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Wenn ein Regiedebüt fast im Alleingang gestemmt wird und das Projekt annähernd neun Jahre benötigt, um endlich veröffentlicht zu werden, ist die Gefahr groß, dass essentielle Zutaten einfach nicht rund wirken. So ergeht es zumindest dem Projekt von Michael Kallio, der hier nicht nur Regie führt und das Drehbuch schrieb, sondern auch gleich in die Hauptrolle schlüpft, womit er sich und sein Potential gnadenlos überschätzt.

Allein die 08/15-Story erweist sich als flach und überraschungsfrei: Eric wurde als Kind Zeuge und Opfer eines sadistischen Vaters und Ehemanns. Jahre später versucht er sein Kindheitstrauma als Autor zu überwinden, doch als seine Mutter stirbt, lässt er seinen angestauten Aggressionen freien Lauf, denn geprügelte Frauen müssen „befreit“ werden…

Begleitet wird der Psychopath von imaginären Wegbegleitern, einem Engel und einem Dämon, die dummerweise aber nicht interagieren. Sie tauchen lediglich in entscheidenden Momenten auf und versuchen, Eric auf die jeweilige Seite zu ziehen, schneiden ansonsten aber nur blöde Grimassen und wirken zuweilen völlig deplatziert.

Auch wenn das Ganze von Bruce Campbell produziert wurde und der sein Mini-Cameo in Form eines Soap-Darstellers im TV gibt, - außer Langeweile kommt auf Dauer nichts auf.
Immer wieder versucht man mit Visionen und Rückblenden visuellen Reiz einzustreuen und scheitert am unprofessionellen Editing und der offensichtlich beliebigen Wahl diverser Farbfilter.
Dabei beginnt die Geschichte durchaus Interesse weckend, als Eric als Kind mit ansehen muss, wie seine Mutter von Dad (Kane Hodder hat leider zu wenige Passagen) hart geprügelt wird und ihm im Garten erstmals der dämonische Glatzkopf erscheint.
Doch schnell kristallisiert sich heraus, dass Michael Kallio sich selbst nicht überzeugend in Szene setzen kann, - in Form eines Leder-Bikers wirkt er zwar heruntergekommen, doch Aufmerksamkeit vermag seine Figur und dessen Charakterzeichnung nicht bewirken.

Seine Taten letztlich auch nicht, denn sie bestehen im Grunde aus einer einzigen Wiederholungsschleife, von der man früh ahnt, mit welcher Art von Showdown diese enden wird.
Eric latscht über Bahngleise, durch nächtliche Gassen, trifft beispielsweise eine anhängliche Hure, faselt dummes Zeug wie: „Ich bin böse, halt dich fern von mir“ und kurz darauf wird das Opfer erwürgt.
Um der Eindimensionalität ein wenig entgegenzuwirken, werden noch Halbbruder Cop und Schwägerin in eine Nebenhandlung eingebettet, doch man wundert sich, wie unfähig sich alle anstellen, einen sorglos umher streunenden Killer nicht viel früher aufzugabeln und die potentiell gefährdete Verlobte zumindest im Auge zu behalten.

Leider gestalten sich selbst die Morde völlig unspektakulär und kommen außer Erwürgen und zwei Kehlenschnitte recht harmlos daher. Von spannenden Momenten fehlt indes jede Spur, durch Überstrapazieren dämlichen Geschwafels in einer wahllosen Mischung aus E.A.Poe und Bibelzitaten wirkt das Treiben zeitweise eher lächerlich theatralisch, als wirklich in die Tiefe zu gehen und einen innerlich zerrütteten Charakter zu präsentieren, dessen Handeln auch fesseln kann.

Der Streifen wirkt in jeder Einstellung billig und allenfalls Teile des Scores, sowie die halbwegs sichere Kamera können noch ein wenig retten.
Inhaltlich können weder die Dramen-Anteile noch die des reinen Slashers überzeugen und am Ende ist man schon froh, dass der Showdown zumindest ein wenig Bewegung ins Spiel bringt.
Aber unterhaltsam ist das alles nicht.
3 von 10

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