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Sportfilme funktionieren immer dann besonders gut, wenn man selbst ein Freund der thematisierten Sportart ist. Insofern ist es nicht so schlimm, bei vorliegendem Streifen weder mit den Regeln, noch den Gepflogenheiten beim Football vertraut zu sein. Denn wie so häufig geht es im Kern vielmehr um den Aufstieg und den Zusammenhalt einer Außenseitermannschaft.

1938 in Texas: Lehrer Rusty (Luke Wilson) zieht mit seiner Familie in ein Waisenhaus, wo er gern als Football-Coach tätig werden würde. Gemeinsam mit Doc Hall (Martin Sheen) findet er zwölf Waisenjungen, die bereit sind ein Team zu bilden. Nach einer ernüchternden Niederlage bei einem Testspiel, wendet sich Rusty an seinen besten Spieler Hardy (Jake Austin Walker), um die Motivation seiner Mannschaft wachzurütteln…

Football, das Spiel bei dem sich die Spieler gegenseitig anrempeln und über den Haufen rennen, um anschließend ein ledriges Ei über irgendeine Linie zu bringen, ist seit jeher eine typisch amerikanische Sportart, die, ähnlich wie Baseball, erst in den letzten Dekaden etwas mehr internationale Beachtung fand. In den dortigen Medien war das hingegen bereits in den 1930ern ein kleines Spektakel, was wohl auch dazu führte, dass jene auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eine nicht unerhebliche Beachtung fand. Besonders in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise, als sich Menschen nach Hoffnung und Inspiration sehnten.

Sympathisch erscheint die Konstellation schon deshalb, weil unterprivilegierten Menschen sogleich eine Chance gegeben wird und mit Rusty ein Coach antritt, der sich auch gegen das bestehende System mit körperlichen Strafen und Kinderarbeit stemmt. Neben Hardy bleiben die übrigen Spieler zwar etwas knapp charakterisiert und die entsprechenden Gegner werden reichlich klischeehaft wie monströse Schlächter in Szene gesetzt, doch neben Trainingseinheiten und neuartigen Taktiken bleibt immer noch Raum für die mentale Entwicklung des Kollektivs. Pathetische Ansprachen bleiben da nicht aus und doch klammert Regisseur Ty Roberts übermäßig sentimentale Einschübe weitgehend aus.

Zudem kann er sich vollends auf die treffend besetzten Mimen verlassen, bei denen besonders Wilson und Walker positiv hervorstechen. Während Wilson eine latente Souveränität ausstrahlt und dabei nie arrogant oder zu euphorisch rüberkommt, spielt Walker den impulsiven Rebellen mit verletzlichen Kern ebenso überzeugend. Sheen punktet allein durch seine Präsenz, gleiches gilt für einen Gastauftritt von Robert Duvall.

Wenn Coming-of-Age auf Motive eines Sportfilms trifft, mögen diverse Abläufe weit im Vorfeld erahnbar ausfallen und obgleich der Stoff in vielerlei Hinsicht ein wenig altmodisch anmutet, zieht er rasch in seinen Bann, liefert solide inszenierte Spielfeldaktion und überzeugt mit einem spannend gestalteten Showdown. Im weitesten Sinne ein Wohlfühlfilm der alten Schule.
7,5 von 10




    

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