Review

Mit „Big Mama's Haus“ begibt sich Martin Lawrence auf klamaukiges und ziemlich mittelmäßiges Niveau.
Die Eröffnungssequenz dürfte eher Kindern gefallen, da die Gags an sich mau sind. FBI-Agent Malcolm Turner (Martin Lawrence) und seine Kollegen lassen ein illegales Hundekampftreffen hochgehen. Einzig nett sind die gelungene Maskerade von Lawrence und die Tatsache, dass der Veranstalter der Hundekämpfe eine ähnliche Rolle in der Eröffnungsszene von „Showdown in Little Tokyo“ spielte. Doch die Witze sind kindisch und vor allem der talentierte Paul Giamatti („Verhandlungssache“) als Turners Partner John wird mit schlechten Jokes verschwendet.
Neuester Fall: Der Bankräuber Lester (Terrence Dashon Howard) haut aus dem Knast ab und das FBI vermutet, er wolle seine Freundin Sherry (Nia Long) aufsuchen – bei der auch die bis heute nicht gefundene Beute vermutet wird. Doch die haut ab, weshalb das FBI Malcolm und John losschickt, um das Haus von Sherrys Großmutter Big Mama (Ella Mitchell) zu überwachen. Bei der Darstellung dieser wuchtigen Südstaatenmatrone lässt „Big Mama's Haus“ kaum ein Klischee aus, ehe Malcolms erste Ermittlungen in einem gnadenlos unkomischen Ekelwitz in Big Mamas Badezimmer enden.

Big Mama muss allerdings ganz schnell weg, um eine Freundin im Krankenhaus für eine längere Zeit zu besuchen. Reichlich Zeit um einzusteigen denken sich Turner und Hootch... äh John und filzen das Haus. Da ruft (was ein Zufall) Sherry an und fragt, ob sie ein paar Tage bei Großmütterchen bleiben kann. Malcolm geht ran, gibt sich als Big Mama aus und lädt sie ein. Ehe diese ankommt, nutzt er seine meisterliche Verwandlungsfähigkeit um als schwergewichtige Big Mama vor Sherry zu stehen.
Der Plot von „Big Mama's Haus“ mixt recht uninspiriert die Plots von diversen Verwandlungs- und Verwechslungskomödien, angefangen bei „Die Nacht hat viele Augen“ über „Der verrückte Professor“ bis hin zu „Der Diamanten-Cop“. Doch leider besitzt der Film kaum eigene Ideen, so dass die Mischung aus Altbekanntem kaum noch fesseln kann. Auch „Einfälle“ wie die vorprogrammierte Love Story zwischen Malcolm und Sherry strecken den Film eher als ihn aufzupeppen. Bei gerade 94 Minuten Laufzeit kaum ein Zeichen von besonderer Kreativität, denn der Drehbuchschreiber verlässt sich zu sehr auf seine (zugegeben ganz reizvolle) Grundidee, Martin Lawrence als gewaltige Südstaatenmatrone durchs Bild turnen zu lassen. Von dem Spannungsmangel gar nicht zu reden.

Aber viele Komödien gleichen schwache Storys durch klasse Gags aus und auch hier ist „Big Mama's Haus“ eher durchwachsen. Sicher, die meisten Komiker in diesem Film, allen voran Martin Lawrence, sind sehr bemüht, aber dem Drehbuch mangelt es an echten Brüllern wie dem Karatetraining oder „Big Mama kriegt gleich einen Riesen Ast!“. Denn vieles ist zwar in der Grundidee witzig (z.B. Turner als Big Mama beim Basketball), aber wird über die Grundidee nicht weiterentwickelt, manches andere wie z.B. die Geburt des Baby regt lediglich zum Grinsen ein. Die schlechten Gags (u.a. der dauergeile Rentnerfreund Big Mamas) werden ungünstigerweise zum Anfang platziert, was den Zuschauer schnell Interesse verlieren lässt. Das turbulente Finale benutzt dann leider zu oft den gleichen Verwechslungsgag, weshalb das ganz nette „Dazwischen“ an Reiz verliert.
Hauptdarsteller Martin Lawrence gibt sich alle Mühe und ist an sich auch ein Top-Komiker (ich liebe „Bad Boys“), weshalb der Film auch einen gewissen Sympathiebonus bei mir genießt. Seine Leistung hier ist immer noch im oberen Bereich. Auch Anthony Anderson gibt einen Vorgeschmack seiner Brüller-Leistung in „Exit Wounds“ und Paul Giamatti strengt sich an, wird aber leider vom Drehbuch vor allem für Flachwitze verschwendet. Nia Long ist vor allem als Heros Love Interest da und muss niedlich aussehen. Die restlichen Schauspieler sind kaum der Rede wert.

Klamaukige Komödie mit wenigen echten Brüllern. Dank des talentierten Martin Lawrence gerade noch unterer Durchschnitt.

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