Regisseur Brad Turner steuerte für einige populäre Serien zahlreiche Episoden bei und kann auf über 40 Jahre Erfahrung zurückblicken, gleiches gilt für seinen Hauptdarsteller Barry Pepper, der es trotz regelmäßiger Präsenz nie in die vordere Riege geschafft hat. So wirkt „Trigger Point“ wie die Ausgabe einer Serie, zu der es allerdings keinen näheren Kontext gibt.
Der ehemalige Agent Nick (Pepper) hat sich seit einem Jahr unter dem Pseudonym Lewis in ein kleines Kaff an der Ostküste zurückgezogen und lebt dort in einer geräumigen Hütte voller Sicherheitstechnik und Waffen. Als ihn sein alter Kumpan Elias (Colm Feore) hier aufspürt und ihn bittet, nach seiner verschwundenen Tochter, ebenfalls Agentin zu suchen, begeben sich beide auf eine Mission, die für Nick Fäden der Vergangenheit zusammenlaufen lassen…
Beim Spionagethriller kann es schon mal vorkommen, dass drei Namenlose, wie Zivilisten erscheinende Unbeteiligte ohne Vorwarnung erschossen werden. So wie bei der Exposition, als im Parkhaus, auf der Parkbank und in der Gasse Schüsse fallen. Die Identität von Opfern und Täter ist zunächst ungewiss, nur: Das bleibt auch so.
Denn um genauere Erklärungen schert sich die Geschichte überhaupt nicht, die Konstellation bleibt schwammig und gleichzeitig austauschbar. Die „Agency“ wird zu keiner Zeit genauer eingeordnet, eventuelle Feinde bleiben nebulös und was Nick vor einem Jahr während Folter und Drogenzufuhr durchmachte, bleibt lange ohne Hintergrund. Immerhin: Nick ist ein ausgemachter Tierfreund und fängt eine schwangere Katze, damit sie ihre Jungen in der Obhut eines Veterinärs zur Welt bringen kann. Das Schicksal jenes Tieres bleibt folgerichtig ebenfalls ungewiss.
Der Rest besteht aus anonymer Ballerei, welche untermauert, was für ein prächtiger Schütze der ehemalige Spezialagent sein muss. Denn Nick streckt die zumeist schwarz gekleideten Gegner im Vorbeigehen aus 15 Metern Entfernung nieder, meist durch Kopfschuss. Wer diese sind und ob die wiederum in einer Verbindung zur eigenen Organisation stehen? Völlig egal.
Dazwischen werden noch irgendwelche ominöse Daten herunter geladen, jeder will wissen, wer Quentin ist und einzig einige Impressionen des Altweibersommers schüren einige rare, atmosphärische Momente.
Sogar die einzig erwähnenswerten. Wie bei einer Szene kurz vor Ende, als die Sonne bereits aufgeht und sich zwei Gestalten auf einem Steg annähern, der von relativ hoch peitschenden Wellen umgeben ist. Das ist ansehnlich gefilmt und bringt eine ansprechende Farbgebung mit sich, doch Spannung schürt die Szenerie leider nicht, weil zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr interessiert, wer mit wem interagiert oder paktierte. Sogar Totgeglaubte mischen in der letzten Szene wieder mit und auch hier bleiben etwaige Erklärungen aus.
Pepper müht sich, den abgeklärten Agenten mit einer Mischung aus Coolness und Demut zum Leben zu erwecken, gleiches gilt für den hageren Feore als dubioser Kumpan. Zumindest kämpfen sie tapfer gegen die wenigen hölzernen Dialogphrasen an, was auch für die übrigen, weitgehend treffend besetzten Mimen gilt.
Doch das taugt nur bedingt, wenn das Grundgerüst rein gar nicht stimmig ist und eine seelenlose Geschichte erzählt, zu der es schlichtweg keinen ordentlichen Zugang gibt. Das ist, als würde man bei einer xbeliebigen Ausgabe einer etablierten Serie reinschauen, bei der man weder die Hauptfiguren, noch den Tenor kennt: Es plätschert an einem vorbei und bleibt ohne Nährwert. Da triggert rein gar nichts.
3 von 10