. Ein gesellschaftliches und dokumentarisches Muss - nicht nur für Fußballfans! Wir haben noch viel, viel zu lernen und zu ändern...

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